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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Naturschatz zwischen Land und Wasser: Schelfwerder

13. April 2017

Wer Schwerin über die Güstrower Straße nach Norden verlässt durchquert Schelfwerder. Was ist das überhaupt? Als Schelfwerder wird eine natürliche Halbinsel bezeichnet, die durch eiszeitliche Ablagerungen von Geschiebe in einer größeren Senke entstanden ist. Sie trennt den Ziegelsee und Heidensee vom Schweriner See. Durch die Anlage des Werderkanals zwischen Ziegelsee und Heidensee wurde die Halbinsel zwar vom Land getrennt, aber mit der Werderkanal-Brücke und mit dem Paulsdamm, der im Norden eine Verbindung zum Wickendorfer Moor herstellt, fällt dies kaum auf.

Der Name setzt sich aus „Schelfe“ / „Schelp“ = Schilf und „Werder“ = Insel oder Erhebung zusammen - ein Hinweis auf das sumpfige Gelände. Hier konnte sich an dem Übergang zwischen Wasser und Land eine vielfältige Naturlandschaft entwickeln. Durch Auswaschung aus dem Geschiebemergel hat sich in Moorbereichen Wiesenkalk abgelagert und Torf konnte aufwachsen. Der Wiesenkalk wurde für eine Kalkbrennerei bis nach dem 1. Weltkrieg abgebaut. Das eiszeitliche Moränenmaterial ist sehr lehmig und war die Grundlage für den Betrieb mehrerer Ziegeleien seit dem Mittelalter. Hier wurden unter Verwendung von Torf als Brennmaterial Ziegel für das Arsenal und das Schloss in Schwerin gebrannt. Durch die natürliche Bewaldung der Halbinsel war auch Holz als Bau- und Brennmaterial vorhanden. Trotz dieser Nutzung und Veränderungen durch den Menschen sind heute noch naturnahe Buschwindröschen-Buchenwälder, Eichenwälder, breite Röhrichtzonen an den Ufern und Erlenbrüche vorhanden, wie sie sonst selten übriggeblieben sind.

Aus den Erlenbrüchen ist für eine kurze Zeit im Frühjahr ein Knurren und Wok-wok-wok zu hören: Grasfrösche und blaue Moorfrösche rufen lautstark ihre Weibchen. Dagegen bleiben die Kammmolche, kleine dunkle „Wasserdrachen“, das ganze Jahr stumm und verborgen.

Mit Spannung erwarten wir, wie in den letzten Jahren, die Ankunft von mindestens einem Kranichpaar im Werderholz. Hier werden sie im knietiefen Wasser, geschützt vor Nesträubern wie dem Fuchs, ihren angestammten Brutplatz aufsuchen. Gegen andere Räuber verteidigen sie sich und ihre Eier vehement. Kommen hingegen Menschen dem Nistplatz zu nahe, stehlen sie sich oft unbemerkt davon. Werden sie zu oft gestört, geben sie die Brut auf. Kraniche zählen zu den besonders störungsempfindlichen Arten, nach Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sind sie streng geschützt, sowohl das Betreten der Brutgebiete als auch das Aufsuchen der Nahrungs- und Sammelplätze ist untersagt.

Auch in den breiten Röhrichtbeständen wird fleißig gebaut und für Nachwuchs gesorgt. Hier brüten nicht nur Wasservogelarten wie die Schnatterente (siehe Foto), die farbenprächtige Kolbenente, Tafelenten und Reiherenten, Graugänse, Blässhühner, Haubentaucher und Gänsesäger. Auf den Lebensraum Schilfröhricht haben sich auch sangesfreudige Drosselrohrsänger, Rohrammer und die imposante Rohrweihe spezialisiert. Bis Mitte September sind auch sie darauf angewiesen, ohne Störungen ihr anstrengendes Brutgeschäft erfolgreich durchzuführen.

Das Werderholz bietet selten gewordenen Arten wie Schwarzspecht, Mittelspecht, Zwergschnäpper, Eisvogel, Schwarzmilan, Seeadler und auch Fledermäusen einen Platz am Schweriner See. Hier ist auch ein kleiner gelber Frühblüher zu finden: der Scheidige Goldstern. Für dessen Erhalt trägt Deutschland, insbesondere Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, in besonderem Maße Verantwortung.

Der BUND Schwerin lädt zu einem geführten Osterspaziergang mit dem Naturschutzwart für Schelfwerder / Heidensee, Volker Thomas, ein. Treffpunkt am Samstag, 15. April um 10 Uhr ist die Bushaltestelle Buchenweg / Schelfwerder. Mit etwas Glück werden Sie dabei einige der genannten Tier- und Pflanzenarten entdecken. Die Führung ist kostenlos. Spenden für die Arbeit des BUND sind willkommen.

Autorin: Mareike Herrmann, BUND Schwerin, Kontakt: mareike.herrmann(at)bund.net, 0385 / 39433139  

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