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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Gigantische Autobrücke nach Usedom

21. Dezember 2018

BUND kritisiert Planung für gigantische Autobrücke und fordert Gesamtverkehrskonzept für Usedom

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert die Planung einer neuen Autobrücke auf die Insel Usedom wegen eines fehlenden Gesamtverkehrskonzeptes. „Der gigantische Brückenbau bei Wolgast für mehr als 100 Millionen Euro dient nur dem Autoverkehr und löst die Verkehrsprobleme der Insel nicht,“ sagt BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag. Der Bau der 1.465 Meter langen Brückenkonstruktion mit einer Durchfahrtshöhe von 42 Metern und zwei 70 Meter hohen Pylonen schneide zudem wichtige Vogel-Rastgebiete von internationaler Bedeutung im Vogelschutzgebiet des Peenestromes. „Das ist nicht ausgleichbar“, sagt Corinna Cwielag. In der gewählten Brückenkonstruktion sehe der BUND keine ausreichende Minderung der Naturschutzprobleme.

Corinna Cwielag: „Durch den Ausbau der Brücke wird Usedom für noch mehr Autoverkehr geöffnet. Der Stau wird nur weiter auf die Insel verlagert. Zur neuen Brücke von Wolgast kommt im Osten der Bau des Swinetunnels von Polen. Dadurch wird allein von Osten auf der einzigen Durchgangsstraße auf Usedom mindestens 30 Prozent mehr Schwerverkehr entstehen. Der Durchgangsverkehr für die Orte an der Bundesstraße ist schon jetzt unerträglich. Es wird bislang gar nichts für eine Verkehrsverlagerung und Einbeziehung der Schiene getan.“

Der Swinetunnel soll 2022, die Peenestrombrücke laut Planung des Verkehrsministeriums 2026 fertig sein. Der BUND fordert, ein integriertes Verkehrskonzept auszuarbeiten, in dem die verschiedenen Mobilitätsformen Bahn, Bus, PKW, Schwerverkehr, Radverkehr und Fußgänger gemeinsam betrachtet werden. Das Land tue bisher nichts, um die Probleme anzugehen. „Ein ganzheitliches Verkehrskonzept wurde im Landtag im März 2018 diskutiert und dann erster Klasse beerdigt. Für eine notwendige Schienenanbindung für den Fernverkehr über die alte Strecke der Karniner Eisenbahnbrücke wollte der Landtag bisher nicht einmal die Vorplanungskosten in die Hand nehmen.“ so Cwielag.

Für Rückfragen: Corinna Cwielag, BUND, T.0385 52133912 oder 0178 5654700

 

Hintergrund Ortsumgehung Wolgast und Peenestrombrücke

Im laufenden Planfeststellungsverfahren für die Ortsumgehung Wolgast und die zweite Peenestrombrücke können noch bis zum 04.01.2019 Einwendungen beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Rostock abgegeben werden. Die Unterlagen lagen nur bis 28.11.2018 bei allen betroffenen Ämtern aus.

Integriertes Verkehrskonzept fehlt

Der BUND sieht in der vorliegenden Planung für Ortsumgehung und Peenestrombrücke keine nachhaltige Lösung der Verkehrsprobleme in Wolgast und auf Usedom. Ein integriertes Verkehrskonzept mit allen Verkehrsträgern und Bauvorhaben ist für die Planung nicht erarbeitet worden. Die verschiedenen Mobilitätsformen Bahn, Bus, PKW, Schwerverkehr, Radverkehr und Fußgänger müssen gemeinsam betrachtet werden. Mit Blick auf die schon bestehende starke Verkehrsbelastung auf der Insel Usedom sollte das Konzept darauf abzielen, nicht mehr PKW und LKW leichter auf die Insel zu bringen. Fernverkehr und Güterverkehr müssen in Zukunft zu großen Anteilen auf die Schiene gebracht werden, sonst droht der Insel der Verkehrskollaps. Mittelfristig muss der gesamte Verkehr auf regionalverträgliche und klimaneutrale Lösungen umgestellt werden. Dabei spielt der Wiederaufbau der Karniner Eisenbahnstrecke mit einer 360 Meter langen Brücke im Südosten der Insel Usedom eine zentrale Rolle. Bis zur Vorlage einer solchen Lösung lehnt der BUND den weiteren Ausbau des Straßennetzes der Insel aus verkehrspolitischen Gründen und wegen der erheblichen Konflikte mit dem Naturschutz ab.

Konflikte mit wertvollen Schutzgebieten

Aufgrund der Überschneidung mit den Natura 2000-Gebieten „Peeneunterlauf, Peenestrom, Achterwasser und Kleines Haff“ (DE 2049-302) und “Peenestrom und Achterwasser“ (DE 1949-401), dem Naturpark Insel Usedom (5) sowie dem Landschaftsschutzgebiet “Insel Usedom mit Festlandgürtel“ (L 82) steht die Planung der Peenestrombrücke mit diesen Schutzgebieten in Konflikt. Sinn dieser Schutzgebiete ist es grade, solche massiven Eingriffe in die Natur zu unterbinden, um Landschaft und Biodiversität zu erhalten.

Insgesamt werden 41 Hektar Biotope durch das Vorhaben zerstört und 130 Hektar Biotope beeinträchtigt (laut vorgelegten Unterlagen). Darunter befinden sich auch besonders wertvolle und schwer ersetzbare Biotope wie ein Sandkliff am Peenestrom, das unwiederbringlich zerstört wird. Die vorgesehenen Maßnahmen können diese massiven Eingriffe nicht vollständig ausgleichen oder ersetzen.

Erhebliche Wirkungen auf den Vogelschutz

Das Kollisionsrisiko mit dem Vogelzug soll durch eine sogenannte „Zügelgurtkonstruktion“ der Brückenkörper an den Pylonen vermindert werden. An der Rügenbrücke hatte sich gezeigt, dass die Vögel die Drahtseile nicht ausreichend wahrnehmen können. Es sind dennoch auch für den Peenestrom erhebliche Auswirkungen auf den Vogelschutz zu erwarten. Mit der Zerschneidung der Flugroute zwischen der Sauziener Bucht und dem Peenestrom in Richtung Norden wird ein Vogel-Rastgebiet von internationaler Bedeutung beeinträchtigt. Diese trennende Wirkung durch den Baukörper und Betrieb wurde in den vorliegenden Unterlagen nicht berücksichtigt, obwohl auf das Kollisionsrisiko ausführlich eingegangen wurde. Die Planung widerspricht dem Gutachterlichen Landschaftsrahmenplan des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der hier die Sicherung der Rastfunktion mit herausragender Bedeutung vorsieht. Es ist ein Gebiet mit hoher bis sehr hoher Dichte des Vogelzuges.

Konflikte mit dem Artenschutz

Die Lebensstätten von Fledermäusen und Zauneidechsen werden unmittelbar vernichtet. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Fledermauskästen und Nistkästen als Ersatzquartier für Höhlenbrüter nicht ausreichend sind. Insbesondere Fledermauskästen werden nach vorliegenden Untersuchungen in den ersten zehn Jahren nur sporadisch benutzt. Die Lebensräume sind durch Eingriffe von Großvorhaben wertlos für die Tiere.

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