BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Jetzt spenden Mitglied werden

Keinen Wald für Betonflächen opfern!

04. Juni 2026 | BUND, Rostock, Wald, Wälder

BUND hält Mahnwache für den Erhalt alter Waldstandorte vor dem Empfang der Forsttagung in Rostock

Am Donnerstag, den 4. Juni von 18 bis 20 Uhr hält der BUND vor dem Zoo Haupteingang Rostock eine Mahnwache für den Erhalt des uralten Waldes „Swienskuhlen“ und des Waldstandortes Grabower Heide bei Grabow/Ludwigslust. Die Waldgebiete sollen für die Erweiterung und Neubau von unnötigen Gewerbeflächen gerodet werden. Die Landesregierung empfängt anlässlich der Jahrestagung des Deutschen Forstvereins ab 18:30 Uhr im Darwineum im Rostocker Zoo rund 1.000 Försterinnen und Förster.

Susanne Schumacher vom BUND Rostock sagt: „Das Forsttreffen beschäftigt sich genau mit dem Zustand unserer Wälder und wie sehr Wälder bereits unter dem Klimawandel und Artensterben leiden und zunehmend keine zuverlässige Treibhaussenken mehr sind. Wir sind fassungslos darüber, dass in der heutigen Zeit die Teilrodung eines uralten Waldes zugunsten der Hafenerweiterung bzw. einer Industrieerweiterung geplant wird. Die Swienskuhlen haben sich seit der letzten Eiszeit entwickelt! Dieser Wald ist noch so arten- und strukturreich dass er an anderer Stelle nicht mal in Jahrhunderten ersetzt werden könnte! Und dieser Wald funktioniert noch und macht uns dadurch widerstandsfähiger gegenüber Hitze, Dürre und Schädlingen.“

Dazu komme laut BUND, dass es keine zwingende Notwendigkeit für die Waldrodung im Gebiet Swienskuhlen am Rostocker Hafen gibt, da die Gewerbeflächen auch ohne Waldvernichtung erweitert werden können. Gleiches gilt für die geplante Waldrodung von bis zu 130 Hektar geschlossener Waldfläche an der A14 bei Grabow in Westmecklenburg. Der angemeldete Bedarf für Gewerbeflächen bei der Stadt Grabow beträgt jedoch zwischen 1 und 5 Hektar, die problemlos mit bestehenden Gewerbeflächen gedeckt werden können. Die Rodung von Wald auf Standorten, die seit Jahrhunderten oder immer schon Wald waren, sei zudem niemals durch Neupflanzungen von Wald ausgleichbar. Da im Boden über lange Zeiträume Lebensgemeinschaften entstanden sind, die eine Vielzahl spezialisierter Tier- und Pilzarten beherbergen. Hier sind Urwaldreliktarten zu erwarten, die aber mit jedem Hektar Waldverlust ihr Minimalareal verlieren und verschwinden würden. Deshalb sind Teilrodungen ein unwiederbringlicher Verlust.

 

Hintergrund:

Waldgebiet „Swienskuhlen“ Rostock

Der Wald „Swienskuhlen“ hat sich nach der letzten Eiszeit entwickelt und ist besonders arten- und strukturreich. Ein Hektar dieses Waldes kann bis zu 2 Millionen Liter Wasser speichern und filtert Niederschläge zu direkt trinkbarem Grundwasser. Die Swienskuhlen beherbergen besonders wertvolle Urwaldreliktarten, die es nur noch in so alten Wäldern gibt, die aber mit jedem Hektar weniger ihr Minimalareal verlieren und für immer verschwinden. Das Wertvollste liegt allerdings im Verborgenen: der jahrtausendealte Waldboden speichert zuverlässig Kohlenstoff, schluckt Schadstoffe, filtert Wasser und sichert ein artenreiches Bodenleben. Eine Rodung von immerhin 20% der Waldflächen lässt sich nicht damit rechtfertigen, dass auf dieser Fläche durch die EEW für die Energiewende produziert werden soll. Natürlicher Klima- und Naturschutz darf nicht gegen den Technischen Klimaschutz ausgespielt werden. Solange nicht-kaikantengebundene Unternehmen und ebenerdige Parkplätze kaikantennahe Hafenflächen besetzen und solange es noch eine große freie Fläche im Ölhafen mit eigener Kaikante gibt, solange gibt es noch Alternativen für EEW. Landesregierung und Stadt Rostock haben dem Unternehmen EEW eine konfliktreiche Fläche angeboten, wohlwissend unter welchem Druck das Unternehmen steht. Auch die alternative freie Fläche kostet Moorboden, Röhrichte und Baumweiden-Sumpfwald. Der BUND sieht darin einen Kompromiss.

Waldgebiet Grabower Heide, Westmecklenburg

Auf 130 Hektar zusammenhängender Waldfläche will die Kleinstadt Grabow in Westmecklenburg ein Gewerbegebiet errichten. Gegen die erste Teilgenehmigung zur Rodung von 40 Hektar Wald hat der BUND mit Unterstützung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Klage beim Verwaltungsgericht Schwerin eingelegt. Der BUND und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald berufen sich darauf, dass es für Gewerbeansiedlungen an der A14 Alternativen ohne Waldrodung gibt. Die alternativen Standorte für Gewerbeansiedlungen ohne Waldrodung liegen ebenfalls im Raum Ludwigslust-Grabow und nahe an der A14. Die Umweltverträglichkeitsprüfung für die umstrittene Genehmigung hatte andere Standorte als geeigneter benannt, die aber wieder verworfen wurden. Laut BUND fehlt damit die Rechtfertigung für die Waldrodung nach dem Landeswaldgesetz. Die Ersatzpflanzungen auf 28 vereinzelten Teilflächen, von denen 14 kleiner als 1 Hektar und nur zwei größer als 5 Hektar sind, würden die Ökosystemleistungen des zusammenhängenden Waldgebietes nicht ausgleichen. 

Naturnaher Wald

Wald ist Teil unserer Lebensversicherung in Zeiten von Artensterben, Klimawandel und Umweltverschmutzung. Risiken durch Naturkatastrophen - Schäden nehmen tendenziell zu | Munich Re. Naturwälder gelten genauso wie Moore als nicht regenerierbar, da sie lange Entwicklungszeiten benötigen und deren Standortbedingungen nicht neu geschaffen werden können (BfN). Der Staat fördert im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz mit Millionen EURO Steuergeldern Waldbesitzende, damit diese ihre Wälder wieder naturnaher gestalten. Walderhalt statt Waldrodung für Siedlung und Verkehr ist das Gebot der Stunde.

Wir haben das größte Artensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier vor 65 Mio. Jahren ausgelöst, wohl wissend, dass jede einzelne Art eine Funktion im natürlichen System hat. Alle 10 min stirbt eine Art für immer aus. BMUKN: Weltbiodiversitätsrat (IPBES)

Wir haben den rasantesten Klimawandel seit jeher ausgelöst, mit gigantischen Kosten, die auf uns zukommen werden (Atemwegserkrankungen, Hitze, Dürre, Hochwasser, Keime, Unwetterschäden, Umweltflüchtlingswellen usw.) Weltklimarat (IPCC) | Umweltbundesamt

Wir haben mit unserer Umweltverschmutzung das Anthropozän ausgelöst, unsere Spuren werden noch Hunderttausende Jahre wirken (Ewigkeitschemikalien, Plastik, Gifte usw.)anthropozaen.pdf

Petition für den Erhalt des Waldes „Swienskuhlen“

Petition für den Erhalt des Grabower Waldes

 

 

Für Rückfragen:

Susanne Schumacher T. 0176 21311985 (vor Ort),

Corinna Cwielag T. 0178 5654700

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb