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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Eingriffe in die Ostsee

Die Ostsee wird vielseitig beansprucht und steht unter einem nie dagewesenen Nutzungsdruck. Vor allem die Kombination belastender Faktoren bringt den Lebensraum an seine ökologischen Grenzen. Große Containerschiffe und Tanker befahren die zum Teil engen Fahrwasser der Ostsee, Offshore-Windanlagen werden gebaut, Rohstoffe wie Öl, Kies und Sand werden gefördert. Die Mixtur aus Lärm, Schmutz und Fischerei macht auch an den Grenzen der Schutzgebiete nicht halt. Selbst innerhalb von Schutzgebieten werden Nutzungen und Nutzungsansprüche durchgesetzt, die mit der gebotenen Nachhaltigkeit nichts gemein haben. Außerhalb von Schutzgebieten ist die Zerstörung der Naturschätze oft in vollem Gange. Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Küstenmeeres wird mit großer Vehemenz und erheblichem technischen Einsatz durchgeführt. Die entstehenden schweren Schäden im Ökosystem bleiben dem Menschen oft unsichtbar. Sie betreffen Unterwasserlebensräume, die sich einer einfachen Beobachtung entziehen. Lediglich das Zusammenbrechen von Fischbeständen, tote Schweinswale am Strand oder veralgte Badestrände zeigen uns, dass die vor der Küste liegenden Meereslebensräume akut bedroht sind.  

Art der Eingriffe

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Bauprojekte und Bebauung

Schilfzonen müssen Kaimauern weichen und aus den romantisch-mittelalterlichen Häfen der Hansestädte wurden die großen Ölterminals und Fährhäfen der Neuzeit. Der zunehmende Sportbootverkehr verlangt nach Hafenanlagen unterschiedlichster Größe und für die vielen sommerlichen Badegäste werden Strände „aufbereitet“. Bislang unberührte Küstenbereiche, Vogelrastgebiete, empfindliche Röhrichte und wertvolle Flachwasserbereiche werden möglichst kapitalbringend umgestaltet und gehen als Lebensräume dauerhaft verloren. Dünen werden abgetragen um breitere Sandstrände oder freie Blicke auf das Wasser zu erhalten. Dass dabei nicht nur wichtige Lebensraumareale, sondern auch ein natürlicher Überflutungsschutz entfernt wird, wird kaum beachtet. Konflikte mit Naturschützern sind vorprogrammiert.

Es gibt aber auch Projekte wie zum Beispiel am Greifswalder Bodden, wo sich Wassersport- und Naturschutzverbände zum Ziel gesetzt haben, in Zusammenarbeit eine naturverträgliche Einbindung von Hafenanlagen und Sportbootverkehren in die Boddenlandschaft zu schaffen. Oder in Swinemünde, wo die Stranddünen einen unangetasteten natürlichen Abschluss des Ortes markieren und gleichzeitig Windschutz für die Strandpromenade darstellen.

Küstenschutzbauwerke, die Küstenabbruch verhindern sollen, Küstenvorspülungen, bei denen irgendwo abgetragener Sand an Stränden „nachgefüllt“ wird, und die Bebauung von flutgefährdeten Gebieten sind dagegen finanziell oft Fässer ohne Boden. So wie das Meer an einigen Orten Sand heran trägt und neues Land wachsen lässt, bricht es anderswo Boden ab. Die dahinter stehende Kraft des Wassers ist vom Menschen auch mit Bauwerken nicht zu bändigen und sie wird weiterhin ihr Spiel mit der Küste treiben.

Zu den problematischen Küstenbebauungen kommen Kabel und Rohrleitungen, die unterseeisch verlegt werden, Offshore-Windanlagen, die installiert werden und viele lokale Eingriffe.

Werden Rohrleitungen oder Seekabel verlegt, können wertvolle Lebensräume direkt und indirekt in Mitleidenschaft gezogen werden, während die Leitungen/Kabel eingegraben oder eingespült, bzw. sich im Anschluss das aufgeschwemmte Material absetzt. Aus undichten Rohrleitungen können giftige Stoffe, z.B. Öl, austreten. Seekabel erwärmen zum einen den Meeresboden in ihrer unmittelbaren Nähe und können zum anderen elektromagnetische Felder erzeugen, was das Wanderverhalten von Meerestieren beeinflussen kann.

Zu lokalen Eingriffen zählen beispielsweise die Umlagerung und Verklappung von Baggergut, das aus Unterhaltung von Schifffahrtsstraßen stammt. Dabei können zusätzlich zum Sand und Schlick ehemals abgelagerte Schwermetalle wieder aufgeschwemmt und im Ökosystem freigesetzt werden.

Externe Quelle:

Handbuch des Meeresnaturschutzrechts in der Nord- und Ostsee, 2012, Springer-Verlag 

Ostseepipeline Nordstream I und II

Die Erdgaspipeline Nord Stream ist das größte technische Bauwerk, das in der Ostsee bisher errichtet wurde. Für die Gasleitung wurden zwei 1.220 Kilometer lange Stränge parallel auf dem Ostseegrund verlegt, diese bestehen aus 200.000 Stahlröhren mit einem Durchmesser von etwa 125 cm. Die Leitung befördert Erdgas von den Gasfeldern in Sibirien über das nahe St. Petersburg gelegene Vyborg durch die zentrale Ostsee nach Greifswald in Deutschland. Von dort wird das Gas in Richtung Tschechien und nach Holland weiter transportiert. Die Baukosten betrugen rund 7,5 Milliarden Euro. 

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Windparks vor den Küsten

Offshore-Windanlagen wirken sich in mehreren Punkten problematisch auf die Ostsee aus: Zur Verankerung werden sie schallintensiv in den Meeresboden gerammt. Durch den neuen Widerstand der Verankerungen unter Wasser verändern die Anlagen Strömungs- und Ablagerungsverhältnisse. Durch die Verankerungen selbst ändern sich die Standortbedingungen, da nun auf einmal (mehr) Hartsubstrat, also fester Untergrund, zur Verfügung steht. Gleichzeitig muss vorher vorhandener Lebensraum den Anlagen und ihrer Verkabelung weichen. Somit werden großflächig Meeresbereiche beeinflusst, was sich besonders auf die Vorkommen mariner Säuger und rastender oder überwinternder Seevögel auswirkt. Ein weiteres Problem ist die Wahl der Standorte, bei der es die Hauptrouten von Zugvögeln und wandernder Fledermäusen zu vermeiden gilt.

Externe Quelle:

Handbuch des Meeresnaturschutzrechts in der Nord- und Ostsee, 2012, Springer-Verlag 

Rohstoffabbau

Öl- und Gasförderungen, sowie unter Wasser betriebener Bodenabbau zur Sand- und Kiesgewinnung sind zwar kleinräumige, aber dennoch ernst zu nehmende Belastungsfaktoren mariner Ökosysteme.

Um geeignete Orte zur Öl- und Gasgewinnung zu finden, werden sogenannte Airgunsysteme eingesetzt, die enorme Schallladungen in den Boden senden. Mittels deren Echo können Öl-und Gasvorkommen geortet werden. Die Schallpulse sind so stark, dass Tiere Gewebsschäden erleiden, wenn sie sich in der Nähe der Airgunsysteme befinden. Die gesamte Region leidet unter einer Schallbelastung, die nicht nur zum Beispiel Meeressäuger unter Wasser sondern auch rastende oder überwinternde Seevögel stört.

Bei der eigentlichen Förderung fallen Bohrschlämme an, die ölhaltig sein können oder giftige Substanzen enthalten. Diese müssen dann in geschlossenen Kreisläufen geführt und an Land entsorgt werden, da besonders in ökologisch sensiblen Lebensräumen selbst geringe Schadstoffeinträge ernste Schädigungen des Ökosystems hervorrufen können.

Bei der Förderung von marinem Sand oder Kies geht die am Boden lebende Tier- und Pflanzengemeinschaft bei flächigem Absaugen um bis zu 80 Prozent zurück. Räumliche Populationsstrukturen werden massiv verändert, wenn sie nicht sogar zusammenbrechen. Bodenlebewesen sind meist langsam in ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung, einige auch eingeschränkt in ihrer Bewegung, sodass eine Wiederbesiedlung des Gebiets viele Jahre dauern kann. Soll vor allem grobkörniger Kies gewonnen werden, weshalb feinkörniger Sand direkt zurück an die Abbaustelle geleitet wird, verändert sich der Lebensraum entscheidend und kommt nicht mehr für alle ehemals dort lebenden Arten in Frage.

Weiterhin kommt es beim Abtragen von Sand oder Kies zu aufgewirbelten Material, dass sich langsam – und eventuell an einer anderen Stelle – wieder absetzt, wobei dort vorhandene Strukturen bedeckt werden. Sedimentfahnen können auch noch Gebiete in großer Entfernung überdecken und die dort lebenden Bodenorganismen ersticken.

Zu guter Letzt bedeutet der Abbau von Meeresboden unweigerlich, dass im Anschluss der Meeresboden tiefer liegt als zuvor. Selbst wenn das Gebiet des Eingriffs von Kleintieren wieder besiedelt wurde, bedeutet die Futtersuche für tauchende Enten in einem vormals ergiebigen und vielleicht bekannten Meeresbereich nun einen erhöhten Energieaufwand, da tiefer getaucht werden muss. Durch den größeren Abstand zur Wasseroberfläche ist der Lichteinfall schlechter und Tang- und Seegrasarten haben es schwerer, sich wieder zu erholen.

Wozu dann die Förderung von Sand und Kies aus dem Meer, wenn damit so viele Probleme verursacht werden? Große Teile des abgebauten Materials landen in der Bauwirtschaft. Vielfach dient das Material aber auch zur Küstenvorspülung am Meeresufer. Die millionenteuren künstlichen Sandschüttungen sollen dem natürlichen Küstenabtrag Paroli bieten. Alle paar Jahre ist eine solche Vorspülung aufs Neue fällig. Jedesmal schwindet dabei sowohl im Meer als auch an der Küste ein Stück Vielfalt und jedes teure Vorhaben muss vom Steuerzahler finanziert werden.

Der BUND fordert deshalb ein generelles Verbot von Bodenabbau in Meeresschutzgebieten und keine Bebauung an abtrags- und überflutungsgefährdeten Küsten. Bei unabdingbarem Abbau zum Zweck des Küstenschutzes sind entsprechend wirksame Ausgleichsmaßnahmen zur Kompensierung der verursachten Schäden umzusetzen.

Externe Quelle:

Handbuch des Meeresnaturschutzrechts in der Nord- und Ostsee, 2012, Springer-Verlag 

Fischerei

Die in großem Umfang in der Ostsee gefangenen Fischarten sind Dorsch, Hering und Sprotte, in einigen Regionen auch Flundern. Während der Dorsch ausschließlich zum Verzehr gefangen wird, werden über die Hälfte der gefangenen Heringe und Sprotten zu Fischmehl und –öl verarbeitet.

Weniger umfangreich und meist mit umweltverträglicheren Fangmethoden werden in der Küstenfischerei Heringe, Aale, Lachse, Flundern, Zander, Hechte, Barsche und Miesmuscheln gefangen. Die hier häufig verwendeten passiven Fangmethoden wie die Stellnetz-, Langleinen- oder Reusenfischerei sind weniger umweltzerstörend und fischbestandsgefährdend als beispielsweise Schleppnetzfischerei. Gerade die Schleppnetzfischerei verursacht massive Schäden in Unterwasserlebensräumen durch die Zerstörung der Bodenlebensgemeinschaften (Muscheln, Schnecken, Seegräser, Seetange, Bodenfische, Weichtiere, Krebstiere,…). Trotzdem stellen auch passive Fangmethoden, besonders die Stellnetze, eine tödliche Gefahr für Robben und Schweinswale dar.

Kommerzielle Fischerei reduziert nicht nur Fischbestände, sondern immer wieder gelangen auch hier Schweinswale, Robben oder Seevögel als Beifang unbeabsichtigt in die Fischernetze, wo sie meist qualvoll ertrinken. Zu junge oder andere Fische, die gerade nicht zur expliziten Zielgruppe zählen, Krebse, Seesterne und ähnliches stellen ebenfalls Beifang dar. Beifang kann bis zu 85 Prozent der gefangenen Tiere in einem vollen Netz ausmachen! Bis 2013 durfte ungewollter Beifang einfach wieder zurück ins Meer geworfen werden. Viele Tiere erlagen jedoch diesen Strapazen, wenn sie nicht sowie so schon in den Netzen gestorben waren. Fast ein Viertel des Fischfangs in EU-Ländern wurde als Beifang wieder zurück ins Meer geworfen, weil die Fische nicht den erwünschten Handelswert hatten oder sich mit ihnen keine festgelegten Fangquoten einhalten ließen. Bis 2017 soll deshalb schrittweise ein neues Rückwurfverbot der EU umgesetzt werden. Schon seit 2015 gibt es für Fischer die Verpflichtung, Beifang anzulanden, doch die Umsetzung gestaltet sich schwierig. Alte Vorschriften bezüglich Mindestanlandegrößen, Fangzusammensetzung und ehemaliger Beifangregelungen zwingen die Fischer, ungewollten Fang zurück ins Meer zu werfen. Genauso wichtig wie eine Regelung des Beifangproblems ist es, selektivere Fangmethoden zu entwickeln und einzusetzen.

Außerdem sollen ab 2015 keine überhöhten Fangquoten mehr möglich sein und Überfischung stärker eingedämmt werden. Das ist bitter nötig, denn viele kommerziell genutzte Fischbestände sind gefährlich überfischt. In der Ostsee gehört unter anderem der Dorsch zu diesen Opfern der Industrie. Die Bestandsgrößen sind zum Teil so stark reduziert, dass nicht sicher ist, ob sich die Bestände jemals wieder erholen. Damit hat sich die Fischerei nicht nur selbst um eine Wirtschaftsgrundlage gebracht, sondern ebenso vielen Meerestieren und Seevögeln wichtige Nahrungsressourcen entzogen, sodass diese Tiere auf andere Beutefischarten ausweichen müssen. Da nicht nur die Bestände des Dorschs überfischt sind, sondern viele andere auch, bedeutet dies immer weniger Nahrung für viele Tiere, sodass letztlich die Bestände der Jäger aufgrund von Nahrungsmangel abnehmen.

In der Ostsee wird weiterhin zunehmend Aquakultur betrieben, also die Aufzucht von Fischen in speziellen Anlagen im Meer. Gezüchtet werden vor allem Lachs und die aus dem Pazifik stammende Regenbogenforelle, aber auch Miesmuscheln und Austern. Wie jede Massentierzuchtanlage führt auch Aquakultur zu einem hohen Nährstoffeintrag in das umgebende Wasser und damit zu Eutrophierung. Weiterhin können entwichene Zuchttiere das natürliche Artengefüge der Ostsee empfindlich verändern, wenn es sich nicht um hier heimische Arten handelt. Zum Beispiel ist der Wildlachsbestand inzwischen im Vergleich mit dem Bestand an freilebendem Zuchtlachs sehr gering.

Vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gibt es derzeit keine offene Fischaquakultur.

Der BUND fordert, dass auch zukünftig keine offenen Aquakulturanlagen in der Ostsee Mecklenburg-Vorpommerns betrieben werden.

Externe Quelle:

Handbuch des Meeresnaturschutzrechts in der Nord- und Ostsee, 2012, Springer-Verlag 

Schifffahrt

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs vor über 20 Jahren hat sich die Ostsee zu einer Transitstrecke von Tankern mit Öl und anderen gefährlichen Gütern entwickelt. Besonders der Tankerverkehr zu den großen Ölhäfen im Baltikum und in Russland hat stark zugenommen.

Zwischen Dänemark und der Mecklenburger Bucht müssen alle größeren Schiffe das Nadelöhr Kadetrinne passieren, eines der schwierigsten und gefährlichsten Gewässer der gesamten Ostsee und sogar Europas. Eine Herausforderung der Kadetrinne liegt darin, dass die schmalste schiffbare Stelle je nach Tiefgang der Schiffe nur noch 500 bis 1000 Meter breit ist. Eine andere Herausforderung liegt in der Verlaufsänderung von fast 90 Grad, der die Schiffe etwa in der Mitte der Kadetrinne exakt folgen müssen. Ständig besteht die Gefahr von Kollisionen der zahlreichen Schiffe untereinander oder davon, auf den Untiefen zu beiden Seiten des schiffbaren Bereichs auf Grund zu laufen. Geschieht ein Unfall, ist dies nicht nur ein Unglück für die Schifffahrt selbst, sondern besonders für den Lebensraum Ostsee, wenn Öl, ölhaltige oder andere chemische Substanzen aus den beschädigten Schiffen auszulaufen drohen.

Kollisionen, Auflaufen auf Grund oder andere Unfälle sind nicht nur in der Kadetrinne ein Problem, sondern natürlich genauso in allen anderen befahrenen Bereichen. Besonders Ölpesten können große Teile der Tier- und Pflanzenwelt auf Jahre vernichten.

Deutliche Kennzeichnungen, genaue Seekarten, eine international festgelegte Wegeführung und die maritime Verkehrsüberwachung haben dazu beigetragen, dass die Ostsee bisher von größeren Katastrophen verschont blieb.

Der von der Schifffahrt hervorgerufene Unterwasserlärm, zur Orientierung eingesetzte Sonarsysteme und die Abgase der schwerölhaltigen Treibstoffe belasten ebenfalls die Unterwasserlebenswelt. Besonders die schallbasierte Kommunikation von Meeressäugern wird durch den permanenten Hintergrundschall beeinträchtigt. Leider gibt es hier noch keine befriedigenden Ansätze, die Probleme endgültig in den Griff zu bekommen.

Der BUND fordert, dass Maßnahmen zur Sicherung des Seeverkehrs weiter ausgebaut werden, zum Beispiel durch eine Lotsenpflicht für die Kadetrinne und eine Meldepflicht für alle Schiffe, die dieses Gebiet passieren wollen. Um im Falle eines Unfalls gut reagieren zu können, wäre eine länderübergreifende Küstenwache mit verstärkter Flotte von größter Wichtigkeit, genauso wie Notliegeplätze für havarierte Schiffe.

Externe Quelle:

Handbuch des Meeresnaturschutzrechts in der Nord- und Ostsee, 2012, Springer-Verlag 

Wasserverschmutzung in der Ostsee

Das Wasser der Ostsee leidet an einer Vielzahl von Zumutungen.

Dazu gehören vor allem die Einträge von

Klimawandel

Immer wieder wird in den Medien vom Klimawandel berichtet. Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen ab, der Meeresspiegel steigt, Naturkatastrophen geschehen öfter und extremer, und im Wasser gelöstes Kohlendioxid (CO2) macht Regen, Flüsse und Meere saurer. All dies geschieht so schnell im Vergleich zum Alter unserer Erde, dass Wissenschaftler uns Menschen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit als Verursacher der Erderwärmung sehen.

Besonders die Versauerung der Meere ist ein großes Problem für Meereslebewesen, deren Schutzhüllen oder Skelette aus Kalk bestehen, denn die aus Wasser und CO2 entstehende Kohlensäure löst Kalk. Korallen können nicht weiter wachsen oder sterben sogar ab, die Schalen von Muscheln werden dünner und winzige Kalkalgen des Phytoplanktons haben Schwierigkeiten, sich zu bilden. Weil Phytoplankton aber am Anfang der marinen Nahrungskette steht, würde das Verschwinden dieser Algen das Ökosystem Meer empfindlich stören.

Die generelle Erwärmung des Klimas und des Wassers hat ebenfalls direkte Auswirkungen auf Meeresorganismen und Tiere, die vom Meer leben. Die Ostsee ist an ein Jahreszeitenklima mit mäßig kalten Wintern und bisher meist milden Sommern gewöhnt. Aber die Sommer und auch die Wassertemperatur wurden über die letzten Jahrzehnte immer wärmer. Im vergangenen Jahrhundert hat sich die Ostsee im Schnitt bei regionalen Unterschieden um 0,85°C erwärmt, was über dem globalen Durchschnitt der Meereserwärmung liegt. Im Sommer steigen heutzutage die Temperaturen an zehn Tagen mehr als noch 1950 über 25°C. Während der Winter gibt es dafür 40 Tage weniger Frost! Manchen Tieren, Pflanzen, Tangen oder Algen wird es unter Wasser zu warm und sie ziehen sich in kühlere Lebensräume zurück, bzw. sie treten in ihren ursprünglichen Vorkommensgebieten immer weniger auf. Durch das wärmere Klima beginnen außerdem häufig die Jahreszeiten früher als gewohnt. Besonders frühere Frühlinge und Sommer greifen entscheidend in die normalen Ökosystemkreisläufe ein. Denn die Sonne, die sie mit sich bringen, erwärmt in jährlichen Zyklen das Wasser. Dies ist ein Zeichen für bestimmte Planktonorganismen, sich zu vermehren. Dementsprechend verschiebt sich auch die Phase ihres anschließenden Absterbens nach vorne. Für viele Vögel und Fische ist das ein schwerwiegendes Problem, da sie ihre Brut- und Laichzeiten, oder ihre Wanderrouten zeitlich auf das Vorkommen der Futtertiere abgestimmt haben. Das Verhungern ganzer Jahrgänge einer Art kann die Folge eines frühen Frühlings oder Sommers sein.

Um den Klimawandel aufzuhalten, müssen wir Menschen möglichst schnell und möglichst vollständig auf erneuerbare Energien und energieeffiziente Techniken umsteigen. Außerdem kann jeder von uns sein Bestes geben, den eigenen Energieverbrauch und damit den persönlichen CO2-Ausstoß zu minimieren. Zum Wohle kommender Generationen.

Mehr Informationen zum Thema Klimawandel bietet die Arbeitsgruppe „Klimaänderung und Küstennaturschutz“ des BUND-Arbeitskreises Meer und Küste hier.

Externe Quelle:

„Ostseeküste im Klimawandel – Ein Handbuch zum Forschungsstand“ – eine Broschüre vom Norddeutschen Klimabüro + Baltex + Helmholtz-Zentrum Geesthacht 

Aktivitäten des Militärs in und auf der Ostsee

Informationen über militärische Aktivitäten sind der Öffentlichkeit kaum zugänglich, weshalb ihre genauen Auswirkungen auf den Lebensraum Meer nur schwer abgeschätzt werden können.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich einige Tätigkeiten des laufenden Militärbetriebs negativ auf die Bewohner oder Besucher der Ostsee auswirken. Dazu gehören Tiefflug- oder U-Boot-Manöver, Schießübungen, Explosionserprobungen und größere Schiffsformationen. All diese Ereignisse gehen mit einer hohen Lärmemission einher, außerdem findet meist viel Bewegung unter, über oder auf dem Wasser statt. Besonders auf rastende oder sich mausernde Seevögel können diese Aktivitäten einen starken Schreck- oder Scheucheffekt haben.

Sehr umstritten sind weiterhin militärische Sonarsysteme, die besonders in tieffrequenten Schallbereichen Verletzungen oder gar den Tod von Schweinswalen, Robben oder anderen Meerestieren verursachen können.

Schall verbreitet sich sehr schnell sehr weit unter Wasser. Extreme Schallintensitäten können nahe ihrer Quelle zu Gewebeschäden führen, die für Meerestiere tödlich sein können, wie beispielsweise eine geplatzte Schwimmblase. Aber auch noch in einer Entfernung von mehreren Kilometern können zum Beispiel Schweinswale Gehörschäden davon tragen. Da insbesondere Meeressäuger auf ihre Hörempfindlichkeit angewiesen sind um sich zu orientieren, zu kommunizieren und zu jagen, können sehr energiereiche Schallimpulse unter Wasser weitreichende Folgen haben.

Ein anderer militärischer Aspekt in der Ostsee, der die Meeresumwelt bedroht, sind Altlasten in Form von unterschiedlicher Munition oder altem Kriegsgerät. Diese rosten in der Tiefe vor sich hin. Giftige chemische Kampfmittel können freigesetzt werden und als Nervengift Tiere in ihrer Austrittsumgebung vernichten. Sprengstoffbestandteile alter Mienen oder Granaten können ihre chemische Zusammensetzung verändern und als gefährliche Toxide ins Wasser gelangen. Werden alte Munitionsbestände unter Wasser gefunden und ist es zu gefährlich, sie im Ganzen zu bergen, müssen sie an ihrer Fundstelle gesprengt werden. Die Schallemissionen solcher Sprengungen beeinträchtigen vorübergehend oder schädigen dauerhaft die Sinnesorgane von Meerestieren bis in eine Entfernung von mehreren Kilometern. Blasenschleier, die künstlich um Sprengorte herum errichtet werden, sind ein wichtiger Anfang um den Schallaustritt einer unterseeischen Explosion zu dämpfen, aber der Schall wird eben auch nur in gewissem Maße gedämpft, bei weitem noch nicht geschluckt. Leider kommen Blasenschleier noch nicht standardgemäß bei Munitionssprengungen zum Einsatz, da ihre Installation sehr kostspielig ist.

Externe Quelle:

www.bfn.de/0314_belastungen-meer.htm 

Tourismus

Was wäre Urlaub ohne einen schön anzusehenden Urlaubsort? Sich in der Natur zu erholen, schöne Landschaften zu besuchen und zu erleben stellen für viele Menschen wichtige Urlaubsmotive dar. Während Tourismus einerseits oft auf den Erhalt von ästhetischen Lebensräumen angewiesen ist, zählt dieser Wirtschaftszweig auch zu den Mitverursachern von Belastungen von Natur und Umwelt, da Ressourcen häufig intensiv und nicht nachhaltig genutzt werden. Durch die Inanspruchnahme von Flächen und Ressourcen stören touristische Aktivitäten Flora und Fauna. Besonders um Naturschutzgebiete herum kommt es häufig zu Nutzungskonflikten.

Um natürliche Lebensräume zu erhalten, bedarf es angepasster, behutsamer Entwicklungen. Kleinere, an bestehender regionaler Infrastruktur orientierte Vorhaben sind gut mit dieser Art von Entwicklungen vereinbar und haben sich außerdem häufig auch als effektiv für lokale Arbeitsmärkte herausgestellt. Eine reichhaltige Natur bietet sowohl der ansässigen Bevölkerung als auch Besuchern Lebensqualität und Freizeitwert.

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