Steckbrief: Fischotter
Der Fischotter ist als zweitgrößter heimischer Marder ausgezeichnet an den Lebensraum Wasser angepasst. In Mecklenburg-Vorpommern findet der gewandte Schwimmer noch verhältnismäßig viele intakte Lebensräume, doch leider mangelt es auch hier nicht an Gefahren.
Auf den folgenden Seiten wird einerseits der Fischotter mit seinen Eigenschaften und Eigenarten vorgestellt und andererseits beschrieben, aus welchen Gründen er nach wie vor bedroht ist. Zudem werden Lösungswege aufgezeigt, die eine Verbesserung der Lebensraumqualität des Wassermarders ermöglichen.
Anatomie des Europäischen Fischotters (Lutra lutra)
Der Fischotter gehört zur Familie der Marder. Sein Fell ist einheitlich mittelbraun, nur an der Brust, Hals und Wangen befinden sich unterschiedlich ausgeprägte graue, weiße oder gelbe Partien. Der Otter ist hervorragend an das Leben im Wasser angepasst: Sein Körper ist stromlinienförmig und das Fell mit ca. 50.000 Haaren pro cm2 sehr dicht, wasserabweisend und vor Kälte isolierend. Die Ohren und die Nase des Fischotters sind beim Tauchen verschließbar; die Zehen der Füße sind durch Schwimmhäute verbunden. In der Regel wiegt ein ausgewachsener Otter etwa 7-12 kg und misst ca. 110 - 130 cm von der Nasen- bis zur Schwanzspitze, wovon etwa 40 cm auf den Schwanz entfallen. Fischotter können ca. 15 Jahre alt werden.
Nahrung
Das Nahrungsspektrum ist saisonal und regional schwankend; je nach Nahrungsangebot werden vor allem Fische, Krebse, Amphibien, Vögel und Kleinsäuger gefressen. Dabei folgen Fischotter dem Prinzip der „leichten Erbeutbarkeit“, d.h. vorrangig werden kranke und schwache Tiere gejagt (AGSSLMV 2004). In den Wintermonaten leidet er oftmals unter Nahrungsmangel und hält in störungsfreien Gebieten einzelne Eislöcher offen, um dort Fische zu jagen.
Wie alle Beutegreifer sorgt der Fischotter durch sein Jagdverhalten in natürlichen Lebensgemeinschaften für die Gesunderhaltung des Bestandes und erhält das natürliche Gleichgewicht aufrecht.
Lebensraum
Das bevorzugte Revier des Fischotters sind durch Kleingewässer vernetzte Flüsse oder Seen. Ein Fischotterpaar benötigt annähernd 7-10 Kilometer entlang einer stehenden Gewässerfläche oder 20 Kilometer Flusslänge mit den dazugehörigen Nebengewässern als Lebensraum. Die Ufer der Gewässer müssen breite Röhrichtzonen oder Gehölzbestände aufweisen, die ihm Deckung und Möglichkeiten zur Anlage seiner Baue bieten. Auch ruhige Sonnenplätze dürfen im Revier nicht fehlen.
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Vorkommen des Fischotters
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Eurasischen Fischotters (Lutra lutra LINNAEUS, 1958) erstreckt sich über den gesamten europäischen Kontinent, über Teile von Vorderasien bis nach Sibirien sowie Ost- und Südostasien. Auch in Nord-Afrika und im Nahen Osten kommt diese Otterart vor. Innerhalb seines Verbreitungsgebietes ist der Fischotter jedoch in vielen Regionen bedroht oder fehlt ganz. Auffällig ist die große „Verbreitungslücke“ in den Industrienationen Mitteleuropas.
In der Roten Liste von Deutschland 1998 galt der Eurasische Fischotter noch als vom Aussterben bedrohte Art (Kategorie 1). Seine Bestände waren bis dahin langfristig sehr stark zurückgegangen. In der aktuellen Roten Liste von 2009 wird der Eurasische Fischotter in die Kategorie 3 („gefährdet“) eingeordnet (Haupt, H. et al. 2009). Für diese deutliche Bestandserholung werden Naturschutzmaßnahmen verantwortlich gemacht.
Trotz einer langsamen Wiederausbreitung und stabiler Bestände v.a. in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen und zum Teil auch in Schleswig-Holstein und Bayern muss der Fischotter bundesweit aber immer noch als „sehr seltene“ Art eingestuft werden. Vor allem diese sechs Bundesländer sind somit von besonderer Bedeutung für das Überleben des Fischotters in Mitteleuropa. Um die Bestände weiter zu stabilisieren und ihre Erweiterung zu fördern, ist die Fortführung geeigneter Schutz- und Hilfsmaßnahmen auf lange Sicht erforderlich.
Lebensweise
Aufgrund seiner nächtlichen Lebensweise ist der Fischotter nur selten zu beobachten, am ehesten in der Abenddämmerung oder am frühen Morgen. Die Baue werden bevorzugt im Wurzelbereich unmittelbar an der Wasserlinie stehender Bäume angelegt und dienen dem Otter als Schlafplatz und Kinderstube.
Den größten Teil des Jahres leben sowohl Männchen als auch Weibchen einzeln in einem intensiv markierten Revier. Selbst während der Paarungszeit bleiben sie nur kurz zusammen. Es gibt keine festen Paarungszeiten, so dass man zu allen Jahreszeiten Jungtiere finden kann. Die jeweils 1-3 Jungtiere pro Wurf bleiben bis zu 18 Monate zusammen mit der Mutter im Familienverband. Das Sozialleben - und dabei besonders der Spieltrieb - ist beim Fischotter bis ins hohe Alter stark ausgeprägt. Die Lautäußerungen reichen von Schnauben, Knurren und Pfeifen bis zum scharfen Keckern und Kreischen.
Bei Wanderungen nutzen Fischotter ständig dieselben Wege, so genannte "Ottersteige", die über Generationen vererbt werden.
Spuren
- Trittspuren: 5 nach vorn gerichtete Zehen, die mit Schwimmhäuten verbunden sind, Breite: 5-7 cm, Länge 6-12 cm
- Rutschbahnen in die Gewässer sind als körperbreite Furchen an Böschungen im Schnee besonders gut zu erkennen
- Kot (Losung) wird als Markierung oft erhöht abgesetzt (z.B. Sandhügel). Es kann sich um schwarzes "Otterpech" oder 1 cm starke, 10 cm lange Kotwalzen handeln, die Fischschuppen, Gräten, Haare, Federn, Lurchreste, Teile von Insekten und Krebsen enthalten und nach Fischtran riechen
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Gefährdung
Der Grundstein für den bedrohlichen Rückgang der Fischotterbestände wurde wahrscheinlich in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg gelegt. Als vermeintliche Fischräuber und damit Nahrungskonkurrenten des Menschen und wegen ihres dichten Felles wurden die Fischotter verfolgt und in Europa fast bis an den Rand der Ausrottung gebracht. In der heutigen Zeit sind Fischotter vor allem durch die Zerstörung oder Zerschneidung von noch strukturreichen, naturnahen und miteinander vernetzten Lebensräumen gefährdet. Beispiele sind hier Gewässerbegradigungen, Uferbebauungen, der Ausbau und die Intensivierung des Straßenverkehrs und die Schadstoffeinträge in Gewässer. Letzteres kann für die Otter eine Nahrungsverknappung durch Fischsterben und Sichtbehinderungen bei der Jagd bedeuten.
Für zusätzliche Verluste bei den Fischottern ist die Reusenfischerei verantwortlich, solange mit Fanggeräten gearbeitet wird, aus denen sich die Tiere nicht mehr befreien können und ertrinken. Früher wurden meist Reusen aus Hanf verwendet, das der Otter zur Not zerreißen konnte. Die Plastik- bzw. Nylonschnüre, die heutzutage zum Einsatz kommen, sind zwar billiger, lassen dem Fischotter aber keinerlei Fluchtmöglichkeit, da er sie nicht durchtrennen kann. Auch die zunehmende Belastung der Seen und Flüsse durch den Bootsverkehr und verstärkten Angelsport beeinträchtigen die Fischotter in ihrer Lebensweise.
In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der in Deutschland tot aufgefundenen Otter stetig angestiegen (Reuther, C. 2002). Auch die im Rückland der Mecklenburger Seenplatte vom BUND-Arbeitskreis Fischotterschutz kartierten Totfunde zeigen einen deutlichen Anstieg bis 2000/2001. Seit 2002 ist deren Anzahl rückläufig. Unklar ist und bleibt, wie hoch die Dunkelziffer der nicht aufgefundenen toten Fischotter ist.
Beschreibung der Kategorie 3 in der Roten Liste Dtl. 2008 nach Haupt et al., in die der Fischotter eingestuft wurde:
„Kategorie 3 (gefährdet), d.h. Arten, die merklich zurückgegangen o d e r durch laufende bzw. absehbare menschliche Einwirkungen bedroht sind. Wird die aktuelle Gefährdung der Art nicht abgewendet, rückt sie voraussichtlich in die Kategorie „Stark gefährdet“ auf. Die Bestände dieser Arten sind durch geeignete Schutz- und Hilfsmaßnahmen zu stabilisieren, möglichst aber zu vergrößern. Dies gilt insbesondere dann, wenn im Bezugsraum eine besondere Verantwortlichkeit für die weltweite Erhaltung der betreffenden Art besteht. Diese Arten haben deutliche Bestandsverluste in großen Teilen des Bezugsraumes zu verzeichnen. Wenn Gefährdungsfaktoren und –ursachen weiterhin einwirken und Schutz- und Hilfsmaßnahmen nicht unternommen werden bzw. wegfallen, kann dies das lokale Erlöschen der Art zur Folge haben.“
Schutzmaßnahmen
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Erhaltung natürlicher Feuchtgebiete (z.B. Großseggenwiesen, Erlenbrüche) mäandrierender Wasserläufe und Stillgewässer mit naturnahen Uferbereichen mit Gehölzen und Röhrichten
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die Gewässerentkrautung muss anstelle von Herbizideinsätzen biotechnisch oder mechanisch durchgeführt werden
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Reduzierung der Gewässerbelastung durch Abwasser und Düngereintrag
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Schaffung geeigneter Querungshilfen, z.B. durch fischotterfreundliche Durchlässe
Fischotterschutz des BUND
Der BUND setzt sich für den Schutz und die Erforschung des Fischotters und seines Lebensraumes in ganz Deutschland ein.
Der Arbeitskreis Fischotterschutz des BUND Neubrandenburg wurde 1993 gegründet und gehört inzwischen mit über 600 Mitarbeitern zu den größten Vereinigungen zum Schutz des Otters in Deutschland. Bereits ein Jahr später, 1994, konnte der Grundstein für das Projekt „Brücken für den Fischotter“ gelegt werden. Hauptanliegen des Projektes war es, die Ursachen für die zahlreichen verkehrsbedingten Todesfälle beim Fischotter zu untersuchen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Im Auftrag des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur Neubrandenburg wurde eine flächendeckende Erfassung der Brücken und Durchlässe (Querungen) im Rückland der Mecklenburger Seenplatte durchgeführt. Mit diesen Untersuchungen wurde festgestellt, wie hoch der Anteil otterfreundlicher („passierbarer“) und otterfeindlicher Querungen ist. Im Laufe der folgenden Jahre wurden in Mecklenburg-Vorpommern auf einer Fläche von fast 7000 km² über 1400 Brücken untersucht. Die Bilanz war mehr als erschreckend, denn nur 15 % der untersuchten Brücken und Querungen waren ottertauglich, d.h. für den Otter passierbar, ohne dass er eine Straße überqueren muss.
Durch eine enge Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden, Planungsbüros und Bauunternehmen konnten eine Vielzahl von Brücken neu -, oder umgestaltet werden, so dass der Otter wieder gefahrloser wandern kann.
Am 1. Juli 2007 begann das aktuelle Fischotter-Projekt des BUND Neubrandenburg. Darin werden weitere Brücken auf ihre Durchlässigkeit für den Fischotter untersucht und die bisherige großflächige Erfassung des Fischottervorkommens in Mecklenburg-Vorpommern fortgeführt (Ottermonitoring). Außerdem werden ein neues Faltblatt zum Vorkommen und zur Lebensweise des Fischotters in der Mecklenburgischen Seenplatte herausgegeben und eine Wanderausstellung zum Fischotter entwickelt.
Sie können helfen!
Melden Sie Hinweise auf Fischotter an das BUND-Büro weiter!
BUND Neubrandenburg e.V., AK Fischotterschutz
Friedländer Str. 12, 17033 Neubrandenburg
Tel.: 0395 - 5666 512
Internet: www.bund-neubrandenburg.de
e-Mail: info[at]bund-neubrandenburg.de
Mit einer Spende unterstützen Sie unser Fischotter-Projekt:
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V.
Sparkasse Mecklenburg-Schwerin
Stichwort: Arbeitskreis Fischotterschutz
BLZ 140 52 000
Kto.-Nr. 370033370
Spendenbescheinigung möglich!
Quellen:
- AGSSLMV (Arbeitsgruppe semiaquatische Säugetiere des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Hrsg.) (2004): Empfehlungen zum Schutz des Fischotters und seines Lebensraums in Mecklenburg-Vorpommern
- Haupt, H. et al. (2009): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 1: Wirbeltiere.
- Naturschutz und Biologische Vielfalt Heft 70 (1). Hrsg. Bundesamt für Naturschutz Bonn-Bad Godesberg
- Reuther, C. (2002): Otters and Fyke nets – Some aspects which need further attention, IUCN Otter Spec. Group Bull. 19 (1); Sommer et al. (2005): Daten zur Populationsökologie des Fischotters Lutra lutra (Linnaeus, 1758) in Mecklenburg-Vorpommern, Beiträge zur Jagd- und Wildforschung, Bd. 30 (2005), S. 253-271
Termine:
- 09.03.2026 Nähabend
- 10.03.2026 Infoveranstaltung: Bau der B96 - wie weiter?
- 21.03.2026 Workshop zu Freiflächen-Solaranlagen
- 27.03.2026 - 29.03.2026 Eltern-Kind-Seminar: Knospenkinder
- 20.06.2026 Tag der Artenvielfalt