Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht im Auslaufen des Kreuzfahrtgiganten Disney Adventure eine starke Belastung für den Naturraum der Wismarbucht. Starke Strömungen durch den Wasserstau vor dem riesigen Schiffskörper und der Rückfluss hinter dem Schiff wühlen Schadstoffe aus den flachen Seitenbereichen neben der Fahrrinne auf. Die Trübungen betreffen auch Nahrungsgründe für rastende und zur Zeit flugunfähige Wasservögel im Bereich des Naturschutzgebietes „Insel Walfisch“. Außerdem verursachen die Nährstoffe in den mobilisierten Schadstoffen Algenblüten, Quallenvermehrung und Wassertrübungen, so der BUND.
„Der riesige Schiffskörper füllt die vorhandene Fahrrinne fast aus. Die starken Strömungen reißen Sedimente, Muscheln und Unterwasservegetation aus den flachen Seitenbereichen der Wismarbucht mit. Die Selbstreinigungsmechanismen des Unterwasser-Lebensraumes werden dadurch stark beschädigt,“, sagt BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag. In der Folge entstehen Trübungen mit den damit verbundenen ökologischen Problemen. Letztere seien bereits mit dem vorhandenen Schiffsverkehr eingetreten, Nährstoffe wurden so mobilisiert, das Wachstum von Biomasse gefördert.
Die Wismarer Fahrrinne führt das Kreuzfahrtschiff sehr dicht am Naturschutzgebiet „Insel Walfisch“ vorbei. Das Naturschutzgebiet gehört zu den Kerngebieten des EU-Vogelschutzgebietes "Wismar-Bucht". Es beherbergt wesentliche Brutbestände von zahlreichen Zielarten dieses europäischen Schutzgebietes. Dazu gehören Austernfischer, Schnatterente, Brandgans, Sturmmöwe, Schwarzkopfmöwe und Gänsesäger. Hunderte Schwäne, die zur Zeit ihre Schwungfedern mausern, rasten um die Insel Walfisch.
„Wismar darf aufgrund des Naturraumes kein Kreuzfahrthafen werden. Die Stadt hat einen großen Schatz durch die Natur der Wismarbucht. Den Naturschatz sollte Wismar hüten und verträglich nutzen“, sagt Corinna Cwielag vom BUND. Eine geplante Vertiefung der Fahrrinne wird vom BUND wegen der zunehmenden Konflikte mit dem Europäischen Schutzgebiet kritisch gesehen. Der BUND hat über das Vorhaben des Fahrwasserausbaus bereits die EU-Kommission informiert.
Für Rückfragen: Corinna Cwielag, BUND, T. 0178 5654700
Hintergrund:
Das Kreuzfahrtschiff „Disney Adventure“ gehört mit 342 Metern Länge, 46 Metern Breite und 9,50 Meter Tiefgang zu den größten Kreuzfahrtschiffen der Welt. Die Fahrrinne der flachen Wismarbucht hat eine Soll-Tiefe von 9,50 Meter und eine Breit von 60 Metern mit jeweils 6 Meter tiefen und 30 Meter breiten Bermen rechts und links der tiefen Fahrrinne. Eine Passage des Kreuzfahrtriesen „Disney Adventure“ ist nur möglich, weil das Schiff nicht voll betankt ist und dadurch nicht den vollen Tiefgang erreicht.
Schon jetzt sind bei Schiffsdurchfahrten in der Fahrrinne vor Wismar starke hydraulische Belastungen zum Beispiel im Bereich des Yachthafens Wendorf deutlich feststellbar. Die neu gebaute Kaimauer auf der gegenüberliegenden Seite wirkt dabei als harte Barriere, die die Wellen zurückwirft. Die Belastungen können zur Destabilisierung von Fahrrinne und Ufer führen, aber auch zur Verschlickung sowie zur Rücklösung feinkörnigen Sohlematerials. In der Folge entstehen Trübungen mit den damit verbundenen ökologischen Problemen. Letztere sind bereits eingetreten: Nährstoffe wurden so mobilisiert, das Wachstum von Biomasse gefördert.
Es ist auch möglich, dass die Fahrrinne in den Seitenbereichen beschädigt wird und später eine Unterhaltungsbaggerung durchgeführt werden muss.
Das Ausbaggern und die Ablagerung von Sediment der Fahrrinne inkl. Hafen führt zur Eintragung von Giften aus den Sedimenten (alter Industriestandort Wismar: Werft, Eisenbahnwagonwerk, Gießereien). Aufgrund der bereits gesteigerten, intensiven Unterhaltung werden sich im Bereich der Fahrrinne mindestens vom Hafen bis zur Insel Walfisch bis auf Weiteres keine marinen Lebensraumtypen mehr einstellen, was an dieser Stelle zu Funktionsverlusten für die Schutzgebiete führt und die Wismarbucht submarin zerschneidet.
Die Wismarer Fahrrinne führt sehr dicht am NSG „Insel Walfisch“ vorbei. Das Naturschutzgebiet gehört zu den Kerngebieten des EU-Vogelschutzgebietes "Wismar-Bucht" (DE ). Eine Besonderheit für die Insel ist auch der mehrere hundert Individuen aufweisende Bestand mausernder Höckerschwäne. Während der Mauser sind die Tiere flugunfähig, weshalb sie stets besonders ruhige und nahrungsreiche Lebensräume aufsuchen. Im Bereich der Insel Walfisch sind dies besonders die makrophytenreichen Flachwasserbereiche im Norden und Osten des Schutzgebietes. Störungen verursachen bei den Tieren panikartige Fluchtbewegungen, die neben dem erhöhten Energiebedarf auch zu Verletzungen der im Blutkielstadium heranwachsenden Flügelfedern führen können. An Rastvögeln mit Habitaten im Bereich der Insel Walfisch sind zu nennen: Reiherente, Eiderente, Bergente, Schellente, Blässhuhn, Säbelschnäbler, Pfuhlschnepfe, Mittelsäger und Ohrentaucher.
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