BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.
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Agrarbündnis fordert mehr Ökolandbau für mehr Artenschutz!

14. März 2022 | BUND, Landwirtschaft, Lebensräume, Nachhaltigkeit, Naturschutz, Naturschutz

- Artenrückgang durch Intensivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft - Ökologischer Landbau fördert insgesamt die biologische Vielfalt - Klare Forderungen an die Agrarpolitik für mehr Artenschutz

Am Mittwoch, 16.03.2022 findet im Güstrower Bürgerhaus, Sonnenplatz 1 von 10:00 bis 16.00 Uhr die landesweite 17. Wintertagung des Agrarbündnisses Mecklenburg-Vorpommern statt zum Thema: „Artenschutz durch Ökolandbau“.

Dr. Burkhard Roloff, Agrar-Experte des BUND zum Anlass der landesweiten Fachtagung: „Das Artensterben ist weltweit dramatisch. Experten schätzen, dass täglich zwischen 50 und 200 Arten unwiederbringlich von der Erde verschwinden. Das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten schreitet 100-mal schneller voran als die Entstehung neuer Arten. Dabei ist der Verlust der biologischen Vielfalt nicht auf Gebiete außerhalb von Schutzgebieten beschränkt, sondern findet auch innerhalb von Schutzgebieten statt. Der Zustand der Artenvielfalt ist auch in Deutschland alarmierend, denn ein Drittel, der auf Roten Listen erfassten Arten ist im Bestand gefährdet und viele Arten sind unwiederbringlich ausgestorben. Damit wird bislang auch das nationale Ziel verfehlt, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Das Bundesamt für Naturschutz wies 2020 auf den bedrohlichen Rückgang der Pflanzenvielfalt in Deutschland hin. So seien bei über 70% von mehr als 2000 untersuchten Arten in den letzten 60 Jahren deutschlandweit Rückgänge zu beobachten. Vor allem große Teile der Ackerbegleitflora, wie z.B. die Saat-Wucherblume und der Echte Frauenspiegel, sind betroffen.“

Roloff zu den Ursachen des Artensterbens: „Die Intensivierung und die Industrialisierung der Landwirtschaft gehören zu den Hauptverursachern des dramatischen Rückgangs der Artenvielfalt von immer mehr Kultur- und Wildarten in Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland und der Welt. Durch Zersiedelung, Versiegelung und Ausräumung der Landschaft, Vergrößerung der Felder, Vereinfachung der Fruchtfolgen sowie den Rückgang von Brachen, Flächenstilllegungen und Dauergrünland, aber vor allem durch die flächendeckende und häufige Anwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutz- und Düngemittel werden die Lebensräume vieler Arten verschlechtert, deren Nahrungsgrundlage zerstört oder deren Funktion im Ökosystem beeinträchtigt.“

Roloff begründet die berechtigte Forderung nach mehr Ökolandbau: „Wir fordern mehr Ökolandbau für mehr Artenschutz, denn der ökologische Landbau als weltweit erprobtes Anbausystem fördert insgesamt die biologische Vielfalt. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Öko-Flächen eine deutlich höhere Artenvielfalt und -dichte aufweisen als konventionell bewirtschaftete Flächen. Bodenorganismen, Wildkräuter, Insekten und Feldvögel werden begünstigt von einer vielfältigen Fruchtfolge und der Bewirtschaftung ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel.“

Roloff zu möglichen Maßnahmen für mehr Artenschutz durch Ökolandbau: „Handlungsbedarf für den Artenschutz bei der Agrarpolitik besteht auf europäischer Ebene, in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern. Unsere klaren Forderungen an die Agrarpolitik sind die dauerhafte Förderung des Ökologischen Landbaus, die Verbesserung bestehender Agrarumweltmaßnahmen sowie Konzeption spezieller Zusatzprogramme, die vorrangige Berücksichtigung von Ökobetrieben bei Agrarumweltmaßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt, kein Ausschluss und keine Benachteiligung von Ökobetrieben; höhere Flexibilität bei der Auswahl und Kombination von Maßnahmen sowie die finanzielle Förderung einer qualifizierten Naturschutzberatung. Die biodiversitätsfreundliche Bewirtschaftung muss sich für Landwirtinnen und Landwirte lohnen. Bei der Festlegung der regionalen Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen in der neuen Förderperiode 2023-2027 sollten die Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität praktikabel und finanziell attraktiv gestaltet werden. Beim praktischen Artenschutz im Ökolandbau ist eine systemische Herangehensweise mit vielfältigen, parallelen Lösungsansätzen notwendig. Folgende Maßnahmen im Anbausystem ökologischer Landbau fördern die biologische Vielfalt in der Landschaft: Felder verkleinern, Hecken und Feldgehölze anlegen und pflegen, Streuobstwiesen anpflanzen und erhalten, Blühstreifen und -flächen anlegen und Säume, Feld- und Wegraine anlegen. Auf dem Feld: artenreiches Grünland pflegen, Lesesteinhaufen und -riegel zusammentragen, Felder wildtierschonend bewirtschaften, Bienen halten und Ackerwildkräuter fördern sowie regionale Nutzpflanzen anbauen. Auf dem Hof: intensive Kompostwirtschaft, robuste Nutztierrassen erhalten, Hofflächen naturnah begrünen und gestalten sowie Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse einrichten.“

Hintergrund: Die aktuelle Vergleichsstudie „Thünen-Report 65“ von 2019 zwischen konventionellem und ökologischem Landbau ergab eine um 95% höhere mittlere Artenzahl bei Ackerwildkräutern unter ökologischer als unter konventioneller Bewirtschaftung. Auf ökologisch bewirtschafteten Feldern und Wiesen waren 23% mehr blütenbesuchende Insekten und 35% mehr Feldvogelarten zu finden. Felduntersuchungen ergaben, dass die Masse an Bodenmikroorganismen und Bodentieren bis zu 85% höher sein kann auf ökologischen als auf konventionellen Vergleichsflächen und der Besatz an Regenwürmern um ein Vielfaches höher. Eine Studie des WWF und des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen zeigten ebenfalls, dass die ökologische Bewirtschaftung mehr Artenvielfalt auf die Flächen bringt. Bis zu siebenfach höhere Bestände bei Feldlerchen, Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingen und fast hundertmal mehr blühende Pflanzen wurden gezählt. Viele Bio-Bauern, -Gärtner und -Winzer schaffen und pflegen zudem Landschaftselemente wie Hecken, vielfältige Wegraine, Feuchtbiotope oder Streuobstwiesen, die vielen Arten als Lebensraum und Rückzugsort dienen. Auch sind es vor allem Bio-Landwirte, die sich um den Erhalt regionaler Pflanzensorten und robuster Nutztierrassen bemühen.

Die 17. Wintertagung des Agrarbündnisses will den Zusammenhang zwischen der ökologische Wirtschaftsweise und dem möglichen Artenschutz im landwirtschaftlichen Bio-Betrieb darstellen. Die relative Vorzüglichkeit des Ökologischen Landbaus beim Artenschutz wird anhand eines Vortrages, einer Vergleichsstudie und eines bundesweiten Projektes zum Artenschutz verdeutlicht. Vier erfolgreiche Bio-Betriebe aus Norddeutschland präsentieren, wie sie langfristig durch ihre Betriebskonzepte und täglich durch artenschonende Landbewirtschaftung zum Arten- und Biotopschutz beitragen.

Rückfragen: Agrarbündnis Mecklenburg-Vorpommern c/o: Dr. Burkhard Roloff (BUND) unter Tel.: 0385 52 13 39 13 und während der Tagung: 0176 25190600

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