Grabower Wald von oben
(Dr. Ann-Dörthe Holst)
Auf 130 Hektar zusammenhängender Waldfläche will die Stadt Grabow in Mecklenburg ein Gewerbegebiet errichten. Es sind über 40 Brutvogelarten und 7 Fledermausarten nachgewiesen. Die Zerstörung des Waldökosystems auf so großer Fläche ist in Anbetracht des Klimawandels anachronistisch.
Unterstützt von der Landesregierung mit 38 Mio. Euro will die Stadt Grabow ein Gewerbegebiet mit Anschluss an die A14 bauen. Die Genehmigung für die Rodung betrifft zunächst knapp 40 Hektar Wald und soll anschließend mit weiteren 90 Hektar erweitert werden, dass insgesamt 130 Hektar zusammenhängende Waldfläche gerodet und versiegelt werden.
Das widerspricht dem Klimaschutzgesetz, dem Waldgesetz und dem Naturschutzrecht.
BUND Mecklenburg-Vorpommern e.V., NABU Ludwigslust und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald setzen setzen sich gemeinsam gegen die Genehmigung zur Waldrodung ein. 2023 wurde eine Klage beim Verwaltungsgericht in Schwerin eingereicht. Nach Landeswaldgesetz darf Wald nur gerodet werden, wenn Vorhaben nicht auf anderen Flächen verwirklich werden können. In Grabow und in Nähe der A14 liegen ausreichend Alternativflächen vor.
Historisch alter Waldstandort
Beim Grabower Stadtwald handelt es sich um einen historisch alten Waldstandort, dessen Bestand über mehrere Jahrhunderte zurückverfolgt werden kann. Historische Karten zeigen, dass der überwiegende Teil der heutigen Waldfläche bereits im 18. Jahrhundert bewaldet war. So ist der Wald unter anderem in der Wiebekingschen Karte (um 1786) und der Schmettauschen Karte (um 1788) verzeichnet. Auch in späteren topografischen Karten und Messtischblättern ab dem 19. Jahrhundert ist die Fläche durchgängig als Wald oder Forst dargestellt.
Solche seit Jahrhunderten bestehenden Waldflächen besitzen eine besondere ökologische Bedeutung. Auf historischen Waldstandorten entwickeln sich über lange Zeit stabile Bodenstrukturen, spezialisierte Lebensgemeinschaften und Arten, die auf kontinuierlich bewaldete Standorte angewiesen sind. Dazu zählen beispielsweise bestimmte Laufkäferarten und weitere spezialisierte Waldbewohner, die nur in alten Waldökosystemen vorkommen.
Auch im Waldentwicklungsprogramm Mecklenburg-Vorpommern wird betont, dass Kenntnisse zur geschichtlichen Waldentwicklung bei der Bewertung von Waldflächen berücksichtigt werden müssen. Nachweislich seit Jahrhunderten bestehende Wälder haben demnach eine besondere Bedeutung für den Naturhaushalt und sind bei Entscheidungen über Nutzung oder Umwandlung entsprechend zu berücksichtigen.
Der Grabower Stadtwald ist damit nicht nur ein wichtiger Lebensraum, sondern auch ein ökologisch und historisch gewachsenes Waldökosystem, dessen Verlust nicht kurzfristig ausgeglichen werden kann.
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