Derzeit baut Karls Erdbeerhof auf 40 ha neue Stellagen-Tunnel-Anlagen, zusätzlich zu den bereits vorhandenen 34 ha Folientunnel. Die Baugenehmigung hierfür hat Karls vom Landkreis Rostock bekommen – ohne Umweltprüfung, ohne Beteiligung und ohne für diesen massiven Eingriff einen Ausgleich schaffen zu müssen.
Aus Sicht des BUND ist diese Art des Bauens im Außenbereich der Gemeinde Rövershagen unzulässig. Der Umweltverband hat daher Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingereicht.
In den aufgeständerten Stellagen-Anlagen werden Erdbeeren bodenunabhängig in fremdem Substrat angebaut und technisch gesteuert. Das widerspricht dem privilegierten Baurecht für Landwirte, die sonst im Außenbereich mit einfacher Baugenehmigung bauen dürfen. Die enorme Größe der mit Folie überdachten baulichen Anlage ist ein massiver Eingriff in den natürlichen Boden- und Wasserhaushalt, vernichtet Lebensräume von Tieren und Pflanzen, verändert das Mikroklima und beeinträchtigt das Landschaftsbild. Insgesamt werden hier öffentliche Belange beeinträchtigt, für die eine Umweltprüfung mit einem entsprechenden Ausgleich nötig gewesen wäre.
„Dies ist nun schon die zweite Anlage dieser Art, sodass dann insgesamt 75 ha Ackerland mit Stellagen-Tunneln ohne Bauleitplanverfahren, d.h. ohne Beteiligung von Umweltschutzorganisationen und ohne Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gebaut werden dürfen.“ rügt Susanne Schumacher, Sprecherin des BUND Rostocks.
Die Versieglung durch Folientunnel und das Ableiten des Niederschlagswassers in unternehmenseigene Auffangbecken verhindert großflächig die Versickerung von Regenwasser. Wasser geht der Region verloren, da die Grundwasserneubildung und die Wasserzufuhr für umliegende Bäche und Feuchtbiotope verhindert werden.
„Unser regionaler Wasserhaushalt ist aber sehr wichtig, gerade um uns gegen die zunehmende Frühjahrstrockenheit zu wappnen. Gleichzeitig wird im Anbau von Erdbeeren besonders im Frühjahr Wasser für die Bewässerung benötigt. Gerade auf sandigen, winderosionsgefährdeten Standorten dürfen Flächen nicht im großen Maß versiegelt werden, denn so wird dem Naturhaushalt Wasser entzogen." so Schumacher.
Hintergrund zu Wasserhaushalt und Grundwasserneubildung
Das Vorhaben bewirkt eine großflächige Versiegelung, wodurch Niederschlagswasser über Drainagen gesammelt und in Rückhaltebecken geführt wird. Es steht damit der flächigen Versickerung, der Grundwasserneubildung und der Speisung von Oberflächengewässern nicht mehr zur Verfügung.
Die Folgen sind eine Absenkung des Grundwasserspiegels, des Wasserpegel in den umliegenden Bächen und Feuchtbiotopen sowie eine Verlandung der vier geschützten Sölle die inmitten der geplanten Tunnel liegen.
Verstoß gegen Natura 2000 gem. § 34 BNatSchG
Das hier genehmigte Bauvorhaben grenzt unmittelbar an das EU-Schutzgebiet „Wälder und Moore der Rostocker Heide“, welches schon jetzt unter Trockenheit und der Überdüngung unserer Landschaft leidet.
Zusätzliche Grundwasserabsenkung und Nährstoff- und Stoffeinträge (Mikroplastik, Dünger, Pflanzenschutzmittel) sind unbedingt zu verhindern. Das Schutzgebiet ist Lebensraum zahlreicher geschützter Arten u.a. Fledermäuse, Amphibien, Fischotter sowie Meerforelle (Laichgewässer).
Der BUND MV e.V. hätte im Verfahren beteiligt werden müssen. Es wird in den Boden- und Wasserhaushalt eingegriffen, der Verlust von Lebensräumen und der Biodiversitätsverlust billigend in Kauf genommen.
Folgende, akut das Leben, die Gesundheit, die Unversehrtheit und den Wohlstand der Menschen in der Region gefährdende Krisen sollten bei den weiteren Entscheidungen berücksichtigt werden: Jeder weitere Eingriff in die Natur beschleunigt das Artensterben und befeuert den Klimawandel.
---------------------------------------------
Für Rückfragen: Susanne Schumacher 0176 21311985
Zur Übersicht