Der BUND prangert in seiner Stellungnahme die sorglose Überplanung dieser noch letzten wertvollen Naturräume an. „Auch im zweiten Entwurf soll der Seehafen bspw. von derzeit 721 Hektar um zusätzliche 471 Hektar wachsen! Rund um Poppendorf sind weitere 340 Hektar und bei Mönchhagen weitere 237 Hektar für Industrie und Gewerbe vorgesehen. Und es wird sogar über den RREP hinaus über die Teilrodung eines geschützten Naturwaldes für weitere Hektar Industrie verhandelt. Das sind erhebliche Eingriffe in Natur & Landschaft! Und das ohne eine ausreichende Begründung, dass es diesen riesigen Bedarf überhaupt gibt!“ erklärt Susanne Schumacher, Sprecherin des BUND Rostock.
Die Flächen für die Hafenerweiterung sollen dabei teils hochsensible und wertvolle Naturräume zerstören. Das zieht gravierende und endgültige Umweltschädigungen für Mensch, Wasser, Arten, Boden, Klima und unserer Landschaft nach sich.
„Sollten teils Jahrhunderte alte Naturräume für immer zerstört werden, um Platz für meist nur Jahrzehnte währende Industrie zu schaffen? Der Wandel von fossiler zu erneuerbarer Industrie zeigt doch gerade die Unbeständigkeit von Wirtschaftszweigen und sollte nicht gegen natürlichen Klimaschutz ausgespielt werden! Ein Hafen kann sich niemals grün nennen, wenn dafür Natur, die wir im Kampf gegen Klimawandel, Artensterben und Umweltverschmutzung brauchen, zerstört wird!“ mahnt der BUND.
V.a. im Erweiterungsgebiet „Seehafen Ost“ würde das das Verschwinden der letzten, wenigen Prozent des ehemaligen, ökologisch einzigartigen Warnowdeltas bedeuten. Zwar wurde der Peezer Bach und der Kernbereich des Küstenüberflutungsmoores im neuen Entwurf ausgespart, doch dafür soll nun weiter in den Norden und in den Flachwasserbereich des Breitlings gebaut werden dürfen. Dieser Naturraum kann aber nur in diesem Flachwasser-Moor-Bachniederung-Küstenwald-Komplex überleben, da alles hydrologisch zusammenhängt und funktioniert. Eine Bebauung hätte erhebliche Auswirkungen - vom Grundwasserkörper, über das langfristige Absterben des Moores bis hin zum Zurückdrängen unseres uralten Küstenwaldes am Schnatermann.
Flachwasser, Bachniederung, Röhrichte, Kleingewässer, Gehölze und Offenland sind Lebensraum zahlreicher geschützter bzw. bedrohter Arten, z.B. als Laichgebiet des Hering oder für Brutvögel. Immer noch ist die Bebauung tief- und flachgründiger Moorböden mit höchster Schutzwürdigkeit geplant. Allein rund 37 ha Flachwasser nördlich und südlich der Peezer Bach Mündung und ein 1.300 m langer Abschnitt des bisher unbebauten Warnowufers sind für Industrie und Gewerbe vorgesehen. Rund 2 ha Klimaschutzwald sollen gerodet werden.
„Dieser Naturraum sollte aber als klimatischer Ausgleich für die bereits rundum entstandene Industrie und das dicht besiedelte Rostock erhalten bleiben. Die Moorböden sind eine wichtige CO2 Senke. Grün- und Freiflächen liefern Frischluft.
Die Planungen machen zudem naturschutzrechtliche Kompensationen der letzten Jahre zunichte. So sollen teils Flächen für Industrie und Gewerbe überplant werden, die bereits für vorangegangene Baumaßnahmen, wie z.B. dem Güterverkehrszentrum renaturiert wurden.“ erinnert Schumacher.
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Für Rückfragen:
Susanne Schumacher 0176 21311985
Quellen:
- Neuaufstellung Raumentwicklungsprogramm ab 2022 - Planungsverband Region Rostock
- Moorschutz - Greifswald Moor Centrum
- Bodenversiegelung | Umweltbundesamt
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