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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Die Feldhecke

Weiße Bänder in der Winterlandschaft

Hecken gelten allgemein als grüne Lebensadern in der Landschaft. In einem schneereichen und frostigen Winter erstrahlen diese Biotopstrukturen in einer weißen Pracht. Nicht nur Spaziergänger erfreuen sich ihrer. Viele Tiere können froh sein, wenn sie noch ausreichend Hecken auf den ansonsten großflächig ausgeräumten Agrarlandschaften in unserem Land finden. Bietet ihnen schließlich eine üppige Feldhecke Schutz vor Kälte und eisigen Winden und eine Ruhestätte sowie eine letzte Nahrungsquelle um den Winter zu überleben.

Was unterscheidet Feldhecken von anderen Hecken?

Feldhecken sind Strauchreihen z.B. an Landwegen und in der offenen Landschaft, in denen auch vereinzelt Bäume als sogenannte Überhälter wachsen können. Werden Feldhecken von Bäumen dominiert handelt es sich um Baumhecken. Daneben existieren noch weitere Heckenklassifizierungen.

Die westmecklenburgischen Knicks (Wallhecken) sind eine Sonderform der Feldhecken. Diese historischen Hecken wachsen auf Erdwällen. Stehen beidseits von schmalen Feldwegen Wallhecken, so werden diese Doppelknicks als Redder bezeichnet.

Feldhecken sind im Gegensatz zu Gartenhecken mehrreihig und daher in der Regel stufig angeordnet, wodurch sie wesentlich voluminöser und üppiger wirken. Naturnahe Hecken werden nicht regelmäßig beschnitten und bestehen aus einheimischen Gehölzarten, was bei streng gepflegten und nach landschaftsplanerischen Gesichtspunkten angelegten Siedlungs- bzw. Gartenhecken nicht der Fall ist.

Die Ausprägung und Zusammensetzung von Feldhecken ist abhängig von verschiedenen Umweltfaktoren. Dies sind vor allem Licht- und Wärmeverhältnisse, Wind, Niederschlag, Boden- und Luftfeuchte, pH-Wert des Bodens, Humusgehalt und CO2-Gehalt der Luft. Innerhalb, am Rand, in Bodennähe und oberhalb von Feldhecken und je nach Himmelsrichtung bilden sich unterschiedliche kleinräumige Klimazonen aus, die einer Vielzahl von Tieren mit unterschiedlichen Ansprüchen einen wertvollen, abwechslungsreichen Lebensraum bieten. Insgesamt 10.000 Tierarten, von Vögeln über Reptilien bis Insekten, besiedeln mitteleuropäische Hecken.

Ab einer Länge von 50 m sind naturnahe Feldhecken gemäß § 20 des Naturschutzausführungsgesetzes Mecklenburg-Vorpommerns gesetzlich geschützte Biotope. Das heißt, bis auf die traditionelle Pflege, sind jegliche Eingriffe, die dieses Biotop schädigen, zerstören oder seinen Charakter verändern, verboten.

Von Sträuchern, Bäumen und Kräutern

Feldsperling, Bluthänfling, Goldammer, Rotkehlchen.

Typisch für Feldhecken sind stachelreiche Arten wie Hecken-Rosen, Brombeeren, Schlehen, Weißdorn, aber auch Hasel, Pfaffenhütchen, Schwarzer Holunder sowie Gewöhnlicher Schneeball. Die Samen, Nüsse und Beeren stellen einen reichhaltig gedeckten Tisch für die Tierwelt dar. Und auch wir Menschen naschen gerne von den Früchten, sofern ungiftig, am Wegesrand. Im Winter nach dem ersten Frost ziehen viele los, um Schlehen zu pflücken. Es hilft vor allem den Vögeln sehr, wenn wir ihnen die Sträucher nicht völlig kahlgepflückt zurücklassen.

Als Überhälter (Bäume) sind Ahorn, Hainbuche, Stiel-Eiche, verschiedene Wildobstarten oder Kiefer in den Hecken vorzufinden. Besonders alte Bäume, die Höhlen und Mulm in sich bergen, haben einen hohen Wert für Fledermäuse oder den Eremiten, ein europarechtlich streng geschützter Käfer.

Heckenbiotope werden von krautigen Säumen aus meist stickstoffliebenden Pflanzenarten begleitet, wie Brennnessel, rankende Zaunwinde, Giersch, gelb blühender Nelkenwurz oder weiß blühende Knoblauchsrauke. Diese breiten sich durch Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft zunehmend aus. Ursprünglich wurden nitratarme Standorte von licht- und wärmeliebenden Kräutern besiedelt, die sich je nach pH-Wert des Bodens als basenliebende oder säureliebende Krautsäume ausbilden. Die meisten der besonders für Insekten, wie Schmetterlinge und Wildbienen, wichtigen Kräuter ruhen jetzt unter der Erde als sogenannte Geophyten (in Form von Zwiebeln, Knollen oder Rhizomen) und erfreuen auch uns erst wieder im Frühling mit ihren Farben, Formen und Düften. Der Schnee deckt nicht nur die Sträucher, sondern auch die Blütenpflanzen zu und sorgt für deren schützende Überwinterung.

Mehr als nur ein Lebensraum für Singvögel

Es flattert und zwitschert auch im Winter in den Hecken. Ein Streit um die letzten Beeren an den Sträuchern ist entfacht. Ohne Laubblätter können wir sie nun sehr gut beobachten: Die (Sing-)Vögel, die nicht in wärmere Gefilde abgewandert sind und bei uns aufgeplustert auf den feinen Ästen hockend dem Winter trotzen. So können wir uns an Goldammer, Feldsperling, Bluthänfling oder Raubwürger neben Rotkehlchen, Blau- und Schwarzmeise als auch Haussperling erfreuen.

Mit dem Lebensraum Feldhecke eng verbunden, aber im Winter weggezogen sind vor allem die Insektenfresser, denn diese Nahrung werden sie im Winter bei uns nicht finden. Dies betrifft z.B. Grasmücke (obwohl die Mönchsgrasmücke in milden Wintern auch schon mal hier bleibt), Fitis, Zilzalp, Sumpfrohrsänger, Neuntöter, Heckenbraunelle.  

Neben Singvögeln sind auch Mäusebussard, Turmfalke oder Rotmilan anzutreffen, gehen sie in den Heckenlandschaften auf Beutezug.

Der Igel schläft im Winter unter Laubhaufen. Diese findet er besonders unter Hecken. Feld-, Hasel-, Spitz- und Waldmaus suchen hier ein Überwinterungsquartier und Schutz, unter anderem auch vor Mäusebussarden und Turmfalken. Es können auch der grasgrüne Laub- und der braune Grasfrosch im Mikroklima in der Kernzone der Hecke überwintern. Ja sogar Schmetterlinge richten sich an den Sträuchern ein Winterquartier ein. Besonders interessant ist der Zitronenfalter, der sich nicht verpuppt, sondern im Falterstadium wie ein Blatt am Feldgehölz hängt. Faszinierend: Nicht nur wir nutzen Frostschutzmittel z.B. bei unseren Autos, auch der gelbe Schmetterling produziert ein Frostschutzmittel, das ihn vor dem Kältetod bewahrt. Unzählige andere Insekten überwintern an den Stengelresten im Krautsaum.

Diese seltenen Tiere werden wir wohl eher nicht zu Gesicht bekommen, aber vielleicht finden sich im Schnee ihre Spuren: für Rebhuhn und Feldhase sind Feldhecken ebenfalls ein idealer Aufenthaltsort im Winter. Durch die intensive Landwirtschaft sind ihre Bestände allerdings bedroht.

Unter den heckenbewohnenden und -besuchenden Tieren sind viele gefährdet, stehen auf der Roten Liste oder sind europarechtlich besonders geschützt (FFH-Arten).

Hecken bieten vielfältigen Schutz - für Mensch und Tier

Eine Blaumeise lässt sich die Beeren des Sanddorns schmecken. Rechts: Ansitzwarte eines Neuntöters.

Die Funktionen der Feldhecken sind reichhaltig. Nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen, sei er nur Spaziergänger oder Landwirt.

Die Lebensadern in der offenen Landschaft verbinden verschiedene Biotope untereinander (Biotopverbund) und dienen z.B. Fledermäusen und Insekten als Leitstrukturen, die ihnen den Weg zwischen den Habitaten weisen. Vögeln dienen die Heckenstrukturen als Ansitzwarte, Singwarte und Bruthabitat. Sehr viele Tiere finden hier ihre Nahrung, seien es Blätter, Rinde, Beeren, Nüsse, Samen oder Insekten und Kleintiere. Und sie finden Schutz, besonders vor Feinden.

Üppige Feldhecken bieten Schutz vor zu intensiver Sonneneinstrahlung, bringen im Sommer angenehme Kühle und im Winter Schutz vor der Kälte. Sie dienen – vorausgesetzt sie stehen an der richtigen Stelle – als Windschutz und verringern im Umfeld die Bodenerosion und erhöhen dafür die lokale Bodenfeuchtigkeit. Besonders den angrenzenden Äckern wird hier ein ertragssteigerndes Mikroklima geschaffen.

Feldhecken in Gefahr

In Mecklenburg-Vorpommern wurden in den 1950er und 60er Jahren zahlreiche Heckenstrukturen zugunsten der industriellen, großräumigen Landwirtschaft vernichtet. Feldhecken verschwanden in der Landschaft zunehmend auch durch Flurbereinigung. Der Schwerpunkt der Heckenlandschaft befand sich in Westmecklenburg. Im Vergleich zu 1900 waren 1991 nur noch ein Drittel der Hecken in Westmecklenburg übrig geblieben. Müssen heutzutage naturnahe Feldecken für z.B. den Straßen- und Wegebau weichen, ist es notwendig dies mit Neuanpflanzungen von einheimischen Gehölzen auszugleichen. Bis die ökologischen Funktionen einer gewachsenen, üppigen Feldhecke wieder hergestellt sind, braucht es allerdings Jahre bis Jahrzehnte.

Besonders an Landwegen stehende Feldhecken müssen etwa alle 10 Jahre „auf den Stock gesetzt“ bzw. ausgeästet werden, damit die Wege nutzbar bleiben. Eine mangelnde Pflege führt schließlich auch zum Verschwinden des wertvollen Biotops, weil sich ansonsten langfristig eine Waldstruktur daraus entwickelt. Die intensive Landwirtschaft bis an die noch verbliebenen Feldhecken heran, hat ebenfalls einen negativen Effekt durch den Kontakt mit Herbiziden und Insektiziden sowie aufgrund des zu hohen Nährstoffeintrages.

BUND-Tipp: Benjeshecken

In seinem Buch „Die Vernetzung von Lebensräumen mit Benjeshecken“ verdeutlicht Hermann Benjes mit vielen Anekdoten die Bedeutung von Hecken für die Landschaft und ihre Ökologie. Durch das Anlegen von sogenannten „Benjeshecken“ an richtiger Stelle kann jeder naturschützend aktiv werden. So beschreibt der Autor, wie mit wenigen Mitteln neue Heckenstrukturen entstehen können. Durch das streifenweise Ablegen von ansonsten als Abfall behandelten Gehölzschnitten (Gestrüppwälle) und wenigen Initialpflanzungen wird ein waldbodenartiges Mikroklima geschaffen, das Kleintieren und Insekten neuen Unterschlupf bietet. Vögel, die sich zuvor an Beeren sattgefuttert haben, werden sich in dem Gestrüpp einfinden und mit ihrem Kot für eine neue Aussaat von Sträuchern sorgen. Die mit dem Wind verbreiteten Pflanzensamen bleiben zusätzlich im Gehölzschnitt hängen, fallen zu Boden und sorgen für eine natürliche Verbreitung der Vegetation. Somit entsteht aus einer Benjeshecke mit der Zeit zunächst eine Kraut- und schließlich eine Feldhecke.

Fotos (Vögel): Jens Köhler

Foto (weiße Hecke): Janine Wilken

Weitere Informationen im Internet:

Literatur:

  • Benjes, H.: Die Vernetzung von Lebensräumen mit Benjeshecken. 5. überarbeitete Auflage, Natur & Umwelt Verlag, Bonn, 1998.
  • Bergstedt, J.: Biotopschutz in der Praxis – Grundlagen, Planung, Handlungsmöglichkeiten. 1. Auflage, WILEY-VCH Verlag, Weinheim, 2011.
  • Fünfstück, H-J., Ebert, A., Weiß, I.: Taschenlexikon der Vögel Deutschlands. Ein kompetenter Begleiter durch die heimische Vogelwelt. Quelle und Meyer Verlag, Wiebelsheim, 2010.
  • Gesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur Ausführung des Bundesnaturschutzgesetzes (Naturschutzausführungsgesetz - NatSchAG M-V), vom 23. Februar 2010, zuletzt geändert durch durch Artikel 14 des Gesetzes vom 12. Juli 2010 (GVOBl. M-V S. 383, 395).
  • Weber, H. E.: Gebüsche, Hecken, Krautsäume. Eugen Ulmer KG, Stuttgart, 2008.
  • Westphal, U.: Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft. Ökologie, Artenvielfalt, Praxis. Pala-Verlag, Darmstadt, 2011. 

Für Rückfragen:

Janine Böttcher

Referentin für Naturschutz
Wismarsche Str. 152 19053 Schwerin E-Mail schreiben Tel.: 0385/521339-15

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