Der BUND richtet eine Petition an den Europäischen Petitionsausschuss mit der Aufforderung, Öl- und Gasförderung in der Ostsee grundsätzlich zu untersagen und die jetzt geplante neue Öl- und Gasförderung in der Pommerschen Bucht der Ostsee vor Usedom und Wollin zu stoppen. Die Petition wird gemeinsam mit der internationalen Meeresnaturschutzorganisation Coalition Cleen Baltic und der Bürgerinitiative „Lebensraum Vorpommern“ getragen und im gesamten Ostseegebiet verbreitet.
Lebensraum für tausende Seevögel, Schweinswale, Heringe
Die Pommersche Bucht mit der Oderbank ist ein NATURA 2000 Gebiet der Europäischen Union. Darin gilt ein Verbot der Verschlechterung. Die Erkundung und Förderung von Erdgas- und Erdölvorkommen belastet den Lebensraum von Schweinswalen, Seevögeln, Fischen wie Hering oder Ostseeschnäpel durch Lärm, Trübungen, Rammungen, Leckagen, Haverien und die bei der Förderung eingesetzten chemische Stoffe. Die Vorhaben in der Pommerschen Bucht verstoßen gegen europäisches Umweltrecht.
Gefahr durch Chemikalien im Meer
Die Förderung von Öl und Gasvorkommen unter dem Meeresboden ist mit hohen Risiken und unmittelbaren Wirkungen auf die sensible Meeresumwelt verbunden. Bei den Bohrprozessen für die Ölförderung im Meer werden Chemikalien für den Bohrprozess eingesetzt. Mit Öl- und Chemikalienresten vermischtes Produktionswasser gelangt an die Meeresoberfläche. In die Öl- und Gasvorkommen wird zur Förderung Meerwasser und chemisches Lösungsmittel gepresst. Selbst kleine Störfälle sind in der flachen und austauscharmen Ostsee schwerwiegend. Explosionen mit Blow-Outs von Erdöl stellen eine permanente Gefahr dar. Eine Gasförderung in der Ostsee ist häufig nur durch den Einsatz von Fracking-Methoden wirtschaftlich, da das Erdgas in Gesteinsschichten unter dem Meeresboden lagert.
Keine neuen Fossilen mehr für das 1,5 Grad Ziel
Neue Gas- oder Ölförderungen stehen den Klimaschutzzielen komplett entgegen. Die Internationale Energieagentur warnte schon 2021, dass keine neuen Vorkommen mehr erschlossen werden dürften, wenn die globalen Klimaziele erreicht werden sollen. Aktuelle Studien haben das klar bestätigt: bereits heute verfügbare Förderung von fossilen Brennstoffen – Öl und Gas – sprengt die 1,5 Grad Grenze. Diese neue Förderung von Erdöl und –gas in der ökologisch sensiblen Ostsee darf das gemeinsame EU-Klimaziel nicht gefährden. Polen droht sich mit der Förderung in neue fossile Abhängigkeiten zu begeben, voraussichtlich zu hohen Kosten.
Der Schutz der Natur gehört zu den Grundrechten der Menschen für ein gesundes Leben. Das Europäische Parlament soll die Gas – und Ölförderung in der Ostsee unterbinden. Wir fordern die Einhaltung der geltenden Vereinbarungen zum Schutz der Meeresnatur der Ostsee .
Mit dem Petitionsverfahren des Europäischen Parlaments wird sichergestellt, dass alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, mit dem Europäischen Parlament in Kontakt zu treten und ihr Petitionsrecht wahrzunehmen, das zu den im Vertrag und in der Charta der Grundrechte verankerten Grundrechten aller Bürger und Einwohner der Europäischen Union gehört.
Tausende Menschen in den Ostseeländern fordern mit der Petition von ihren Vertretern in Brüssel die Förderung von Öl und Gas in der empfindlichen Ostee zu unterbinden. CCB verbindet die Umweltverbände um die gesamte Ostsee.