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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Über die Hälfte der Böden im Norden sind stark verdichtet!

09. April 2019

57% der Ackerkrumen und Unterböden sind im Land schadverdichtet / BUND fordert humusmehrende, bodenschonende Landbewirtschaftung und mehr Ökolandbau für mehr Bodenschutz

Foto: Helmut Süß

Aus Anlass der achtjährigen Wiederkehr des Massenunfalls auf der A19 weist der BUND auf die Gefährdung unserer Böden durch Schadverdichtung hin und fordert eine humusmehrende, bodenschonende Landbewirtschaftung und mehr Ökolandbau für mehr Bodenschutz.

Dr. Burkhard Roloff, Agrarexperte beim BUND erläutert die Dimension, die Ursachen und die Folgen der Bodenschadverdichtung: „Bodenschadverdichtungen können in der Ackerkrume, in der Krumenbasis und im Unterboden entstehen. Die Ursachen sind einerseits zu schwere landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge, die zu oft und häufig bei feuchten Bodenzuständen die Äcker befahren und anderseits durch den Mangel an organischer Substanz (Humus) sowie dem Rückgang der Biodiversität in den Böden, d.h. durch Humusverlust und weniger Bodenleben verdichten die Böden schneller. Dadurch werden Durchlüftung, Wasseraufnahme, -haltevermögen und –durchlässigkeit sowie die Durchwurzelbarkeit der Böden verringert, es entstehen Oberflächenabfluss und Bodenabtrag. Das kann zur Beeinträchtigung des Pflanzenwachstums führen und zu Mindererträgen von 5 bis 40%. Für die Ackerkrume sind in Mecklenburg-Vorpommern ca. 57 % der landwirtschaftlich genutzten Mineralböden potenziell erheblich bis sehr stark verdichtungsgefährdet. (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie, LUNG) Der Südwesten Mecklenburg-Vorpommerns weist fast nahezu flächendeckend eine sehr starke Verdichtungsgefährdung in der Ackerkrume auf. Für ca. 57 % der Unterböden der ackerbaulich genutzten Mineralstandorte von Mecklenburg-Vorpommern wird eine mittel bis sehr hohe potentielle Verdichtungsempfindlichkeit ausgewiesen.“

Roloff zu den dringenden Maßnahmen gegen Bodenverdichtung in der Praxis:„Wir brauchen eine humusmehrende, bodenschonende Landbewirtschaftung als ein kohärentes System von standortangepassten Maßnahmen wie die Schlageinteilung, die Anlage von mehrreihigen Feldhecken und die Herbst- bzw. Winter-Begrünung in einer weiten, vielfältigen Fruchtfolge. Die ausreichende Versorgung des Bodens mit organischem Material über Festmist bzw. Kompost oder Untersaaten und Zwischenfrüchte bringt genügend Kohlenstoff für den Humusaufbau in die Böden. Der Ökolandbau praktiziert das erfolgreich und trägt dadurch als Anbausystem nachweislich zum besseren Bodenschutz bei."

Roloff fordert mehr Ökolandbau im Land: „Der Ökolandbau trägt als praxiserprobtes Anbausystem mit vielfältigen Fruchtfolgen, humusbildender Düngung mit Mist und Kompost, sowie dem Anbau von Untersaaten, Zwischenfrüchten und Luft-Stickstoff-bindenden Pflanzen, wie Klee und Luzerne nachweislich zum besseren Bodenschutz bei. Mehr Ökolandbau heißt mehr Bodenschutz."

Hintergrund:

Vor acht Jahren, am Freitag, den 08.04.2011 gegen 12:30 Uhr geschah auf der A19 bei Kavelstorf der schlimmste Massenunfall in Mecklenburg-Vorpommern mit acht Toten und 131 Verletzten. 83 Fahrzeuge sind damals ineinander gerast, weil ein riesiger Sandsturm den Fahrzeugführern bei gleichzeitig unangepasster Geschwindigkeit die Sicht nahm.

Eine Bodenverdichtung wird dann zu einer Bodenschadverdichtung, wenn das Porensystem im Boden soweit verformt ist, dass die Versorgungsleistungen (Luft, Wasser) für den Pflanzenbestand und damit die Ertragsfähigkeit und Ertragssicherheit dauerhaft beeinträchtigt sind. Diese Gefügeänderung hat negative Auswirkungen auf die Produktionsfunktion (Ertrag, Kosten), die Regulationsfunktion (Puffer, Speicher und Leiter für Wasser, Sauerstoff, Nähr- und Schadstoffe) und auf die Lebensraumfunktion für Bodenorganismen. Des Weiteren wird die Wärmeleitfähigkeit beeinträchtigt und die Erosionsanfälligkeit erhöht.

Während Verdichtungen im Krumenbereich noch problemlos aufgelockert werden können, ist hierfür an der Krumenbasis bereits erheblicher Aufwand nötig (Tiefenlockerung). Der Ausgangszustand des Bodens lässt sich jedoch nicht wieder herstellen. Unterbodenverdichtungen sind gänzlich irreversibel und sind daher als besonders kritisch zu betrachten.

Für die Ackerkrume werden 0,3 % der Standorte als gering, 43 % als mäßig, 17 % als erheblich, 9 % als stark und 31 % als sehr stark verdichtungsgefährdet eingestuft.

Für die Unterböden wurden 37 % als potentiell sehr gering, 6 % als potentiell gering, 41 % als potentiell mittel, 16 % als potentiell hoch verdichtungsempfindlich eingestuft. 0,2% der Flächen sind potentiell sehr hoch verdichtungsempfindlich.

Jeder ökologisch wirtschaftende Landwirt versucht die Versorgung der Nutzpflanzen über die Förderung der natürlichen Nährstoffkreisläufe im Boden (und im Betrieb) sicherzustellen. Aus diesem Grund ist er auf den Erhalt des Humus und auf ein aktives Bodenleben angewiesen. Dreh- und Angelpunkt dieser Prozesse ist der Humus beziehungsweise die gesamte organische Substanz des Bodens. Deshalb spricht man in diesem Zusammenhang auch von Humuswirtschaft. Eine gute Humuswirtschaft zeichnet sich unter anderem aus durch eine vielseitige Fruchtfolge, einer ausreichenden Versorgung des Bodens mit organischem Material und eine sorgfältige, schonende Bodenbearbeitung zum optimalen Zeitpunkt.

Der bereits 38 Jahre dauernde Schweizer Langzeitvergleich verschiedener Anbausysteme ergab in der Bio-Variante insgesamt höhere Humusgehalte, erhöhte Aggregatstabilität, erhöhte Wasserkapazität, höhere Wassergehalte sowie eine verbesserte biologische Bodenqualität und eine 30% höhere Artenvielfalt. Auf dem fünfzehnjährigen Dauerversuch der Universität Gießen zu unterschiedlichen Betriebstypen im Ökolandbau ergab der ökologische Gemischtbetrieb die höchsten Humuswerte, im viehlosen Bio-Betrieb mit Kleegras konnte noch Humusaufbau nachgewiesen werden, wobei es im viehlosen Bio-Ackerbau-Betrieb bereits nach 5 Jahren zur Humusreduzierung kam.

Rückfragen: Dr. Burkhard Roloff, BUND, Tel.: 0385 52133913 und 0176 25190600

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