BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Alleentag Mecklenburg-Vorpommern

02. November 2022 | Alleen, Baum, Lebensräume, Mobilität, Naturschutz, Naturschutz

Heute, am 2. November 2022 findet in Güstrow die 17. Alleen-Fachtagung des BUND in Kooperation mit dem Landesamt für Umwelt Naturschutz und Geologie (LUNG) Mecklenburg-Vorpommern statt.

Eingeladen sind Mitarbeiter aus Ministerien, Behörden, Kommunen, Verbänden und Bürger, die sich mit dem Thema Schutz von Straßenbäumen und Neuanpflanzung beschäftigen. 150 Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Sachsen haben sich angemeldet.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es etwa 4150 Kilometer Alleen und 10.400 Kilometer Baumreihen. Damit steht das Bundesland an zweiter Stelle hinter Brandenburg, das mit 4475 Kilometer Alleen und 10.560 Kilometer Baumreihen das alleenreichste Bundesland ist.

Jährlich werden an Bundes- und Landesstraßen in Mecklenburg-Vorpommern etwa 4000 Bäume vor allem aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt. Im untergeordneten Straßennetz der Landkreise und Kommunen sind es fast noch einmal so viel. Das Pflanzen von Alleen wurde teurer und durch oft notwendigen Landkauf schwieriger.

„Mit 4019 Pflanzungen bei 3498 Fällungen entlang von Bundes- und Landesstraßen hat die Straßenbauverwaltung auch 2021 gezeigt, dass es möglich ist, die Fällungen durch Pflanzungen zu ersetzen. Langjähriges vorausschauendes Planen und die Umsetzung mit engagierten Mitarbeitern haben sich hier in den letzten Jahren sehr positiv ausgewirkt“, sagt Katharina Dujesiefken, Referentin für Baum- und Alleenschutz beim BUND M-V.

Etwa 16 Prozent der Alleen befinden sich an Kreisstraßen, doch die Pflicht zur Nachpflanzung für Fällungen wird nicht überall gleich ernst genommen. Für die Kreisstraßen besteht insgesamt ein Pflanzdefizit von 6.600 Bäumen. Fällungen an Kreis-, Landes- und Bundesstraßen ließen den Bestand an Alleebäumen beispielsweise im Altkreis Ostvorpommern seit Beginn der 90er Jahre bis heute um mehr als die Hälfte schrumpfen. Derzeit besteht im Landkreis Vorpommern-Greifswald ein Defizit von 4250 Bäumen. „Nach Jahren, wo hier gar keine Ersatzpflanzungen erfolgten, sind nun aber 280 Bäume gepflanzt worden und auch für nächstes Jahr ist eine Pflanzung mit 286 Bäumen geplant. Das ist nicht ausreichend, aber ein kleiner Neubeginn“, sagt Katharina Dujesiefken vom BUND.

Die Landkreise Rostock und Nordwestmecklenburg haben keine Pflanzschulden, wobei der Landkreis Rostock bei den Pflanzungen mit einem Plus von 1463 Bäumen besonders gut ist und beispielsweise entlang der Kreisstraße 22 im Raum Güstrow eine komplett neue Allee gepflanzt hat.

Etwa 42 Prozent der Alleen und Baumreihen in Mecklenburg-Vorpommern liegen an Gemeindestraßen und ländlichen Wegen. „Damit kommt der Entwicklung und dem Erhalt von Alleen in diesem Straßennetz eine besondere Bedeutung zu. Für die Gemeindestraßen liegen leider keine genauen Angaben vor. Es ist zu befürchten, dass es auch hier ein erhebliches Pflanzdefizit gibt”, sagt Alleenexpertin Katharina Dujesiefken vom BUND.

Um im ländlichen Raum das Defizit abzubauen, fordert der BUND, mehr Mittel aus dem Alleenfonds für Neuanpflanzungen zu nutzen. Bisher ist das nur zu etwa 10 bis 15 Prozent der Fall. „Außerdem müssen die Bedingungen für die Nutzung des Alleenfonds vereinfacht werden, die Bearbeitung ist zu beschleunigen und den Mitarbeitern vor Ort muss mehr Hilfe angeboten werden“, fordert Katharina Dujesiefken vom BUND.

„Große Hoffnungen setzen wir auch in die Pilotprojekte für die Entwicklung von Alleen an Gemeindestraßen in den Landkreisen Rostock und Vorpommern-Greifswald, das die Landesstraßenbauverwaltung gestartet hat“, so Katharina Dujesiefken weiter.

Mit Hilfe von Planungsbüros wurden Gemeinden ermittelt, die Pflanzpotential an ihren Gemeindestraßen und Interesse an einer Alleebaumpflanzung haben. Die Finanzierung der Pflanzung und Planung erfolgt durch das Landesamt für Straßenbau und Straßenverkehr. Dazu gehören alle notwendigen landschaftsplanerischen Arbeiten bei Bedarf auch das Erstellen von Grunderwerbsplänen und Grunderwerbsverzeichnissen. Die Pflanzung mit 5 Jahren Entwicklungspflege durch eine Firma wird zu 100 Prozent gefördert. Auch für die Pflege nach der fünfjährigen Anwachs- und Entwicklungspflege bekommt die Gemeinde finanzielle Mittel für weitere 15 Jahre. Die Gemeinden müssen lediglich unentgeltlich Land zur Verfügung stellen und müssen die weitere Pflege später selbst organisieren.

Hintergrund:

Seit Jahrzehnten gibt es einen schleichenden Rückgang der Alleen. Sie fallen Baumkrankheiten, dem Straßenausbau oder zahlreichen notwendigen Fällungen für Verkehrssicherungsmaßnahmen zum Opfer. Alleebäume sind oft durch den jahrelangen Einsatz von Tausalz geschädigt. Die Böden entlang der Straße speichern das Salz, was die Nährstoffaufnahme stark einschränkt. Die Neuanpflanzungen von Alleen reichen in den meisten Regionen nicht aus, um den Verlust zu kompensieren. Gab es 2006 in Deutschland noch 27.500 Kilometer Alleen sind es 17 Jahre später nur noch 20.000 Kilometer, also fast 30 Prozent weniger. Regionale Unterschiede sind gravierend.

Forderungen des BUND M-V:

Die Erhaltung der Alleen erfordert ein Umdenken bei den Verkehrssicherheitsprogrammen. Vorsicht und Verantwortung des Einzelnen müssen mehr in den Vordergrund rücken. Das bedeutet, sich von der Forderung der Autolobby nach einer "fehlerverzeihenden Straße", die die Fahrer aus der Verantwortlichkeit entlässt, zu einem Konzept des "ruhigen und rücksichtsvollen Fahrens" zu bewegen.

Ersatzanpflanzungen und Neuanpflanzungen sind notwendig und müssen durch die Artenvielfalt und gute Bodenverhältnisse ausgerichtet sein, dass sie einerseits dem Klimawandel möglichst gut standhalten und andererseits auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Mehr Pflanzungen im untergeordneten Straßennetz: Die Unterstützung der Kommunen bei der Planung und Umsetzung von Pflanzungen z.B. aus dem Alleenfonds, muss gewährleistet sein. Die Bearbeitung der Anträge muss zügig erfolgen.

Alleenentwicklungskonzepte, ob landesweit für Bundes- und Landesstraße oder regionale Konzepte auf Kreisebene, haben sich bewährt. Alle Maßnahmen, wie die Pflege bestehender Alleen, Neu- oder Nachpflanzungen und Grunderwerb lassen sich damit besser umsetzen und begründen.

Pflanzprojekte mit Einbindung der Bevölkerung erhöhen die Akzeptanz und die Fürsorge für Alleen.

Die Aus- und Weiterbildung aller verantwortlicher Mitarbeiter in Baumschutz und –pflege muss kontinuierlich erfolgen.

Rückfragen über Katharina Dujesiefken, Referentin BUND Mecklenburg-Vorpommern, Tel. 0172 3848542

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