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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Röhricht

Viele dieser Vögel brüten, fressen und verstecken sich im Röhricht. Aber auch Fische laichen hier ab und die Jungfische finden Nahrung und Schutz. Amphibien, Fischotter und viele Wirbellose, z.B. Libellen, kommen hier vor. Es sind Räume voller Leben! Darum stehen Röhrichte unter gesetzlichem Schutz. Schilf bildet die meisten und größten Röhrichte an den Seen.

Von einigen Freunden der Seen wurde es schon für die letzten Jahre vermutet, nun ist es traurige Gewissheit: Das Röhricht an den Schweriner Seen stirbt ab. Von 1953 bis 2003 ist 80 % dieses wichtigen Lebensraums am Schweriner Außensee verloren gegangen.

In solch breiten Röhrichten finden viele Tiere ihren Lebensraum. Haubentaucher, Blässhühner und verschiedene Enten, die hauptsächlich im Schilf brüten, die scheuen Rohrdommeln und Rohrweihen, nehmen in der Brutzeit von März bis August den Schutz der vielen Halme in Anspruch. Für den Erhalt u.a. dieser Arten wurden die Schweriner Seen als Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Doch auch für viele Fische, Insekten und Kleinstlebewesen sind die Röhrichte wichtiger Lebensraum. 

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Warum ist Schilf so besonders?

Schilf ist eine ganz besondere Pflanze. Denn sie ist eigentlich eine Landpflanze. Sie hat sich aber so angepasst, dass sie auf feuchtem Boden und manchmal sogar bis in 2 m Wassertiefe wachsen kann. Meistens ist bei etwa 1 m Schluss. Dadurch kann der aufmerksame Landschaftbetrachter die Wassertiefe anhand der Pflanzen ablesen. Am besten gedeiht sie in dem Bereich, der je nach Wasserstand zeitweise überstaut und im Frühsommer nur nass ist.

Schilf „schnorchelt“: Luftröhren im Stängel transportieren Sauerstoff zu den Wurzeln unter Wasser. Blätter und Stängel sterben zwar jedes Jahr ab, aber die Luftzufuhr für den Wurzelbereich bleibt lebenswichtig. Auch dieses Altschilf bietet Windschutz und Deckung. Aus den Wurzeln sprießen im Frühjahr wieder neue Stängel. Und sie bilden neue Ausläufer. In einem Rekord-Tempo von bis zu 3 cm am Tag können sie sich schnell bis zu 20 m ausbreiten. Oft schaffen es die neuen Sprosse erst im späten Mai wieder bis über die Wasseroberfläche.

 

Fakten zum Schilf

Schilf Phragmites australis
Merkmale: • Süßgras mit Rispe
• bis 4 m hoch
• blüht von Juli bis September
• Haarkranz statt Blatthäutchen
Ökologische Bedeutung: Lebensraum für viele Arten, einige auf Schilf spezialisierte wie Schilf-Eulen (Nachtfalter)
Nutzen für den Menschen: • Schutz vor Ufererosion
• Wasserreinigung, Abbau von Krankheitserregern wie Coli-Bakterien
• Landschaftsbild
• Baumaterial z.B. für Reetdächer

  • Röhrichtkartierung 2017 des Schweriner Außensees und Entwicklung seit 1953
  • Grobes Röhrichtschutz- und Entwicklungskonzept der Seeufer im Schweriner Stadtgebiet von 1953 – 2016 im Auftrag der Landeshauptstadt Schwerin
  • Studie zum Schutz und zur Vermehrung von Röhrichtzonen als Habitaträume von Wasservögeln innerhalb des Europäischen Vogelschutzgebietes „Schweriner Seen“ (DE 2235-402) im Auftrag des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Westmecklenburg
  • Schutz und Entwicklung aquatischer Röhrichte. Ein Leitfaden für die Praxis.  

Woher rührt das Schilfsterben?

Seit etwa den 1970er Jahren wird an Mitteleuropas Seen ein so genanntes Schilfsterben beobachtet: Ein von See zu See unterschiedlich starker Rückgang der Röhrichte. Durch Kartierungen, zuletzt 2016/2017, und Auswertung von Luftbildern von 1953 wurde ein Rückgang am Schweriner Außensee um 78 % der Fläche festgestellt. Röhrichte sind meistens nur noch wenige Meter bis 25 m breit, früher überwiegend 100 m. An den anderen Seen Schwerins ist der Rückgang geringer, doch auch erheblich. Nur der Medeweger See bietet weiterhin einen durchgehenden, breiten Röhrichtgürtel bis zur maximal möglichen Wassertiefe von 1 bis 2 m.

Schlüsselfaktoren

  1. Nährstoffanreicherung (bis in die 1990er Jahre),
  2. Regulierung des Wasserstands mit geringen Schwankungen und Folgewirkungen, insbesondere starker Uferabtrag (Erosion),
  3. Verbiss und Beweidung durch Bisam, Nutria, Wildgänse und Rinder.
  4. Beschattung und Ausbreitung von Gehölzen,
  5. Vorkommen von Eipilzen (einer Pflanzenkrankheit),
  6. direkte Schädigungen durch Uferverbau und Freizeitnutzung.

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