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Umweltschutz durch Wasserstoff? - BUND MV veröffentlicht Position zur Rolle von Wasserstoff im Land

01. September 2025 | BUND, Energie, Energiewende

Die effiziente Verwendung von Wasserstoff ist wichtig. Nutzung der Abwärme spielt eine große Rolle. Ausstieg aus Kohle und Gas haben Vorrang.

Schwerin. In die öffentliche Diskussion zur Rolle von Wasserstoff in der neuen Energiewirtschaft bringt sich der BUND Mecklenburg-Vorpommern (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) mit Einordnungen und Forderungen ein. Diese veröffentlicht der BUND jetzt in einem Positionspapier unter bund-mv.de/wasserstoff.

Während das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommerns Wasserstoff als Energieträger der Zukunft bezeichnet, formuliert der BUND die Bedeutung zurückhaltender. Energieeinsparung und Energieeffizienz haben für den BUND Priorität, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien und den Bedarf an Wasserstoff auf ein natur- und umweltverträgliches Maß zu begrenzen. Wasserstoff sei zwar ein Speichermedium für Energie und in einer Wirtschaft mit 100 % erneuerbaren Energien notwendig. Doch wegen der Umwandlungsverluste werde er zu Recht als teurer und seltener „Champagner der Energiewende“ bezeichnet. Die direkte Nutzung von Strom müsse Vorrang vor Wasserstoff haben, so der BUND.

Effiziente Verwendung

Wasserstoff sollte nur da genutzt werden, wo dieser Energieträger alternativlos ist, z.B. weil hohe Temperaturen benötigt werden wie in der Stahl- und Zementproduktion. Eine Voraussetzung für eine nachhaltige Wirtschaft bleibt für den BUND auch bei Wasserstoff-Nutzung, dass der Verbrauch der energieintensiven Materialien reduziert wird. Das sei möglich durch Suffizienz, kluge Kreislaufwirtschaft sowie Einsatz anderer Materialien wie Rohstoffe aus Paludi-Kulturen.

„Dezentrale Wasserstoffnetze zur Versorgung von Heizungen für Einzelgebäude wären ineffizient. In der Wärmeplanung für Kommunen spielt der Wasserstoff trotzdem eine wichtige Rolle. Kommunen mit Fernwärmenetzen sollten Wasserstoff-Produktion mit Abwärmenutzung und Wasserstoff-Verbrauch als saisonal notwendiges Speichermedium nutzen,“ empfiehlt Susanne Schumacher vom Arbeitskreis Klima und Energie des BUND MV.

Im Straßenverkehr ist die Technik bereits so weit fortgeschritten, dass selbst LKWs im Fernverkehr, Reisebusse und Regionalbahnen auf nichtelektrifizierten Strecken effizienter mit Strom aus Akkus betrieben werden können als mit Wasserstoff. Zur Veranschaulichung eines ineffizienten Einsatzes rechnet der BUND vor: Für einen Wasserstoff-PKW müssen 55 kWh Strom erzeugt werden, um den nötigen Wasserstoff für 100 km Strecke produzieren zu können. Für einen PKW mit synthetischem Treibstoff sogar 125 kWh Strom. Ein Elektro-PKW braucht hingegen nur etwa 20 kWh Strom auf 100 km. Der BUND macht die Konsequenz für den Verbrauch der Landschaft deutlich. Der Bedarf an Windenergieanlagen an Land und im Meer würde je nach genutzter Technologie massiv ansteigen.

Nachhaltige Produktion

Der BUND fordert, den Fokus auf den Ausstieg aus Kohle und Gas zu legen, um die Treibhausgas-Emissionen schnell und drastisch zu reduzieren. Klar sei, dass der BUND nur sogenannten grünen Wasserstoff befürwortet, bei dessen Erzeugung und Rückverstromung die Abwärme genutzt wird. Ebenso fordert der BUND die Einhaltung sozialer und ökologischer Kriterien, insbesondere wenn Wasserstoff importiert wird. 

Rund ein Drittel der Energie fällt bei der Wasserstoff-Produktion als Abwärme an. Der BUND warnt davor, diese zusätzliche Wärme in die Umgebung oder gar Gewässer abzugeben. Zur Schonung der Wasserressourcen fordert er eine Trockenkühlung mit Luft, die den Wasserbedarf weitgehend auf den Bedarf für den Produktionsprozess beschränkt. Bei einer 100 MW-Elektrolyseanlage würde sonst allein durch die Kühlung ein Wasserverbrauch von über 200.000 m³ entstehen.

Bei der Herstellung von 1 kg Wasserstoff werden für den Produktionsprozess rund 10 Liter Reinstwasser verbraucht. Hinzu kommt Wasser, dass für die Aufbereitung zu Reinstwassers erforderlich ist. Eine Elektrolyseur-Leistung von 3.000 MW, wie in Lubmin zeitweilig angedacht, würde damit so viel Wasser verbrauchen, wie 30.000 Personen. Darum sollten laut BUND Standorte für Elektrolyseure danach ausgewählt werden, wo ausreichend Strom zur Verfügung steht, die Abwärme sinnvoll genutzt werden kann, ausreichend Wasser zur Verfügung steht, vor Netzengpässen das Stromnetz entlastet werden muss und wo Stadtwerke damit den Erdgasvertrieb bzw. Betrieb von Erdgas-Heizkraftwerken auslaufen lassen können.

„Wir hoffen, dass unsere Argumente von Projektierenden, Investierenden, Verwaltung und Politik der verschiedenen Ebenen einbezogen werden. Dann können Fehlentwicklungen wie übertriebene Investitionen, stranded investments, Lock-In-Effekte oder auch fehlende Investitionen an den notwendigen Stellen noch vermieden werden,“ sagt Susanne Schumacher. In einem Punkt sind sich Landesregierung und BUND MV einig: Wasserstoff ist ein Zukunftsthema für MV.

 

Hintergrund

Die Farbenlehre des Wasserstoffs unterscheidet neun verschiedene Produktionsverfahren für Wasserstoff. Der als grün bezeichnete Wasserstoff wird vollständig aus Erneuerbaren Energien hergestellt und ist damit die einzige nachhaltige Option. Dabei wird vorwiegend Strom aus Sonne und Wind in Elektrolyseuren genutzt, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten. Rund ein Drittel der Energie fällt in dem Prozess als Abwärme an. Diese Abwärme kann sinnvoll z.B. in Fernwärmenetzen genutzt werden. Die Abwärme einer 1.000 MW-Elektrolyseanlage würde ausreichen, um den Wärmebedarf des größten Wärmenetzes in MV, des Rostocker Fernwärmenetzes, zu decken.

Über den BUND MV

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist ein gemeinnütziger Verband, der sich seit fünfzig Jahren für den Schutz unserer Natur und Umwelt einsetzt - damit die Erde für alle, die auf ihr leben, bewohnbar bleibt. Dazu gehört auch, auf Lösungen hinzuwirken, wie sich die menschliche Zivilisation positiv entwickeln kann, ohne dauerhaft die natürlichen Systeme zu schädigen. In dem Landesverband Mecklenburg-Vorpommern haben sich über 6.000 Einzelpersonen zusammengeschlossen, die durch ihren Mitgliedsbeitrag und ihr ehrenamtliches Engagement wirken. 

 

Mehr Informationen:

  • Landesverband Mecklenburg-Vorpommern BUND e.V.:

Wasserstoff als ein Baustein der Energiewende in Mecklenburg-Vorpommern. Position des BUND MV e.V., 2025

bund-mv.de/wasserstoff

  • Bundesverband BUND e.V.:

Standpunkt 15 - Wasserstoffstrategie, 2022

www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/bund/standpunkt/bund_wasserstoffstrategie_standpunkt.pdf   

  • Bundesverband BUND e.V.:

Leitlinien für die nachhaltige und klimaschützende Wasserstoffnutzung, 2020

www.bund-naturschutz.de/fileadmin/Bilder_und_Dokumente/Themen/Energiewende/Erneuerbare_Energien/BUND-Leitlinien-erneuerbare-Energien-Wasserstoff-Kurzinfo.pdf  

  • IKEM – Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.:

Wasserstoff – Farbenlehre. Rechtwissenschaftliche und rechtspolitische Kurzstudie, 2020

www.ikem.de/wp-content/uploads/2021/01/IKEM_Kurzstudie_Wasserstoff_Farbenlehre.pdf

 

Grafik:

Die anliegende Grafik kann für Veröffentlichungen im Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung kostenfrei unter Angabe der genutzt werden.

Quelle: BUND MV e.V. auf Basis Darstellung Heinrich-Böll-Stiftung

Bildunterschrift: Darstellung, wie viele PKW mit dem Strom einer Windkraftanlage in MV betrieben werden könnten - abhängig vom gewählten Antrieb.

 

Kontakt:

Susanne Schumacher, Sprecherin des Arbeitskreises Klima und Energie des BUND MV, Tel.: 0176 – 213 11 985, E-Mail: susanne.schumacher(at)bund.net

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