BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Die Wiese

Mehr als nur Futter für das liebe Vieh

Wiese ist nicht gleich Wiese

Es gibt die verschiedensten Wiesentypen, die sich aus unterschiedlichen Pflanzengesellschaften zusammensetzen. Dabei hängt es von der Feuchtigkeit des Bodens, der Bodenart, dem pH-Wert, der Nährstoffstufe, dem Lichtangebot und der Nutzungsintensität ab, welcher Typ sich ausbildet.

Naturnahe, artenreiche und vielfältige Wiesen sind in Mecklenburg-Vorpommern selten. Die Anzahl von zehn verschiedenen Pflanzenarten auf einer Wiese gilt als artenarm, ab zwanzig hingegen artenreich. Die Wiesen werden u.a. für die Tierfutterproduktion gemäht. Eine Weide wird durch Tiere kurzgehalten. Je intensiver dabei die landwirtschaftliche Nutzung ist, umso artenärmer ist das Biotop. Daneben gibt es auch Streuobstwiesen, die im Naturschutz eine bedeutende Rolle als Rückzugsort selten gewordener Arten spielen. 

Pflanzen mit interessanten Schutzmechanismen

Das Jakobskreuzkraut produziert ein Alkaloid, dass beim Verzehr giftig wirkt. Nur Pferde- und Rinderwirte sollten aufpassen, dass es nicht ins Heu gelangt.  (Janine Böttcher)

Mit Giftstoffen schützen sich viele Pflanzen, wenn sie z.B. keine Dornen besitzen, vor ihren Fraßfeinden. Diesen Trick wenden z.B. Sumpfdotterblume, Trollblume, Schachtelhalme, Wolfsmilch- und Hahnenfußgewächse an. Auch Greißkräuter, wie das einheimische Jakobs-Kreuzkraut, produzieren ein unappetitliches, giftiges Alkaloid, weshalb z.B. Pferde und Rinder es nur einmal probieren und es dann freiwillig stehen lassen. Die giftigste Graslandpflanze ist allerdings die Herbstzeitlose, die gerne als hübscher Blickfang in den Garten gepflanzt wird. Viele dieser Wiesenschönheiten sind gleichzeitig Heilkräuter, denn die Dosis macht bekanntlich das Gift.

Wie einfallsreich die Natur ist, zeigt sich auch darin, dass es Insekten gibt, denen die Pflanzengifte nichts anhaben können. So nimmt die Raupe des Blutbären (ein Schmetterling) die Gifte des Jakobs-Kreuzkrautes in sich auf, um für seine Fraßfeinde wiederum unappetitlich und giftig zu wirken. 

Mit dem Jakobskreuzkraut leicht verwechselbar:

Rechts: Johanneskraut gilt als Heilpflanze. Links: Rainfarn verbreitet sich stark (Foto: Barbara Burghardt).

Insekten, Brutvögel und Wildtiere bedroht durch die Mahd?

Ein Artenreichtum an Tieren in Wiesen ist nur möglich, durch das Artenreichtum an Kräutern und Gräsern. Zu häufige Mahd im Jahr lässt die Pflanzenvielfalt schrumpfen, zerstört die Tierverstecke und gefährdet Leib und Leben bodenbrütende Vögel und Rehkitze.

Neben der zahlreichen Insektenwelt, verstecken sich Wildtiere gerne in hochgewachsenen Wiesen. Der selten gewordene Feldhase bleibt so vor Greifvögeln unentdeckt. Die Ricke kann ihr Kitz im Dickicht aus Gräsern und Hochstauden kurz alleine lassen, um nach Nahrung zu suchen. Achtung: Wenn etwas mit heiser Stimme und kurzen Pausen wiederholt bellt, dann liegt im hohen Gras ein Kitz. Die Ricke versucht mit diesen Warnrufen den Eindringling wegzulocken. Das Kitz darf nicht angefasst werden, sonst wird es von der Mutter verstoßen.

Am Boden in der Wiese brüten auch Vögel. Zu ihnen gehören z.B. der gut getarnte Wachtelkönig, den man nur durch sein Rufen „krex krex – krex krex“ wahrnehmen wird. Crex crex, wie er daher unter Fachleuten heißt, ist ein streng geschützter Vogel nach der europäischen Vogelschutz-Richtlinie.

Die WieseDer Verein Wildtierhilfe MV bietet Landwirten kostenlose Unterstützung per Luftüberwachung an, um den Tiertod während der Mahd zu reduzieren.


BUND-Tipp: Ganz nah herangehen und ganz genau hinschauen

Auf den ersten Blick und von weitem begeistern die vielen Farben, Formen und Düfte der wilden Blumen und Kräuter auf den Wiesen. Auf den zweiten Blick gibt diese Pflanzenvielfalt eine faszinierende Insektenwelt und kleinskalige Blütenstrukturen preis. Da heißt es: Genau hinschauen! Genau die Blüten betrachten. Es ist erstaunlich, was für ein Meister der Architektur die Natur ist. Unter die Blätter schauen, den Blattstengel inspizieren und in die Blüte hineingucken. Es offenbart sich, wo Schmetterlinge und Co. ihren Nachwuchs in Form von Eiern oder Raupen verstecken, wie klein Käfer sein können oder das in den „wie hingespuckten“ Schaumnestern Schaumzikaden leben. Wer einen Moment ruhig vor einer Blühpflanze wartet, wird erstaunt sein, wie viele Schwebfliegen zu Besuch kommen, die sich farblich wie Bienen tarnen (Mimikry genannt). Eine Lupe kann beim Erforschen des Wiesenlebens hilfreich sein.

Welche Wiesen sind geschützt?

Seggen- und binsenreiche Nasswiesen, Salzwiesen sowie Trocken- und Magerrasen sind gesetzlich geschützte Biotope nach dem Naturschutzausführungsgesetz Mecklenburg-Vorpommerns. Darunter fallen u.a.: Sumpfdotterblumen-, Kohldistel-, Honiggras-, Kalkbinsen-, Sumpfherzblatt-, Wassergreiskraut-, Wiesenknopf-Silgen-, Rasenschmielen-, Wiesenknöterich-, Trollblumen-, Waldsimsen- oder Pfeifengraswiesen, Kleinschmielenrasen, Grasnelkenfluren und Borstgrasrasen.

Der höchste Anteil an prioritären, d.h. besonders zu schützenden, seltenen Biotopen, findet sich unter den europaweiten FFH-Lebensraumtypen (LRT) des Offenlandes (natürliches und naturnahes Grasland). Dies zeigt, wie selten diese Lebensräume geworden sind. In Mecklenburg-Vorpommern kommen als geschützte LRT z.B. „Naturnahe Kalk-Trockenrasen“ und „Magere Flachland-Mähwiesen“ vor.

Gefährdete Artenvielfalt

Eine besondere Gefährdung besteht durch intensive Nutzung (Mahd, Beweidung, Freizeitaktivitäten) und Stickstoffeinträge, wodurch konkurrenzstarke, stickstoffliebende Allerweltsarten, wie z.B. Brennnessel, die bunte Pflanzenvielfalt und Spezialisten verdrängen. Das Verschwinden vieler verschiedener Kräuter bedingt das voranschreitende Artenaussterben unter den Insekten, also Bienen, Schmetterlingen, Käfern, Heuschrecken und Zweiflüglern. Der massive Einsatz von „Unkraut“-Vernichtungsmitteln, wie Glyphosat, leistet einen weiteren Beitrag zum Rückgang der Artenvielfalt: Es wird nicht nur die Pflanze an sich abgetötet, sondern den Insekten eine wichtige Nahrungs- und Fortpflanzungsgrundlage genommen.

Vollständige Aufgabe der bisherigen Wiesennutzung, Aufforstung oder Bebauung lassen diese wertvollen Biotope ebenfalls verschwinden.

Das Bundesamt für Naturschutz hat 2014 in seinem Grünland-Report mit Besorgnis festgestellt, dass 7,4 % des Grünlandes in Deutschland zwischen 2009 und 2013 durch Intensivierung der Landwirtschaft und Grünlandumbruch zurückgegangen sind.

Fotos (falls nicht anders benannt): Janine Wilken

Weitere Informationen im Internet:

http://www.lung.mv-regierung.de/insite/cms/umwelt/natur/artenschutz/rote_listen.htm


Literatur:

  • Bayrisches Landesamt für Landwirtschaft: Artenreiches Grünland. Erkennen und Bewerten. LfL-Informationen, Broschüre, Mai 2012.

  • Bund Naturschutz Kreisgruppe Hof (Hrsg.): Augenweide – Artenvielfalt im Frankenwald. Broschüre.

  • Deutsch, A: Bestimmungsschlüssel für Grünlandpflanzen währen der ganzen Vegetation. 10., überarbeitete Auflage, Österreichischer Agrarverlag, Klosterneuburg, 1997.

  • Deutsche Wildtierstiftung (Hrsg.): Mähtod – Wildtierverluste durch Landwirtschaft. Broschüre, Stand 02/2011.

  • Dierschke, H., Briemle, G.: Kulturgrasland. Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim), 2008.

  • Fünfstück, H-J., Ebert, A., Weiß, I.: Taschenlexikon der Vögel Deutschlands. Ein kompetenter Begleiter durch die heimische Vogelwelt. Quelle und Meyer Verlag, Wiebelsheim, 2010.

  • Gesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur Ausführung des Bundesnaturschutzgesetzes (Naturschutzausführungsgesetz - NatSchAG M-V), vom 23. Februar 2010, zuletzt geändert durch Artikel 14 des Gesetzes vom 12. Juli 2010 (GVOBl. M-V S. 383, 395).

  • Jaun, A.: Auf dem Bauernhof. Natur erleben – beobachten – verstehen. 1. Auflage, Haupt, Bern, 2014.

  • Oppermann, R., Gujer, H. U. (Hrsg.): Artenreiches Grünland bewerten und fördern – MEKA und ÖQV in der Praxis. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim), 2003.

  • Witt, R., Dittrich, B.: Blumenwiesen. BLV, München, 1996.

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