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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Klasse und Masse in der Schweinehaltung?

28. Mai 2015

„Die Bilder zeigen nicht, welchen Preis die Tiere, die Umweltgüter und letztlich auch die Menschen für die industrielle Massentierhaltung zahlen. Klasse und Masse geht in der Nutztierhaltung nicht“, das ist die Einschätzung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf die Frage, die am Montag, den 1.Juni 2015 in Agrarfakultät der Universität Rostock auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion anlässlich der Fotoausstellung des Bauernverbandes zur Schweinehaltung in Deutschland gestellt werden soll.


BUND Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag sagt: „Je größer die Tierbestände werden, desto größer werden nachweislich die Umweltprobleme und die Gesundheitsprobleme für die Tiere. Besonders die Großanlagen mit zehntausenden Schweinen und hunderttausenden Hähnchen belasten die Umwelt durch enorme Ammoniak- und Stickstoffimmissionen. Die kritischen Belastungsschwellen für eutrophierenden Stickstoff sind auf dreiviertel der gesamten Fläche empfindlicher Ökosysteme in Deutschland überschritten. Besonders drastische Probleme, zum Beispiel für das Grundwasser, gibt es auf empfindlichen Böden mit intensiver Tierhaltung. Es ist vom Umweltbundesamt nachgewiesen, dass die Nitratwerte im Grundwasser in der Nähe Massentierhaltungsanlagen steigen. Die Folgen von Großanlagen und Konzentration auf Masse in der Tierhaltung sind erhebliche Probleme für die Gewässer, die Grundwasserreserven und für unser Trinkwasser. Wir stellen das in zahlreichen Planungsverfahren für Massentierhaltungs­anlagen in Mecklenburg-Vorpommern fest. Dennoch werden sie genehmigt.“


Fast alle Schweine in Großanlagen, die auf Masse ausgelegt sind, werden auf hartem Beton gehalten. Schlachthofuntersuchungen haben gezeigt, dass neun von zehn Schweinen dadurch schmerzhafte Fehlbildungen entwickeln. Sauen dürfen noch immer 6 Monate im Jahr in Kastenständen gehalten werden und werden es auch.

„Das ist keine Klasse. Da helfen auch scheinbar problemlose Fotos süßer Ferkel nicht.“ sagt Corinna Cwielag vom BUND. „Den Preis für die Masse zahlen die Tiere. Wenn zum Beispiel Sauen so gezüchtet und stimuliert werden, dass sie bis zu 18 Ferkel werfen, obwohl sie nur 14 Zitzen haben, bleiben fast zwangsläufig Ferkel auf der Strecke. Wenn dann Sauen gezüchtet werden, die mehr Zitzen haben, wird es schon im Uterus für die Ferkel zu eng. Ein Problem sehen wir in dem Zusammenhang auch in dem rechtswidrigen Ferkeltötungserlass des Landes.“


Durch die Großbestände seien kranke Tiere zudem nur schwer einzeln zu behandeln. Es gäbe nachweislich mehr Antibiotikaeinsatz in Massentierhaltungsanlagen als in bäuerlichen und Bio-Haltungen, so der BUND. Laut Umweltbundesamt werden immer noch zwei-bis dreimal so viele Antibiotika für die Tierhaltung abgegeben, wie in der Humanmedizin. Dabei werden neuerdings verstärkt Breitbandantibiotika genutzt, die weniger oft eingesetzt werden müssen aber längere Wirkung haben. Das Umweltbundesamt hat in seinen aktuellen Studien nachgewiesen, dass Antibiotika und Antiparasitika aus Massentierhaltungsanlagen in das Grundwasser vordringen können. „Über die Abluft der Anlagen erreichen sie auch die Anwohner. Deshalb werden im Emsland schon seit Jahren Keimgutachten gefordert, in Mecklenburg-Vorpommern nicht. Das Problem ist aber weder mit Gutachten noch mit Technik zu lösen, sondern einzig mit einer an die Tiere angepassten Haltungsweise mit Einstreu und Auslauf und mit klaren Bestandesobergrenzen. Das wird von tausenden Bio-Haltern in Deutschland täglich als machbar bewiesen. Dabei muß keinem Schwein der Ringelschwanz amputiert werden, der untrüglicher Anzeiger für sein Befinden ist. Dazu sollte es Ausstellungen und Ausbildung geben – besonders in Mecklenburg-Vorpommern.“ sagt Corinna Cwielag, vom BUND.


Die Fotoausstellung „Schweine“ mit 18 Fotografien, aus der konventionellen Schweinehaltung in Deutschland wird am Montag, 01.Juni 2015 um 16:30 in Foyer des Großen Hörsaals der Agrarfakultät der Universität Rostock im Justus-von-Liebig-Weg 8 in Rostock eröffnet.


Um 17:00 wird unter dem Motto „Schweine - Masse und Klasse?!“ eine öffentliche Podiumsdiskussion mit dem Staatssekretär für Landwirtschaft und Umwelt und Verbraucherschutz M-V, Dr. Peter Sanftleben, dem Präsidenten des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Rainer Tietböhl, Dr. Kathrin Naumann, Landwirtin und Schweineproduzentin aus Benitz vom Agrarbetrieb Groß Grenz sowie der Landesgeschäftsführerin des BUND, Corinna Cwielag, der Vorsitzenden des Tierschutzbundes Mecklenburg-Vorpommern, Kerstin Lenz und Ulrich Ketelhodt, Fachreferent der Nordkirche für Landwirtschaft und Ernährung stattfinden.


 

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