BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.
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Schutzgebiete

Um den Lebensraum Meer mit seinen Bewohnern zu schützen, werden Meeres- und  Küstenschutzgebiete eingerichtet, Schutzabkommen und Naturschutzkonventionen verabschiedet. Meist stellt nach der Verabschiedung rechtlicher Vorgaben deren Umsetzung und Einhaltung ein beachtliches Problem dar. Denn es ist oftmals schwierig, wirtschaftliche Interessen und Naturschutzabsichten in Einklang zu bringen. Nicht-staatliche Umweltverbände haben sich zu Netzwerken wie der Coalition Clean Baltic zusammengeschlossen, um Kräfte und Wissen zu bündeln und der Politik auf die Finger zu schauen.

Schon seit Längerem gibt es in Deutschland zwei Küsten-Nationalparks an der Ostsee: Der große Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft schützt Ausschnitte der einzigartigen Lagunen an der deutschen Ostseeküste und umfasst darüber hinaus weite Flachwasserbereiche der offenen Ostsee. Der kleine Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen ist berühmt für seine malerischen Kreidefelsen. Weitere Großschutzgebiete sind das Biosphärenreservat Südost-Rügen und der Naturpark Insel Usedom.

Für die gesamte Ostsee war es ein wichtiger Meilenstein, als 1994 die HELCOM* die Einrichtung gemeinsamer, vernetzter Schutzgebiete in der Ostsee beschloss: BSPA – System of Coastal and Marine Baltic Sea Protected Areas. Noch bedeutender für den Meeresschutz war aber, dass die EU ihre Mitgliedstaaten gesetzlich dazu verpflichtete, gemäß der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie (FFH Richtlinie) und der Vogelschutz-Richtlinie Arten und deren Lebensräume in ihrem Bestand europaweit zu erhalten. Deshalb gibt es das europäische Schutzgebiets-Netzwerk „Natura 2000“. Natur und Landschaft – auch am und unter Wasser – sollen laut Natura 2000 anhand sorgsamer Managementpläne ausschließlich nachhaltig genutzt werden, sodass zum Beispiel in der Ostsee für Meeressäuger, Wanderfische, auf dem Meer überwinternde Vögel und ökologisch wichtige Lebensräume wie Sandbänke, Lagunen und Meeresbuchten dauerhaft Schutz besteht. Während FFH-Gebiete dazu dienen, bestimmte Zustände von Lebensraumtypen oder Arten zu bewahren, bzw. wiederherzustellen, widmen sich die Vogelschutzgebiete explizit bedrohten Vogelarten und ihren Vermehrungs-, Mauser- und Überwinterungsgebieten, sowie den Rastplätzen ihrer Wanderungsgebiete. 

Entlang der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste gibt es 30 marine FFH-Gebiete und 13 Vogelschutzgebiete, die sich zum Teil überlappen und gemeinsam eine Fläche von 3.965 km² unter Schutz stellen (etwa viermal die Fläche von Rügen).

Direkt an der Grenze zu Schleswig-Holstein befindet sich das westlichste FFH-Gebiet der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste: „Küste Klützer Winkel und Ufer von Dassower See und Trave“. Die Fels- und Steilküsten neben Geröll- und Kiesstränden, verschiedenen Dünentypen, Salzwiesen und Küstenwäldern sind idealer Lebensraum für Uferschwalben und Fischotter. Die Sandbänke, Lagunen und Riffen in der Ostsee bieten einen reich gedeckten Tisch für Robben und Schweinswale.

Auch die Wismarsche Bucht wurde unter Schutz gestellt. Sie gilt als repräsentativer Landschaftsausschnitt der westlichen Ostsee und enthält alle charakteristischen marinen und Küstenlebensräume. Hier leben Neunaugen und Lachse und hin und wieder kommen Meeressäuger zu Besuch.

In der Vorpommerschen Boddenlandschaft sowie rund um Rügen liegen in mehreren Schutzgebieten Sandbänke, Lagunen, flache große Meeresarme und -buchten inklusive Wattflächen, Riffe und Spülsäume an verschiedenen Strand- und Dünenformen, gefolgt von vielfältigen Küstenlebensräumen. Hier fühlen sich im Wasser neben unzähligen anderen Arten Fische wie Neunaugen, Schlammpeitzger und Steinbeißer zu Hause, sodass neben Meeressäugern viele Zugvögel Rast und Futterstopps einlegen.

Etwas weiter entfernt von der Küste liegt der Plantagenetgrund mit artenreichen Riffen und Sandbänken, die ebenfalls gute Jagdgründe für Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale darstellen.

An den Greifswalder Bodden schließt sich nach Osten das FFH-Gebiet „Pommersche Bucht mit Oderbank“ in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ**) an. Sechs der deutschen marinen Natura 2000 Gebiete liegen ausschließlich in der AWZ. Die Oderbank ist ein Sandbankhabitat, welches für Schweinswale wichtig ist und auch bei der Wiederansiedlung des Störs in der Ostsee eine entscheidende Rolle spielen soll. Das Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht ist sozusagen der Luftraum der Meeresschutzgebiete Adlergrund und Oderbank und ist bedeutsam für Seetaucherarten und Rastvögel. Meeresenten, Rothalstaucher, Trottellummen, Tordalke, Prachttaucher, Fluss- und Küstenseeschwalben sind nur einige Beispiele der dort anzutreffenden Vögel.

Mehr Informationen zu den Schutzgebieten in der AWZ hier.

* Mit HELCOM wird die 1974 von den Anreinerstaaten der Ostsee gegründete Helsinki-Kommission bezeichnet, deren Ziel es ist, die Verschmutzung und Gefährdung der Ostsee zu minimieren und so diesen marinen Lebensraum ökologisch gesund zu erhalten.

**Die „ausschließliche Wirtschaftszone“ (AWZ) beginnt 12 Seemeilen vor der Küste und erstreckt sich bis zu 200 Seemeilen auf das offene Meer hinaus. Innerhalb dieser Zone besitzt der jeweilige Küstenstaat bestimmte Rechte, wie zum Beispiel die Genehmigung von Windkraftanlagen oder die Ausweisung von Meeresschutzgebieten. 

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