BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Kleine Wale in großer Gefahr: BUND fordert wirksamen Schutz des Ostsee-Schweinswals

13. Mai 2022

Rostock: Anlässlich des Internationalen Tags des Ostsee-Schweinswals am Sonntag (15. Mai) fordert der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), die Schutzgebiete in der deutschen Ostsee endlich zu sicheren Rückzugsorten für Meerestiere zu machen.

Quelle: Wikimedia Commons

Der Schweinswal ist die einzige in der Ostsee beheimatete Walart. Er gehört zu den „stark gefährdeten“ Tierarten auf der Roten Liste in Deutschland und lebt vor allem in Küstennähe, wo er sich neben Fischen von Schnecken, Krebstieren und Tintenfischen ernährt. Mit weniger als zwei Metern Länge ist der Kleinwal schnell Opfer von Fischereinetzen. Die Population in der zentralen Ostsee östlich von Rügen zählt inzwischen nur noch weniger als 500 Tiere und ist akut vom Aussterben bedroht. Auch der Schweinswalbestand in der westlichen Ostsee leidet unter vielen Belastungen, wie Wasserverschmutzung, Tourismus und Unterwasserlärm.

In der deutschen Ostsee wurden bereits Schutzgebiete ausgewiesen, weil Schweinswale sich dort häufig aufhalten und ihre Kälber zur Welt bringen und großziehen. Häufig sind Schweinswale mit Jungtieren auch vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns zu beobachten. Die flachen Küstengebiete mit Tiefen um die 20 Meter sind attraktiv für die Tiere.

Doch wirksame Regelungen existieren in den meisten Schutzgebieten für die Schweinswale nicht, da Fischerei und Schifffahrt bislang kaum eingeschränkt werden. Eine der häufigsten Todesursachen für die Schweinswale sind Stellnetze, in denen sich die Tiere verfangen und ertrinken. Die EU zog kürzlich mit entsprechenden Regelungen nach, die die Stellnetzfischerei in einigen wenigen deutschen Schutzgebieten zwischen November und Januar verbieten. Doch nach Meinung des BUND ist das nicht ausreichend. Stellnetze müssen aus allen Schutzgebieten ganzjährig verbannt werden, wenn die Schweinswale wirklich gerettet werden sollen.

Neben dem Tod in Stellnetzen wird der Ostseeschweinswal auch durch den zunehmenden Unterwasserlärm bedroht. Aufgrund der Dunkelheit unter Wasser verlassen sich Schweinswale zur Orientierung, Nahrungs- und Partnersuche auf ihr Gehör. Die Säuger sehen gleichsam mit den Ohren und mit jedem Unterwasserlärmeintrag verschlechtert sich das „Sehvermögen“. In der Ostsee leiden die Tiere unter anderem unter der Berufsschifffahrt, militärischen Aktivitäten und Sprengungen, akustischen Vergrämern und kleineren Schiffen mit Echoloten für die Tiefenmessung. Unterwasserschall kann sich über große Distanzen ausbreiten und trägt weiter als an der Luft.

„Wie sich der Schall auf Tiere auswirkt, hängt unter anderem von der Intensität und Dauer der Beschallung, der Entfernung des Tieres zur Schallquelle und der Lärmempfindlichkeit der jeweiligen Tierart ab – im schlimmsten Fall kann er zum Tod führen“, erklärt Nadja Ziebarth, Leiterin des BUND-Meeresschutzbüros und fordert: „Unterwasserlärm muss von der Politik gestoppt werden.“

„Für Tiere wie den Ostseeschweinswal wird es immer schwieriger, ruhige Rückzugsorte und genug Nahrung zu finden. Eine mutige Meereswende, wie sie von der neuen Bundesregierung angekündigt wurde, ist nun dringend nötig, um den Ostseeschweinswal – und andere Tiere – aufatmen zu lassen“, sagt Susanna Knotz vom BUND M-V.

Kontakt:

Mecklenburg-Vorpommern: Dr. Susanna Knotz, Projektleiterin „Vernetzte Vielfalt an der Schatzküste M-V“ Tel: 01525 3622084, susanna.knotz@bund.net
Nadja Ziebarth, Leiterin BUND-Meeresschutzbüro, Mobil 01743191424, nadja.ziebarth(at)bund.net

Mehr Informationen:
https://www.bund.net/meere/belastungen/fischerei/
https://www.bund.net/meere/unterwasserlaerm/

In der Alten Münze in Berlin macht vom 6. Mai bis 8. Juni 2022 die Ausstellung „Seaphony“ mit räumlichen Klangkunst- und Lichtinstallationen die Sinfonie des Unterwasserlebens erfahrbar. Der BUND thematisiert vor Ort mit der Wanderausstellung „Eingetaucht – Vielfalt in unseren Meeren“ das Verhältnis zwischen Mensch und Meer und zeigt Auswege aus der Meereskriese.

Hintergrund:
Der Schweinswal (Phocoena phocoena) ist die einzige in Deutschland heimische Walart und steht unter dem strengen Schutz. Jedes Jahr zum 3. Sonntag im Mai ruft das von Deutschland unterzeichnete Kleinwalschutzabkommen ASCOBANS zum Tag des Ostseeschweinswals auf, um auf seine Bedrohung aufmerksam zu machen. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Bestand der Schweinswalpopulationen insbesondere östlich des Darß dramatisch zurückgegangen

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