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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Gigaliner - verkehrspolitisch unsinnig und schädlich für die Umwelt

10. Januar 2017

Die großen Lastwagen dürfen 25,25 Meter lang sein, also bis zu 6,5 Meter länger als sonst zulässig. Begründet wird deren Einsatz mit Einsparung von Kraftstoff und CO²-Ausstoß beim Gütertransport. „Mit dem Einsatz der Gigaliner etwas für den Klima- und Umweltschutz zu tun ist eine Farce!“, sagt Katharina Brückmann, Referentin für Baum- und Alleenschutz beim BUND M-V. „Das Gegenteil ist der Fall, es ist ein Rückschritt. Die Gigaliner helfen in keiner Weise, die selbstgestellten Ziele der Bundesregierung zur Einsparung der CO²-Emissionen zu erreichen. Auch die derzeit häufigen Überschreitungen von EU-Grenzwerten bei Feinstaub und Stickstoffdioxid in vielen Städtenkönnen so nicht reduziert werden.“

Bis 2030 müssen die Emissionen gemäß Klimaschutzplan um 40 Prozent sinken. Der Verkehr hat als einziger Sektor von 1990 bis 2015 kein CO² eingespart, sondern um 9 Millionen Tonnen gesteigert. CO²-Emissionen von Lkw im Güterverkehr sind mehr als 4,5 Mal so hoch wie ein entsprechender Transport per Zug. „Das große Ziel muss sein, mehr Güter- und Personenverkehr auf die Schiene zu verlagern. Stattdessen haben die Verantwortlichen nur den Transport auf der Straße im Visier und erhöhen sich ständig die Bahnpreise“, so Brückmann.

Mit einem Umdenken beim Gütertransport können die Klimaziele erreicht werden. Dazu gehören: unnötige Transporte und Leerfahrten vermeiden, Verlagerung der Transporte von der Straße auf Bahn und Schiff. Bisher beträgt der LKW Anteil Güteraufkommen in Deutschland 70 %. Nur 16 % der Güter werden per Schiene und 11% durch die Binnenschifffahrt transportiert.
Der Verkehrsminister Dobrindt behauptet zwar, dass durch den Einsatz der Gigaliner kein Verkehr von der Schiene auf die Straße verlagert würde. Nach einer Studie der Technischen Hochschule Wildau und der Technischen Universität Berlin würden aber, angelockt von den Einsparungen, etwa 7,6 Prozent des Schienengüterverkehrs auf die Straße gebracht. Das entspricht den Berechnungen zufolge etwa 7000 zusätzlichen Lkw-Fahrten auf Deutschlands Straßen täglich.

Auch das Argument eines Autoherstellers, er können gar nicht mehr mit der Bahn transportieren, weil die Schiene ohnehin schon völlig ausgelastet ist, was Güterverkehr angeht, kann kein Argument für die Gigaliner sein. Vielmehr ist es ein Signal an die Regierung, endlich das Schienennetz für den Güterverkehr attraktiver und flexibler zu gestalten.

Der BUND argumentiert weiter, dass Folgekosten wie kaputte Straßen, nötige Anpassung und Neubau von Straßen, Brücken, Nebenanlagen wie Parkplätzen und Umladestationen überhaupt nicht berücksichtigt werden. Nach Aussagen des ADAC und UNIROYAL, dem Reifenhersteller, belastet ein einziger 40-Tonnen Lkw den Straßenbelag so stark wie 60.000 Pkw. Nicht nur Autobahnen sind für die Gigaliner zugelassen, auch Bundes-, Landes- und Kreisstraßen gehören dazu. Muss eine Autobahn gesperrt werden, schlängeln sich diese Gigaliner auch durch enge Ortschaften, schädigen Bankette und Straßenbäume. Enorme Kosten und Energie für Neubau und Reparaturen würden im gesamten Straßennetz anfallen. Die verfehlte Verkehrspolitik der Regierung hat außerdem einen weiteren Flächenfraß zur Folge. Während für einen Kilometer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke ein Hektar Land verbraucht wird, sind es für einen Kilometer Autobahn vier Hektar. Derzeit werden in Deutschland pro Tag 130 ha überbaut.

Es gibt noch weitere Argumente gegen die praktizierte Verkehrspolitik, etwa die Verkehrssicherheit. Am 15. April 2014 hat sich das EU-Parlament gegen die Zulassung von Gigalinern im grenzüberschreitenden Verkehr in der EU ausgesprochen. Andere Länder, wie Österreich, lehnen ebenfalls deren Einsatz ab.

V.i.S.d.P : Katharina Brückmann, BUND Mecklenburg-Vorpommern

Rückfragen über BUND Mecklenburg-Vorpommern

Katharina Brückmann, Landesgeschäftsstelle Schwerin Tel.: 0385 52311914, oder 0178 5654700

Corinna Cwielag, Landesgeschäftsstelle Schwerin Tel.: 0385 2311912, oder 0178 5654700


 

 

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