BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.
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Das Moor

Ein extremer und stark gefährdeter Lebensraum

Ribnitzer Großes Moor

Bruch, Morast, Sumpf… viele Namen gibt es für den unheimlichen, feuchten, dunklen Ort, der Unbehagen verbreitet mit seinen Mythen über Moorleichen, Moorgeister und geheimnisvolle Irrlichter. Lernt man das Leben im Moor aber besser kennen, dann ist es alles andere als unheimlich, sondern außerordentlich faszinierend.

Moore können grob in Hoch-, Übergangs- und Niedermoore gegliedert werden. Eine weit gefächerte Einteilung wird je nach Entstehungsart, Nährstoff- und Kalkgehalt, Torfbildung oder Wasserstand vorgenommen. Das extremste Biotop unter den Mooren ist das Hochmoor. Da es nur über das Regenwasser gespeist wird und deshalb kaum Nährstoffe und einen sehr sauren pH-Wert besitzt, wird es auch Regenmoor oder Armmoor genannt. Ein eher lebensfeindlicher Ort. Durch die Torfbildung wächst dieses Moor in die Höhe und bildet seine charakteristisch gewölbte Oberfläche aus. Niedermoore werden nicht nur durch den Regen, sondern auch durch das Grundwasser versorgt. Sie sind nicht so nährstoffarm wie Hochmoore.

Die Eigenschaften der Moore zwingen Pflanzen und Tiere dazu, trickreich zu sein um überleben zu können. Sie müssen sich den extremen Lebensbedingungen anpassen. Das macht sie zu seltenen Spezialisten. Jedoch sind Moore mit ihren besonderen Pflanzen- und Tierarten bedroht, vor allem durch den Jahrhunderte langen Torfabbau. Unberührte, sogenannte lebendige Hochmoore gibt es kaum noch. Deshalb sind „lebendige Hochmoore“ ein sehr seltener Lebensraumtyp, der nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) besonders geschützt ist. Auch geschützt sind u.a. die FFH-Lebensraumtypen „noch renaturierungsfähige degradierte Hochmoore“, „Übergangs- und Schwingrasenmoore“ sowie „kalkreiche Niedermoore“.

Eine aktuelle Gefährdung für Moore durch Entwässerung und Umwandlung der Flächen in Grünland, Aufforstung und Freizeitnutzung sowie durch den Eintrag von Nähr- und Schadstoffen aus der Luft bzw. angrenzenden Nutzflächen bestätigt das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Mecklenburg-Vorpommern ist mit 300 000 Hektar (ca. 12 % der Landesfläche) eines der moorreichsten Bundesländer (Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz 2009). Aber der größte Anteil der Moorflächen wird landwirtschaftlich genutzt. Das ist in den meisten Fällen nur mit einer Absenkung des natürlichen Wasserstandes möglich. Die Entwässerung von Moorgebieten ist ein Klimakiller. Dadurch entweichen Treibhausgase, die normalerweise in einem intakten Moor gebunden sind. Nachdem die Wissenschaft dies erkennt hat, werden nun viele Moore wieder renaturiert – soweit es überhaupt noch möglich ist…

BUND-Tipp: Moorführungen und Schwingrasen

Moorführung für Groß und Klein

Viele Moore sind öffentlich nicht zugänglich. Am besten man erkundet daher Moore im Rahmen einer sachkundigen Moorführung. Lehrpfade gibt es z.B. in den Naturschutzgebieten Grambower Moor, Ribnitzer Großes Moor (beides Hochmoore) und im Zarrentiner Kalkflachmoor (Biosphärenreservat Schaalsee). Auch im Müritz Nationalpark gibt es Moorlandschaften verschiedener FFH-Lebensraumtypen. In einigen nicht zugänglichen Mooren, wie z.B. den Naturschutzgebieten Göldenitzer Moor (eines der ältesten Regenmoore in M-V) und Ramper Moor (kalkreiches Verlandungsmoor), können dennoch Führungen vereinbart werden. Vielleicht hat man Glück und darf bei Moorführungen einen Schwingrasen betreten (Gummistiefel nicht vergessen!). Schwingrasen sind nach der FFH-Richtlinie ein geschützter Lebensraumtyp. Wie der Name schon sagt, schwingen diese überwiegend aus Moosen bestehenden „Rasen“, wenn man darüber läuft. Es fühlt sich an, als würde man auf einem Wasserbett gehen. Das liegt daran, dass der Boden mit Wasser gesättigt ist (oberflächennah anstehendes Grundwasser). Aber Vorsicht: ohne ortskundige Begleitung kann das Begehen von Schwingrasenmooren lebensgefährlich sein!

Bauherren des Moores

Wollgras, Foto: BUND Brandenburg

Ohne Torfmoose (Gattung Sphagnum) würde es keinen Torf und somit keine Hochmoore geben. Nur weil der untere Teil dieses Mooses im Wasser abstirbt, entsteht daraus unter Sauerstoffabschluss Torf. Der „Rest“ des Torfmooses wächst nach oben unbegrenzt weiter, was sonst kaum eine andere Pflanze kann. Noch dazu besitzt diese Pflanze überhaupt keine Wurzeln. Mithilfe von Wasserzellen ist es allein den Torfmoosen zu verdanken, dass das Wasser im Biotop angehoben wird. Sie halten so das Wasser dauerhaft im Moor, wie ein riesiger Schwamm. Und sie sind dafür verantwortlich, dass der Moorkörper versauert. Damit schalten sie ihre Konkurrenten aus. Da Hochmoore durch Entwässerungen gefährdet sind, sind alle 33 Sphagnum-Arten, die es in M-V gibt, nach FFH-Richtlinie geschützt. Zwei dieser Arten gelten in Mecklenburg-Vorpommern als ausgestorben, fast die Hälfte gehört der Gefährdungsklasse 1 bis 3 der Roten Liste M-V an (vom Aussterben bedroht, stark gefährdet bzw. gefährdet). Die seltenen Moose im Moor sollte man also keineswegs unbeachtet lassen.

Besonders schön anzusehen und am auffälligsten weit und breit, auch noch bis in den Herbst hinein, sind die „puscheligen“ Ähren (das sind nicht die Blüten!) des Schneidigen Wollgrases. Ihre weiße Pracht dominiert in Mooren auf nassen und sauren Torfböden und wirken wie helle Tupfen in der Landschaft. Ähnlich wie beim Torfmoos sorgen die sich langsam zersetzenden Blattscheiden des Wollgrases für die Bildung von Hochmoortorf. Das Wollgras ist ein Erstbesiedler auf Torfstichen. Eine Verwandte, das gefährdete Schmalblättrige Wollgras, wächst hingegen nicht in Hochmooren, sondern in Nieder- und Zwischenmooren.

Pflanzen mit besonderen Überlebensstrategien

Allseits bekannt als fleischfressende Pflanze ist der geschützte Rundblättrige Sonnentau. Da der Boden im Moor nährstoffarm ist, muss sich die Pflanze etwas anderes einfallen lassen. Mit einem speziellen Klebstoff fängt der Sonnentau daher Insekten, um an nahrhafte Proteine zu gelangen. Das ist aber nicht der einzige Fleischfresser unter den Moorpflanzen. Auch der Kleine Wasserschlauch, der in Moorseen (dem „Moorauge“) untergetaucht vorkommt, fängt sich kleinste Wassertiere. Die wurzellose Wasserpflanze benutzt dazu raffinierte Fangbläschen. Hebt man den Wasserschlauch vorsichtig (stark gefährdet in M-V!) aus dem Wasser, sind die Fangbläschen zu erkennen.

Die extremen Standortbedingungen in Hochmooren verlangen alles von ihren Bewohnern ab. So wächst hier der am Boden kriechende Sumpf-Bärlapp, der eine extrem langsame Keimentwicklung aufweist. Sage und schreibe drei bis fünfzehn Jahre (!) vergehen bis aus einer gekeimten Spore ein geschlechtsreifer Vorkeim ausgebildet wird. Trocknet ihr Lebensraum aus oder wird die Konkurrenz zu stark, verschwindet sie. Kein Wunder also, dass die auch Moorbärlapp genannte Pflanze vom Aussterben bedroht und nach FFH-Richtlinie streng geschützt ist.

Die Moosbeere (eine Verwandte der Preiselbeere) ist ebenfalls ein sehr typischer Bewohner von Hochmooren und ebenso empfindlich, wenn das Moor entwässert wird. Um überleben zu können, geht dieser kleine Beerenstrauch eine Symbiose mit Wurzelpilzen ein, der sie mit Nährstoffen versorgt.

Weitere Arten, die sich an das Moor angepasst haben, sind die Moorbeere (die Früchte ähneln der Heidelbeere), die Schwarze Krähenbeere und die Moorbirken am Rand des Feuchtgebietes. Besonders auffällig und unheimlich anmutend, sind abgestorbene Bäume, die wie lange, kahle Stöcke aus Moorseen herausragen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass hier Renaturierungsmaßnahmen stattgefunden haben und sich das Moor wieder erholt.

Auch Tiere fühlen sich im Moor wohl

Biberspuren am Moor

In Mooren trifft man auf viele verschiedene Insektenarten. Besonders hervorzuheben sind dabei Libellen und Schmetterlinge. Libelle des Jahres 2014 (ausgelobt durch den BUND und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen) ist übrigens ein Moorbewohner: Die Kleine Moosjungfer. Die Hauptflugzeit dieser schwarz-roten Libelle liegt zwischen Mitte Mai und Anfang Juli. Sie wird auf den Roten Listen als gefährdet geführt. Die Kleine Moosjungfer leidet unter dem Schwund von Mooren, in denen sie normalerweise häufig vorkommt. Ebenfalls schön und sehr selten ist der Große Moorbläuling. Im Herbst lassen sich die Raupen dieses Schmetterlings von Blütenpflanzen fallen und werden dann von Ameisen zur weiteren Aufzucht eingesammelt bis sie im Frühjahr aus ihrer Verpuppung schlüpfen. Im Ameisennest haben sie es nämlich schön warm. Hochmoore bieten außerdem einen Lebensraum für Schwimmkäfer, Laufkäfer, Blattkäfer und diverse Spinnenarten.

Auch Reptilien und Amphibien lieben das feuchte Klima in Mooren, das durch große Temperaturschwankungen geprägt ist. Mooreidechsen legen z.B. keine Eier wie andere Eidechsen, wegen der klimatischen Verhältnisse, sondern gebären ihren Nachwuchs wie Säugetiere. Moorfrösche sind in der Paarungszeit sehr gut an ihrer Farbe zu erkennen: Dann färben sich die Männchen nämlich blau. Das ist ein sehr interessantes Phänomen. Auch Schlangen können einen beim Erkunden des Moores über den Weg kriechen. Besonders die seltene Kreuzotter, eine Giftschlagen (für den Menschen aber nicht lebensbedrohlich), finden im Moor einen ruhigen Rückzugsort.

Im Herbst machen sich Zugvögel auf den Weg in ihre Winterquartiere. Kraniche kehren zum Schlafen gerne ins Moor ein. Während des Herbstzuges können es sogar noch viel mehr Kraniche sein als sonst im Jahr. Im Grambower Moor beispielsweise können sich im Oktober / November die Schlafplätze kurzzeitig mit hunderten von Kranichen füllen. Das Moor bietet also besonders im Herbst reizvolle Naturschauspiele.

Kleine Moosjungfer ist Libelle des Jahres 2014 (Foto: Günter J. Loos)

Weitere Informationen im Internet:

Literatur: 

  • Hutter, C.-P., Kapfer, A., Konold, W.: Seen, Teiche, Tümpel und andere Stillgewässer. Biotope erkennen, bestimmen, schützen. Hirzel, Stuttgart, 2002.
  • Krausch, H.-D.: Farbatlas Wasser- und Uferpflanzen. Ulmer, Stuttgart, 1996.
  • Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (Hrsg.): Konzept zum Schutz und zur Nutzung der Moore. Fortschreibung des Konzeptes zur Bestandssicherung und zur Entwicklung der Moore. Schwerin, 2009.
  • Schwoerbel, J., Brendelberger, H.: Einführung in die Limnologie. 10. Auflage, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 2013.
  • Wendelberger, E.: Spektrum der Natur BLV Intensivführer. Pflanzen der Feuchtgebiete. Gewässer, Moore, Auen. BLV Verlagsgesellschaft, München, 1986.
  • Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern. Demmler Verlag, Schwerin, 2003. 

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