BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Jetzt spenden Mitglied werden

Aus der Traum

21. August 2025 | BUND, Flüsse & Gewässer, Grünes Band, Lebensräume, Naturschutz

BUND: Klimawandel stellt Pläne für Elbe als Wasserstraße in Frage

Angesichts der aktuellen und seit Jahren weiter sinkenden Niedrigwasserstände in der Elbe fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Mecklenburg-Vorpommern die Ausbaupläne an der sogenannten Elbe-Reststrecke zwischen Dömitz und Hitzacker aufzugeben. Bei Niedrigwasser steht für die Güterschifffahrt als Alternative den Elbe-Seitenkanal zur Verfügung.

„Aktuell hat die Elbe in Dömitz eine Fahrrinnentiefe von 30 Zentimetern. Eine verlässlich planbare Schifffahrt ist auf dem Fluss nicht möglich – aber auf den parallel verlaufenden Kanälen schon. Obwohl seit über drei Jahrzehnten im Osten Deutschlands hunderte Millionen Euro für die Elbe als Wasserstraße sowie für die zuständige Verwaltung ausgegeben wurden, ist ein Nutzen ist nicht erkennbar. Ein Ausbau der sogenannten Reststrecke zwischen Dömitz und Hitzacker ergibt keinen Sinn. Die ökologischen und wirtschaftlichen Schäden sind dabei nicht absehbar“, sagt Corinna Cwielag vom BUND in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Elbe ist eine Bundeswasserstraße und das Bundesverkehrsministerium dominiert den Umgang mit dem letzten großen, noch relativ naturnahen Fluss in Deutschland – ein Hotspot der Artenvielfalt in Deutschland mit vielen europaweit bedeutsamen Schutzgebieten für die Natur. Seit dem ersten gesamtdeutschen Bundesverkehrswegeplan 1992 steht jedoch die Ertüchtigung der Elbe für den Güterverkehr auf der Tagesordnung.

Doch je mehr Steuergelder in die Wasserstraße Elbe und in ihre Häfen geflossen sind, desto weniger wurde transportiert. Von den 1992 für 2010 prognostizierten 12 Millionen Tonnen Gütertransporten pro Jahr auf der Mittel- und Oberelbe sind bis 2023 nur noch rund 0,15 Millionen Tonnen pro Jahr übrig geblieben. Nachdem die letzte nennenswerte Elbe-Reederei, die tschechische CSPL, am 30. April 2025 abgewickelt und das Personal entlassen wurde, fehlen auf der Elbe nun die Schiffe und die qualifizierten Schiffsführer. Unternehmen an der Elbe wie Enercon in Magdeburg transportieren ihre Güter längst auf dem gut ausgebauten Kanalnetz.

Dennoch wird weiter an dem Ziel, an 345 Tagen im Jahr eine Fahrrinnentiefe von mindestens 1,40 Meter für die Schifffahrt herzustellen, festgehalten. Grundlage dafür sind die Wassermengen der Jahre von 1991 bis 2010, die es aber nicht mehr gibt. In den vergangenen 10 Jahren unterschritt die Elbe im Schnitt die gewünschten 1,40 Meter Tiefe an 5 Monaten. Niedrigwasser ist die neue Normalität. Derzeit steuert die Elbe wieder auf Rekordniedrigwerte zu.

Corinna Cwielag vom BUND: „Es wäre viel zu gewinnen durch eine neue Flusspolitik. Der Klimawandel fordert eine Stabilisierung des Landschaftswasserhaushaltes zum Schutz vor Dürren. Eine weitere Einengung des Flussbettes ist Gift für den Wasserhaushalt der Landschaft und für die Landnutzung. Die Elbe könnte eines Tages zur deutschen Loire werden, ein Hotspot des Naturtourismus. Voraussetzung ist eine Anerkennung der neuen Verhältnisse.“

Für Rückfragen:

Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin BUND M-V, T.0385 521339-12 oder 0178 5654700, corinna.cwielag(at)bund-mv.de

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb