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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Über die Hälfte der Böden im Land sind stark verdichtet!

07. April 2020

57% der Ackerkrumen und Unterböden sind im Land schadverdichtet/ BUND fordert humusaufbauende, ökologische Landbewirtschaftung und mehr Ökolandbau für mehr Bodenschutz.

Aus Anlass der neunjährigen Wiederkehr des Massenunfalls auf der A19 am morgigen 08.04.2020 weist der BUND auf die Gefährdung unserer Böden durch Schadverdichtung  hin und fordert eine humusaufbauende, ökologische Landbewirtschaftung und  mehr Ökolandbau für mehr Bodenschutz.

Dr. Burkhard  Roloff, Agrarexperte beim BUND erläutert die Dimension, die Ursachen und die Folgen der Bodenverdichtung: „Bodenverdichtungen können in der Ackerkrume, in der Krumenbasis und im Unterboden entstehen. Die Ursachen sind einerseits zu schwere landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge, die zu oft und  häufig bei zu nassen Bodenzuständen die Äcker  befahren und anderseits der Mangel an organischer Substanz (Humus) sowie der Rückgang der Biodiversität in den Böden. Durch den langfristigen Humusverlust und weniger Bodenleben verdichten die Böden schneller. Dadurch werden Durchlüftung, Wasseraufnahme, -haltevermögen und –durchlässigkeit sowie die Durchwurzelbarkeit der Böden verringert. Verdichtete Böden können das Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen und  es entstehen Oberflächenabfluss und Bodenabtrag. Verdichtete Böden können nur mit großem technischem Aufwand für die Aussaat von Feldkulturen hergerichtet werden: Durch Pflügen bzw. Grubbern und anschließendem Zerkleinern der verdichteten Boden-Bestandteile mit rotierenden Ackergeräten, wie z.B. Kreiseleggen für ein feines Saatbeet. Durch diese „Pulverisierung“ des Oberbodens entstehen auch auf besseren Böden erosionsgefährdete Bodenbestandteile, die bei Windgeschwindigkeiten von > 4,5 m/s aufgewirbelt und über teils große Entfernungen von mehreren Kilometern transportiert werden. Diese fruchtbarsten Bestandteile des Bodens, wie Schluff- und Tonminerale, Humus und Pflanzennährstoffe können örtlich als große, dichte „Staubwolken“ zu Sichtbehinderungen und  langfristig zu einer deutlichen Verringerung der Bodenfruchtbarkeit   führen. Das kann zur Beeinträchtigung des Pflanzenwachstums führen und zu Mindererträgen von 5 bis 40%. Für die Ackerkrume sind in Mecklenburg-Vorpommern ca. 57 % der landwirtschaftlich genutzten Mineralböden potenziell erheblich bis sehr stark verdichtungsgefährdet. Der Südwesten Mecklenburg-Vorpommerns weist fast nahezu flächendeckend eine sehr starke Verdichtungsgefährdung in der Ackerkrume auf. Für ca. 57 % der Unterböden der ackerbaulich genutzten Mineralstandorte von Mecklenburg-Vorpommern wird eine mittel bis sehr hohe potentielle Verdichtungsempfindlichkeit ausgewiesen. Sandige und schluffige Böden weisen eine erhöhte Erosionsanfälligkeit auf. “

Roloff zu den dringenden Maßnahmen gegen Bodenverdichtung in der Praxis:„ Wir brauchen eine humusaufbauende, ökologische Landbewirtschaftung als ein kohärentes  System von standortangepassten Maßnahmen wie die Schlageinteilung, die Anlage von mehrreihigen Feldhecken und die Herbst- bzw. Winter-Begrünung  in einer weiten, vielfältigen Fruchtfolge. Die ausreichende Versorgung des Bodens mit organischem Material über Festmist bzw. Kompost oder Untersaaten und Zwischenfrüchte bringt genügend Kohlenstoff  für den Humusaufbau in die Böden. Der Ökolandbau praktiziert das erfolgreich und trägt dadurch als Anbausystem nachweislich zum besseren Bodenschutz bei.“

Roloff fordert mehr Ökolandbau im Land: „Der Ökolandbau trägt als praxiserprobtes Anbausystem mit vielfältigen Fruchtfolgen, humusbildender Düngung mit Mist und Kompost, sowie dem Anbau von Untersaaten,  Zwischenfrüchten und Luft-Stickstoff-bindenden Pflanzen, wie Klee und Luzerne nachweislich zum besseren Bodenschutz bei. Mehr Ökolandbau heißt mehr  Bodenschutz."

 

Hintergrund:

Vor neun Jahren, am Freitag, den 08.04.2011 gegen 12:30 Uhr geschah auf der A19 bei Kavelstorf der schlimmste Massenunfall in Mecklenburg-Vorpommern mit acht Toten und 131 Verletzten. 83 Fahrzeuge sind damals ineinander gerast, weil ein riesiger Sandsturm den Fahrzeugführern bei gleichzeitig unangepasster Geschwindigkeit die Sicht nahm.

Eine Bodenverdichtung wird dann zu einer Bodenschadverdichtung, wenn das Porensystem im Boden soweit verformt ist, dass die Versorgungsleistungen (Luft, Wasser) für den Pflanzenbestand und damit die Ertragsfähigkeit und Ertragssicherheit dauerhaft beeinträchtigt sind. Diese  Gefügeänderung hat negative Auswirkungen auf die Produktionsfunktion (Ertrag, Kosten), die Regulationsfunktion (Puffer, Speicher und Leiter für Wasser, Sauerstoff, Nähr- und Schadstoffe) und auf die Lebensraumfunktion für Bodenorganismen. Des Weiteren wird die Wärmeleitfähigkeit beeinträchtigt und die Erosionsanfälligkeit erhöht.

Während Verdichtungen im Krumenbereich noch problemlos aufgelockert werden können, ist hierfür an der Krumenbasis bereits erheblicher Aufwand nötig (Tiefenlockerung). Der Ausgangszustand des Bodens lässt sich jedoch nicht wieder herstellen. Unterbodenverdichtungen sind gänzlich irreversibel und sind daher als besonders kritisch zu betrachten.

Für die Ackerkrume werden 0,3 % der Standorte als gering, 43 % als mäßig, 17 % als erheblich, 9 % als stark und 31 % als sehr stark verdichtungsgefährdet eingestuft.

Für die Unterböden  wurden 37 % als potentiell sehr gering, 6 % als potentiell gering, 41 % als potentiell mittel, 16 % als potentiell hoch verdichtungsempfindlich eingestuft. 0,2% der Flächen sind potentiell sehr hoch verdichtungsempfindlich.

(Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie, LUNG)

Jeder ökologisch wirtschaftende Landwirt versucht die Versorgung der Nutzpflanzen über die Förderung der natürlichen Nährstoffkreisläufe im Boden (und im Betrieb) sicherzustellen. Aus diesem Grund ist er auf den Erhalt des Humus und auf ein aktives Bodenleben angewiesen. Dreh- und Angelpunkt dieser Prozesse ist der Humus beziehungsweise die gesamte organische Substanz des Bodens. Deshalb spricht man in diesem Zusammenhang auch von Humuswirtschaft. Eine gute Humuswirtschaft zeichnet sich unter anderem aus durch eine vielseitige Fruchtfolge, einer ausreichenden Versorgung des Bodens mit organischem Material und eine sorgfältige, schonende Bodenbearbeitung zum optimalen Zeitpunkt.

Der bereits 38 Jahre dauernde Schweizer Langzeitvergleich verschiedener Anbausysteme ergab in der Bio-Variante insgesamt höhere Humusgehalte, erhöhte Aggregatstabilität, erhöhte Wasserkapazität, höhere Wassergehalte sowie eine verbesserte biologische Bodenqualität und eine 30% höhere Artenvielfalt. Auf dem fünfzehnjährigen Dauerversuch der Universität Gießen zu unterschiedlichen Betriebstypen im Ökolandbau ergab der ökologische Gemischtbetrieb die höchsten Humuswerte, im viehlosen Bio-Betrieb mit Kleegras konnte noch Humusaufbau nachgewiesen werden, wobei es im viehlosen Bio-Ackerbau-Betrieb bereits nach 5 Jahren zur Humusreduzierung kam.

 

Rückfragen: Dr. Burkhard Roloff, BUND, Tel.: 0385 52133913 und 0176 25190600.

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