BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.
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Öl- und Gasförderung gefährdet Usedoms Küstennatur

12. November 2025 | BUND, Meere, Ostsee

BUND warnt auf Veranstaltung der Touristiker in Heringsdorf Podiumsdiskussion zum 13. Touristiker Talk in Heringsdorf am 12.11.2025, 14:00 Uhr Liehrstraße 11, 17424 Seebad Heringsdorf, Insel Usedom

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt vor der geplanten Förderung von Erdöl und Erdgas in der Ostsee vor Usedom/Wollin. Die Erkundungsfelder der kanadischen Bergbaugesellschaft CEP liegen in Flachwassergebieten direkt vor der Bäderküste. Selbst kleine Störfälle bei der Ölförderung sind in der flachen und austauscharmen Ostsee schwerwiegend. Die Öl- und Gasförderung gefährdet wichtige Meeresschutzgebiete wie die Oderbank als größte Sandbank der deutschen Ostsee. Sie hat überragende Bedeutung für den von Aussterben bedrohten Schweinswal der östlichen Ostsee. Eine länderübergreifende Verträglichkeitsprüfung für das Vorhaben wurde bisher nicht durchgeführt. 

Meeresbiologin Pauline Damer vom BUND: „Nicht nur mögliche Havarien sind eine Gefahr. Auch im normalen Betrieb der Bohrplattformen werden Chemikalien eingesetzt und Prozesswasser wird ins Meer geleitet. Schiffsverkehr oder Pipelines für den Transport der Rohstoffe stören zusätzlich. Aber das Meeresschutzgebiet im Öl- und Gasfördergebiet ist ein bedeutender Nahrungsgrund für den Ostseehering. Aber auch andere Fische, wie z.B. der seltene Ostseeschnäpel sind durch Lärm, Rammungen und eingesetzte chemische Stoffe betroffen. Das reichhaltige Nahrungsangebot der Oderbank macht sie auch zum Rastplatz für bis zu einer halben Million Meeresenten. Erhebliche Störungen des sensiblen Lebensraumes sind wahrscheinlich schon durch die von der polnischen Genehmigung gestatteten seismischen Untersuchungen zur Erkundung der Erdöl- und Erdgaslagerstätte im Sommer 2025 entstanden. Die dabei eingesetzten Schallkanonen schädigen Meeressäuger und die Orientierung von Fischen und anderen Meerestieren.“

Der BUND sieht durch die geplante Öl- und Gasförderung Verstöße gegen geltende Umweltkonventionen der EU. Die erforderliche Beteiligung der Nachbarländer für das Öl- und Gasfördervorhaben ist bisher unterblieben. Der BUND hat gemeinsam mit dem internationalen Netzwerk der Umweltverbände im Ostseeraum „Coalition Cleen Baltic“ und der Bürgerinitiative „Lebensraum Vorpommern“ eine Petitionan den Europäischen Petitionsausschuss und an die Helsinki-Kommission zum Schutz der Ostsee gestartet. Ziel der Petition ist es, die Öl- und Gasförderung in der Ostsee grundsätzlich zu untersagen und die jetzt geplante neue Öl- und Gasförderung in der Pommerschen Bucht der Ostsee vor Usedom und Wollin zu stoppen. Die Petition wurde bisher von 87.000 Menschen aus ganz Europa und besonders aus den Ostseeanrainerstaaten unterzeichnet. 

Der BUND MV arbeitet eng mit der Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern zusammen. Rainer Sauerwein, Vorstand der Bürgerinitiative, betont, dass das Ölfeld vor Wollin zwar das größte Ölfeld Polens ist, aber den Ölverbrauch Polens nur für 8 Monate garantieren würde. „Das Ölfeld behebt also nicht die starke Abhängigkeit Polens von Energieimporten. Anbetracht des marginalen Beitrags zur polnischen Energieversorgung, der geringen Nachhaltigkeit dieses fossilen Projektes, der potenziellen immensen Umweltschäden für die Pommersche Bucht der Ostsee, der beachtlichen Klimaschädlichkeit, wirkt so ein Vorhaben in Europa wie aus der Zeit gefallen“, so Rainer Sauerwein von der Bürgerinitiative Vorpommern. 

 

Hintergrund

Die Konzession des Staates Polen für das Unternehmen CEP wurde 2017 erteilt und läuft nach 10 Jahren aus. Im Sommer 2025 begann CEP ohne weitere Ankündigungen oder Einbeziehung Deutschlands mit den Erkundungsbohrungen auf polnischer Seite im Flachwassergebiet vor Heringsdorf/Swinemünde. Ob das Rohstoffvorkommen mit den Lagerstätten vor Usedom an der deutschen Ostseeküste zusammenhängt, ob wasserführende Süßwasserschichten unter dem Meeresboden betroffen sind, ist unbekannt. Untersuchungen wurden nicht vorgelegt. 

Das Erdgas unter dem Meeresboden kann nur mit sogenannter ´Stimulierung` gefördert werden. Dabei werden mit chemischen Stoffen angereicherte Flüssigkeiten eingesetzt, die das Gas aus den Gesteinsschichten pressen sollen. Es ist auch bekannt, dass bei den Bohrprozessen für die Ölförderung im Meer Chemikalien eingesetzt werden. Prozesswasser aus der Ölförderung wird bisher standardmäßig ins Meer geleitet. In der Nordsee gelangen pro Jahr 4.000 bis 6.000 Tonnen Öl aus der Ölförderung ins Meer und tausende Tonnen Chemikalien durch Störfälle. Explosionen mit schwerwiegenden Blow-Outs von Erdöl stellen in der Ostsee auf Grund der geringen Wassertiefe und des langsamen Wasseraustauschs eine noch größere Gefahr dar.

Die Ostseeanrainerstaaten haben sich in der HELSINKI-Konvention auf einen gemeinschaftlichen Schutz der Meeresnatur geeinigt. Gemeinsam ist ein Aktionsplan (Baltic Sea Action Plan – BSAP) aufgesetzt worden, dessen Ziel u.a. eine von Schadstoffen unbelastete Ostsee ist. 

Die Pommersche Bucht mit der Oderbank ist ein NATURA 2000 Gebiet der Europäischen Union. Das Meeresschutzgebiet ist für Meeresvögel, Meeressäugtiere und Fische eingerichtet worden. Die überragende Bedeutung für den von Aussterben bedrohten Schweinswal der östlichen Ostsee bestand bisher in der relativen Ruhe und der Nahrungsverfügbarkeit für die kleinen Wale. Die Population des östlichen Ostseeschweinswals ist auf wenige Hundert Tiere geschrumpft. Störungen durch die geplante Öl- und Gasförderung summieren sich mit dem geplanten Containerterminal Swinemünde. Dafür sollen über 70 Kilometer langen Baggerungen für die Zufahrt erfolgen. Auch für dieses Vorhaben ist eine länderübergreifende Umweltuntersuchung und Abstimmung zwischen Deutschland und Polen fehlen bisher nicht erfolgt.

Die Erschließung neuer fossiler Energiequellen steht der Verpflichtung der EU-Staaten im Klimaschutzabkommen entgegen. Aktuelle Studien belegen, dass das 1,5 Grad Höchst-Ziel für die Erderwärmung trotz aller Maßnahmen nicht gehalten werden kann, wenn neue Quellen erschlossen und Rohstoffe verbrannt werden.

Zur Petitionan den Europäischen Petitionsausschuss und an die Helsinki-Kommission zum Schutz der Ostsee

Für Rückfragen: 

Vor Ort: Pauline Damer, BUND MV, Tel. 0162-8333085; pauline.damer(at)bund-mv.de

Vor Ort: Dr. Rainer Sauerwein, Vorstand BI Lebensraum Vorpommern, Mobile 0152-53670823, rainer.sauerwein(at)online.de

Corinna Cwielag, BUND M-V, 0178 5654700, corinna.cwielag(at)bund-mv.de

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