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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Bodenschutz wird in Mecklenburg-Vorpommern grob vernachlässigt!

04. Dezember 2015

Aus Anlass des Weltbodentages im Internationalen Jahr des Bodens, den 05.12.2015, weist der BUND auf den kritischen Zustand unser Böden hin und fordert mehr Bodenschutz durch mehr Boden-Beratung und Demonstrationsbetriebe für Bodenschutz sowie spezielle Agrar-Umwelt-Programme.


Dr. Burkhard Roloff, Agrarexperte des BUND zur Forderung nach einem Bodenschutzprogramm für unser Land: „Der Schutz des Bodens wird in unserem Land grob vernachlässigt. Im laufenden „Internationalen Jahr des Bodens“ fand weder eine landesweite Fachveranstaltung, noch eine Aktion statt, um auf den kritischen Zustand unserer Lebensgrundlage, den Boden aufmerksam zu machen. Bereits die rot-rote Landesregierung hatte bereits 2002 beschlossen, ein Bodenschutzprogramm zu erarbeiten. Angesicht der immer rascher stattfindenden und zunehmenden Bodenerosion sowie der gleichzeitig immer geringeren Bodenbildung fordern wir die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern auf, endlich nach 13 Jahren das Landesprogramm für Bodenschutz aufzulegen. Dieses Programm muss die bestehenden Probleme explizit aufdecken und konkrete Handlungsanleitung zum Erhalt bzw. zur Wiederherstellung eines guten Bodenzustandes geben. Als Voraussetzung dafür fordern wir den aktuellen Bodenzustandsbericht, der bereits im Jahre 2013 fertig sein sollte, jetzt im Landwirtschaftsministerium vorliegt, aber erst im Frühjahr 2016 veröffentlicht werden soll.“

Roloff weiter an die Landesregierung. „Für gezielte, standortangepasste Maßnahmen des Bodenschutzes brauchen wir eine qualifizierte Boden-Beratung durch spezielle Boden-Berater im ganzen Land, die langfristig ein Bodenbewusstsein bei den Landnutzern entwickeln helfen. Dazu sind landesweit Demonstrationsbetriebe für Bodenschutz notwendig, wo der interessierte Landwirt praktischen Bodenschutz auch erleben kann.“ Dr. Burkhard Roloff zu den Dimensionen der Bodenverschlechterung bzw. Boden-Degradation: „.In Europa, in Deutschland und auch in Mecklenburg-Vorpommern bewirkt die immer stärker werdende Industrialisierung der Landwirtschaft nachhaltig negative Folgen für die Böden. In unserem Land sind die negativen Prozesse der Bodenverdichtung mit 47% der Böden und die Bodenverschlechterung durch Wasser- mit 16% und durch Winderosion mit 8% am Bedeutendsten. In Mecklenburg-Vorpommern sind besonders stark die leichten Sandstandorte im Süd-Westen des Landes verdichtungsgefährdet. Nach Untersuchungen des LUNG sind insgesamt 9% der Böden stark und 30% sehr stark verdichtungsgefährdet. Durch Wassererosion wurden reale Bodenabträge von 0,2 bis 170 t/ha je Sommerhalbjahr nachgewiesen. In sehr stark gefährdeten Gebieten ist mit einem möglichen Bodenverlust von über 200 t/ha pro Jahr zu rechnen. Die möglichen Bodenabträge durch Wind auf landwirtschaftlich genutzten Standorten umfassen eine Spanne zwischen 0,01 und 121 t/ha pro Jahr.“ Roloff zu den Ursachen der Bodenverschlechterung: „Durch die industrielle Landbewirtschaftung mit fast ausgeräumten, riesigen Feldern von Mecklenburg-Vorpommern kommt es zu der enormen Bodenerosion, d.h. dem Abtrag von Boden durch Wind- oder Wasser. In Mecklenburg sind bis 1991 zwei Drittel aller existierenden Feldhecken verschwunden, so dass im Frühjahr der Wind die feinen Bestandteile der Böden und im Winter an denselben Stellen den Schnee durch die Luft transportiert. Aber auch durch die schlechte Humuswirtschaft der großen industriellen Pflanzen- und Tierproduktionsbetriebe, nur mit Kunstdünger und Gülle, ohne Fest-Mist bzw. Kompost kommt es zur Verschlechterung der Böden, der sogenannten Boden-Degradierung. Die Böden verlieren ihre guten chemischen und physikalischen Eigenschaften, wie z. B. Wasser-Haltefähigkeit und -aufnahme-vermögen sowie die Bindigkeit, sodass weder Wasser schnell genug aufgenommen werden bzw. im Boden gehalten kann und der wertvollste Bodenbestandteil, der Humus dem Wind und Wetter ungeschützt ausgesetzt ist.“ „Wir wissen, dass über die Hälfte der Böden im Land stark und mittelstark erosionsgefährdet bzw. verdichtet sind. Auf den einzelnen erosionsgefährdeten Schlägen benötigen wir einen Komplex von Maßnahmen, um in Zukunft nachhaltig Wind- und Wassererosion zu verhindern. Wir fordern das Land auf, für alle erosionsgefährdeten Flächen ein Feldhecken-Programm aufzulegen. Als Agrarumweltmaßnahme sollten die Anlage und Pflege von mehrreihigen Feldhecken aus Bäumen und Sträuchern vom Land gefördert werden. Solche 10-15m breiten Feldhecken, quer zur Hauptwindrichtung bieten einen nachhaltigen Schutz vor Wind- und Boden-Erosion und sind außerdem bestens geeignet für wildlebende Tiere als Lebensraum. Gleichzeitig dürfen die Felder im Winter nicht brach liegen, sondern die erosionsgefährdeten Flächen müssen im Herbst und Winter begrünt sein durch Anbau von Sommer- bzw. Winterzwischenfrüchten, wie Phacelia oder Senf. Langfristig sollten diese Flächen auf ökologischen Landbau umgestellt werden, denn nur der Ökolandbau schützt nachhaltig vor Wind- und Wassererosion sowie Verdichtung.“ so Roloff als Forderung an die Landesregierung.


Zitat: „In der Vergangenheit wurde der Schutz des Bodens eher vernachlässigt. Auch in Mecklenburg Vorpommern werden Böden durch die zunehmende Flächeninanspruchnahme sowie durch Erosion, Verdichtung und Schadstoffeinträge belastet. Die daraus resultierende Einschränkung der Bodenfunktionen fordert gezielte Vorsorgemaßnahmen. Um dieser Erkenntnis gerecht zu werden, hat die Landesregierung Mecklenburg Vorpommern in der Koalitionsvereinbarung Nr. 125 vom 5. November 2002 die Erarbeitung eines Boden­schutzprogramms für Mecklenburg Vorpommern als Aufgabe gestellt.“ aus: http://www.regierung-mv.de/cms2/Regierungsportal_prod/Regierungsportal/de/lm/Themen/Boden/Bodenschutz/Bodenschutzprogramm/index.jsp


Hintergrund: Der Weltbodentag oder Tag des Bodens (world soil day) wurde 2002 von der Internationalen Bodenkundlichen Union (IUSS) ins Leben gerufen. Der Gedenktag soll der Weltöffentlichkeit den Wert unserer Böden vor Augen halten. Der Weltbodentag wird jährlich am 5. Dezember begangen. Der Boden des Jahres 2016 wird heute am 04.12.2015 in Berlin benannt.

Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V hatte zu letzt im Jahr 2002 den "Bodenbericht des Landes Mecklenburg Vorpommern" erarbeitet und veröffentlicht. Dieser Bodenzustands-Bericht beinhaltet eine ausführliche Zustandsbeschreibung der Böden unseres Landes und stellt somit die Grundlagenermittlung für das Bodenschutzprogramm dar.


Rückfragen: Dr. Burkhard Roloff, BUND, Tel.: 0385 52133913 und 0176 25190600.

 

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