Bronzene Robben-Skulptur in der Marina Hohen Wieschendorf
Kegelrobben als große Meeressäuger stehen im Projekt „HOTSPOT28 – Natürlicher Klimaschutz im Norden“ stellvertretend für den zu schützenden Lebensraum Küstengewässer. Insbesondere die unverbaute Küste der Mecklenburger Bucht ist angestammtes Revier der größten Raubtiere Deutschlands. Nachdem diese dort über viele Jahrzehnte nicht mehr heimisch waren, kehren die Kegelrobben jetzt vermehrt zurück, was jedoch auch zu Konflikten führt. Mit Robben-Skulpturen im Gebiet des HOTSPOT28 will der BUND MV auf das Thema aufmerksam machen, über den richtigen Umgang mit den Tieren informieren und das Robbennetzwerk ausbauen.
„Wir wollen bei Gemeinden und öffentlichen Einrichtungen Informationen und Ausrüstungen zum Umgang mit Robben neu etablieren“, erläutert Nicola Boll vom BUND MV, die als Projektmitarbeiterin im HOTSPOT28 das Thema Meeressäuger betreut. Dazu zählt, Engagierte und Gemeinden als Partner für das – bereits wachsende – Robbennetzwerk zu gewinnen. Denn immer öfter sind am Strand Jungtiere zu sehen, die sich dort häufig einfach ausruhen wollen. Ein störungsfreier Liegeplatz ist für das Überleben der Robbenjungen essenziell. Da viele nicht wissen, wie sie mit solch einer Situation umgehen sollen, ist dem BUND MV die Aufklärung von Einheimischen und Strandgästen ein wichtiges Anliegen.
Im Rahmen des Projektes „HOTSPOT28 – Natürlicher Klimaschutz im Norden“, das im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert wird, hat der BUND MV für das Projektgebiet insgesamt vier Robben-Skulpturen anfertigen lassen. Zusammen mit Infotafeln sollen diese für Aufmerksamkeit sorgen und darüber Auskunft geben, was zu tun ist, wenn eine Robbe am Strand auftaucht. Feierliche Einweihung in der Marina Hohen Wieschendorf Am 12. Juni wurde das jüngste Exemplar, eine bronzene Statue mit zwei verschlungenen Robben, auf dem Gelände der Marina Hohen Wieschendorf feierlich eingeweiht. Nach einer Begrüßung durch Jan van Leeuwen, Bürgermeister von Hohenkirchen, enthüllte Nicola Boll gemeinsam mit der Künstlerin und gebürtigen Wismarerin Anna Napp das Objekt. „Der Schutz der Wismarbucht liegt uns sehr am Herzen. Wir wünschen uns, dass die beiden Robben die Bedeutung dieses besonderen Lebensraums sichtbar machen“, sagt Jan van Leeuwen.
Aus Schwerin war darüber hinaus André Konsolke, Staatssekretär des Ministeriums für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt, das ebenfalls zu den Mittelgebern zählt, nach Hohen Wieschendorf gekommen. „Die Kegelrobbe ist ein Botschafter für den Erfolg des Meeresschutzes. Dass sie heute wieder regelmäßig an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns anzutreffen ist, zeigt, dass sich konsequente Schutzmaßnahmen auszahlen. Wir sichern wertvolle Schutzgebiete, bergen Geisternetze aus der Ostsee, verbessern das Management unserer Natura-2000-Gebiete und stärken mit Projekten wie HOTSPOT28 den natürlichen Klimaschutz in besonders sensiblen Küstenregionen. Unsere Ostsee ist ein einzigartiger Naturraum, dessen Schutz sich lohnt.“ so André Konsolke.
Hohe ökologische Bedeutung der Wismarbucht
Dirk Brenning, Ranger in der Wismarbucht, führte zudem aus, wie wichtig der ökologische Wert der Wismarbucht ist. Die Kegelrobben nutzen schon heute die Sandbank Lieps vor Boltenhagen zunehmend als Rückzugsort. Hier wurden – etwa zur Zeit des Fellwechsels im Frühjahr – über 200 Tiere gezählt. Aber auch eine große Anzahl an Seevögeln, wie Sturmmöwen, Eiderenten oder Brandgänse, findet in der Region einen geeigneten Lebensraum, sodass sich die Bestände gut entwickeln. „Die stetige Sensibilisierung für die hohe ökologische Bedeutung der Wismarbucht zahlt sich aus“, betont Dirk Brenning.
Der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e.V., Koordinator im Projekt, unterstützt mit seinen Maßnahmen unter anderem das Engagement des Vereins Langenwerder zum Schutz der Wat- und Wasservögel e.V., der die beiden Vogelschutzinseln Walfisch und Langenwerder ehrenamtlich betreut. Dazu zählt beispielsweise der Transport sowie der Einsatz von Schafen und Ziegen, die als natürliche Landschaftspfleger Büsche und Sträucher kurzhalten und dadurch gute Bedingen für Bodenbrüter schaffen. Denn auch diese sorgen, ebenso wie die Kegelrobben, für artenreiche Küsten-Ökosysteme.
Drei weitere Robben-Skulpturen im Projektgebiet
Die drei weiteren Robben-Skulpturen sind im Projektgebiet, das von der Hansestadt Lübeck entlang der westmecklenburgischen Ostseeküste bis ins Salzhaff nach Rerik reicht, verteilt. Eine lebensgroße hölzerne Robbe findet sich vor der Naturwerkstatt Priwall in Lübeck, eine weitere, ebenfalls aus Holz, auf dem Campingplatz HaffCamp in Boiensdorf und eine vier Tonnen schwere Robbe aus Granit soll zeitnah auf der Insel Poel, am Gollwitzer Strand, aufgestellt werden.
HOTSPOT28 – Natürlicher Klimaschutz im Norden
Im Projekt „HOTSPOT28 – Natürlicher Klimaschutz im Norden“ sollen Biodiversitäts- und Klimaschutz miteinander verbunden werden, um den negativen Auswirkungen der Klimakrise und einem weiteren Verlust der biologischen Vielfalt entgegenzuwirken sowie die positiven Effekte des natürlichen Klimaschutzes zu fördern.
Das Gebiet des HOTSPOT28 – eine von bundesweit 30 Regionen, die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) als Hotspots der biologischen Vielfalt identifiziert wurden – ist 700 Quadratkilometer groß und reicht von der Hansestadt Lübeck in Schleswig-Holstein entlang der westmecklenburgischen Ostseeküste bis ins Salzhaff nach Rerik. Noch heute finden sich in diesen Küstenbereichen wichtige Bestände typischer Ostseelebensräume in arten- und individuenreicher Ausprägung. In den letzten Jahrzehnten haben jedoch auch in diesem Gebiet starke negative Entwicklungen zu einer Degradation der Ökosysteme und Lebensräume geführt. Ein Verlust von Habitatfläche sowie -qualität kann insbesondere im Zuge des Klimawandels weitere negative Entwicklungen verstärken.
Deshalb sollen die Küstenökosysteme für die Zukunft bewahrt und optimiert werden. Zu den Projektzielen zählen zudem die Verbesserung der Habitateigenschaften von Agrarflächen und Kleingewässern sowie die Wiederherstellung von artenreichen historischen Kulturlandschaftselementen. Darüber hinaus sollen möglichst viele Menschen aktiviert werden, sich für den Naturschutz zu interessieren und bestenfalls zu engagieren.
Hintergrund
Verbundpartner des Projekts „HOTSPOT28 – Natürlicher Klimaschutz im Norden“ sind der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e. V. mit Sitz in Lübeck-Kücknitz und auf der Insel Poel, der BUND Mecklenburg-Vorpommern e. V., die Stiftung Umwelt- und Naturschutz MV, die Gemeinde Ostseebad Insel Poel und die Hansestadt Lübeck. Im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz wird das Projekt „HOTSPOT28 – Natürlicher Klimaschutz im Norden“, das bis September 2030 läuft, durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert und kofinanziert durch das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG) mit Mitteln des Ministeriums für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern (LM MV) sowie durch das Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur Schleswig-Holstein (MEKUN).
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