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Mecklenburg-Vorpommern e.V.
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Hohes Risiko durch Öl- und Gasförderung

03. Oktober 2025 | Flüsse & Gewässer, Meeresschutz, Ostsee, Meere, BUND

Petition startet / BUND fordert EU auf Öl- und Gasförderung in der Ostsee zu verbieten

Pommersche Bucht mit Oderbank ist Lebensraum für Schweinswal und Rastplatz für tausende Meeresenten / Neue Gas- und Ölförderungen gegen alle Vernunft.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) startet gemeinsam mit dem internationalen Netzwerk der Umweltverbände im Ostseeraum „Coalition Clean Baltic“ und der Bürgerinitiative „Lebensraum Vorpommern“ eine Petition an den Europäischen Petitionsausschuss mit der Aufforderung, Öl- und Gasförderung in der Ostsee grundsätzlich zu untersagen. Der Anlass ist die jetzt geplante neue Öl- und Gasförderung in der Pommerschen Bucht der Ostsee vor Usedom und Wollin.

Zur Öl- und Gasförderung aus dem Gestein unter dem Meeresboden müssen Chemikalien und Frackingtechniken zur „Stimulation“ eingesetzt werden. Tausende Meeresvögel, hochgradig gefährdete Schweinswale, Ostsee-Robben und Fische sind durch die Vorhaben bedroht. „Selbst kleine Störfälle sind in der flachen und austauscharmen Ostsee schwerwiegend. Explosionen mit Blow-Outs von Erdöl stellen eine permanente Gefahr dar. Die Süßwasservorkommen unter dem Meeresboden sind durch die Stimulierungen ebenfalls in Gefahr. Auf Usedom ist die Tourismusbranche seit den Erkundungsbohrungen im Juli und August 2025 alarmiert“, sagt BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag.

Es sei gegen alle Vernunft neue Quellen für Öl und Gas auszubeuten, so der BUND. „Die Zeit läuft und das Budget für die menschengemachte CO2 Produktion ist schon lange überschritten. Neue Gas- oder Ölförderungen stehen den Klimaschutzzielen komplett entgegen“, sagt Corinna Cwielag vom BUND.

Die Petition ist ab dem 3.Oktober 2025, 10 Uhr online zu zeichnen und wird vom BUND landesund bundesweit und mit den internationalen Partnern im gesamten Ostseegebiet verbreitet.

Hintergrund:

Die Pommersche Bucht mit der Oderbank ist ein NATURA 2000 Gebiet der Europäischen Union. Die Oderbank hat als größte Sandbank der deutschen Ostsee überragende Bedeutung für den von Aussterben bedrohten Schweinswal der östlichen Ostsee. Das Naturschutzgebiet ist bedeutender Nahrungsgrund für den Ostseehering und mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot Rastplatz für bis zu einer halben Million Meeresenten. Auch Fische wie der Hering und der seltene Ostseeschnäpel sind durch Lärm, Rammungen und eingesetzte chemische Stoffe betroffen. Erhebliche Störungen sind wahrscheinlich schon durch die von der polnischen Genehmigung gestatteten seismischen Untersuchungen zur Erkundung der Erdöl- und Erdgaslagerstätte entstanden. Die dabei eingesetzten Schallkanonen schädigen Meeressäuger und die Orientierung von Fischen und anderen Meerestieren.

Erdgas unter dem Meeresboden kann nur mit sogenannter ´Stimulierung` gefördert werden. Dabei werden mit chemischen Stoffen angereicherte Flüssigkeiten eingesetzt, die das Gas aus den Gesteinsschichten pressen sollen. Es ist auch bekannt, dass bei den Bohrprozessen für die Ölförderung im Meer Chemikalien eingesetzt werden. Selbst kleine Störfälle sind in der flachen und austauscharmen Ostsee schwerwiegend. In der Nordsee gelangen pro Jahr 4.000 bis 6.000 Tonnen Öl aus der Ölförderung ins Meer und tausende Tonnen Chemikalien durch Störfälle. Explosionen mit schwerwiegenden Blow-Outs von Erdöl stellen in der Ostsee eine noch größere Gefahr dar.

Zusätzlich zu der Zerstörung der NATURA 2000 Flächen durch den geplanten Containerterminal Swinemünde mit über 70 Kilometer langen Baggerungen für eine Zufahrt mit 17 m Tiefe würde eine Öl- und Gasförderung auch ohne Havarien den Zustand des Meeresraumes verschlechtern.

Eine länderübergreifende Umweltuntersuchung und Abstimmung zwischen Deutschland und Polen zu diesem Förderprojekt fehlen bisher.

Eine Förderung von Öl und Gas in der Ostsee ist auch klimapolitisch unvertretbar.

Für Rückfragen: Corinna Cwielag, BUND M-V, 0178 5654700,

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