Schwerin / Heringsdorf / Brüssel. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die internationale Ostseeschutzorganisation Coalition Cleen Baltic (CCB) und die Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern haben die EU- Kommissarin Jessika Rosewall und das Europäische Parlament um Hilfe gegen die geplante Ölförderung in der Ostsee gebeten.
Am Donnerstag, den 1.Oktober 2026 übergeben BUND, CCB und die Bürgerinitiative gemeinsam eine Petition für ein grundsätzliches Verbot der Öl- und Gasförderung in der Ostsee mit 89.300 Unterschriften an EU-Kommissarin Rosewall und an Parlamentarier des EU-Parlamentes in Brüssel. Eine Petitionsverfahren an den Petitionsausschuss des EU-Parlamentes ist gestartet.
Die Ölförderpläne vor der Küste von Usedom / Wollin werden aktuell konkret. Seit Anfang September ist das Genehmigungsverfahren mit länderübergreifender Umweltverträglichkeitsprüfung eröffnet.
„Wir bitten die EU-Kommission und das EU-Parlament um Hilfe. Das konkrete Ausmaß der Öl- und Gasförderung vor Usedom und Wollin ist erschreckend. Es sind 30 Bohrlöcher für Injektionen und Förderung eines Gemischs aus Öl und Gas geplant. Das Öl-Gas-Gemisch soll dann über der Meeresoberfläche getrennt werden. Für die Bohrplattform soll eine künstliche Insel mit Wellenbrechen und Hafen für Öltransportschiffe gebaut werden. Das Hafenbecken soll auf 12 Meter Tiefe ausgebaggert werden. Dazu kommt eine Fackel für Gasverbrennung bei Störungen. Diese Industrieanlage soll in eines der wichtigsten Schutzgebiete der Ostsee direkt an die Oderbank in der Pommerschen Bucht gebaut werden“, sagt BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag.
Die Pommersche Bucht mit der Oderbank ist ein NATURA 2000 Gebiet der Europäischen Union, indem ein Verbot der Verschlechterung gilt. Die Erkundung und Förderung von Erdgas- und Erdölvorkommen und der Bau der Fördertechnik belasten den Lebensraum von Schweinswalen, Seevögeln, Fischen wie Hering oder Ostseeschnäpel durch Lärm, Trübungen, Rammungen, Leckagen, Haverien und die bei der Förderung eingesetzten chemischen Stoffe. Der BUND sieht durch die geplante Öl- und Gasförderung Verstöße gegen geltende Umweltkonventionen der EU.
Polen hat im September das Genehmigungsverfahren zur Förderung von mehr als 33 Millionen Tonnen Öl sowie rund 27 Milliarden Kubikmeter Gas in der Pommerschen Bucht der Ostsee vor Usedom und Wollin / Polen für die kanadischen Öl- und Gasunternehmens Central European Petroleum Ltd. (CEP) eröffnet. Dabei wird nun auch Mecklenburg-Vorpommern an der grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung beteiligt. Zuständige Behörde ist das Bergamt Stralsund. Der BUND fordert umfangreiche Umweltprüfungen.
Hintergrund:
EU-Kommissarin Jessika Rosewall ist zuständig für Umwelt, Wasserresilienz und eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft.
Bei den Bohrprozessen für die Ölförderung im Meer werden Chemikalien für den Bohrprozess eingesetzt. Mit Öl- und Chemikalienresten vermischtes Produktionswasser gelangt an die Meeresoberfläche. In die Öl- und Gasvorkommen wird zur Förderung Meerwasser und oft auch chemisches Lösungsmittel gepresst. Selbst kleine Störfälle sind in der flachen und austauscharmen Ostsee schwerwiegend. Explosionen mit Blow-Outs von Erdöl stellen eine permanente Gefahr dar. Das kanadische Öl- und Gasunternehmen Central European Petroleum Ltd. (CEP) plant die Förderung von mehr als 33 Millionen Tonnen Öl sowie rund 27 Milliarden Kubikmeter Gas in der Pommerschen Bucht der Ostsee vor Usedom und Wollin / Polen.
Die Vorhaben in der Pommerschen Bucht verstoßen gegen europäisches Umweltrecht. Betroffen sind die Meeresstrategierahmenrichtlinie, die Vogelschutzrichtlinie, die FFH-Richtlinie und die gemeinschaftlichen Ziele der HELCOM Ostseeanrainerstaaten im Baltic Sea Action Plan (BSPA).
Die Erschließung neuer fossiler Energiequellen steht der Verpflichtung der EU-Staaten im Klimaschutzabkommen entgegen. Aktuelle Studien belegen, dass das 1,5 Grad Höchst-Ziel für die Erderwärmung trotz aller Maßnahmen nicht gehalten werden kann, wenn neue Quellen erschlossen und Rohstoffe verbrannt werden.
Die Ostseeanrainerstaaten haben sich in der HELSINKI-Konvention auf einen gemeinschaftlichen Schutz der Meeresnatur geeinigt. Gemeinsam ist ein Aktionsplan (Baltic Sea Action Plan – BSAP) aufgesetzt worden. Darin verpflichten sich alle Staaten, keinerlei Schadstoffe ins Meer zu leiten.
Mehr Informationen:
- Petitions-Website: https://www.bund-mecklenburg-vorpommern.de/petition-keine-oel-und-gasfoerderung-in-der-ostsee/
- Weitere Informationen zur Öl- und Gasförderung in der Nordsee
Fotos von der Übergabe der Petition werden am 1.Oktober ab 17:00 Uhr auf Nachfrage gerne zur Verfügung gestellt. Die Fotos werden vom BUND kostenfrei abgegeben.
Kontakt: Corinna Cwielag, BUND Mecklenburg-Vorpommern, E-Mail: corinna.cwielag(at)bund-mv.de, Mobil: 0178 5654700, Dr. Bettina Taylor, Meeresschutzbüro BUND, E-Mail: bettina.taylor(at)bund.net, T. +49152 04047180
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