Am letzten Mittwoch, 11.3.2020, fand im Güstrower Bürgerhaus, Sonnenplatz 1 von 10:00 bis 16.00 Uhr die landesweite 15. Fach-Tagung des Agrarbündnisses Mecklenburg-Vorpommern statt zum Thema: „Fruchtbare Böden durch Ökolandbau“.
Über 100 konventionelle und Bio-Bauern, Mitarbeiter von Behörden, Verbands- Vertreter sowie Berater haben sich zur 15. Wintertagung in Güstrow angemeldet. Die landesweite Fachtagung will über den dramatischen Zustand der landwirtschaftlichen Böden in Europa und in unserem Land informieren. Es geht auch um die globale Bodenverschlechterung als Erosion, Verdichtung, Verschlämmung sowie als Humus-Verlust und Verringerung der biologischen Vielfalt im und auf dem Boden. Die vorgestellten Maßnahmen für eine bodenschonende, humusaufbauende Landbewirtschaftung reichen vom Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten, einer intensiven Kompostwirtschaft bis zu einem Humusaufbau-Projekt. Zwei Beispielbetriebe und zwei Initiativen präsentieren, wie sie nachhaltig durch ihre Betriebskonzepte und täglich durch ökologische, humusaufbauende Landbewirtschaftung die Fruchtbarkeit ihrer Böden erhöhen.
Dr. Burkhard Roloff, Ökolandbau-Experte des BUND zum Anlass der 15.Fachtagung: „Boden ist unsere Lebensgrundlage. Aber täglich findet weltweit und oft unbemerkt die Boden-Verschlechterung statt. Auch in Mecklenburg Vorpommern werden Böden durch die zunehmende Flächen-Inanspruchnahme sowie durch Erosion, Verdichtung und Schadstoffeinträge belastet. Durch die Versiegelung gehen in Mecklenburg-Vorpommern täglich 0,5ha Boden verloren. Die Böden sind über die Hälfte schadverdichtungsgefährdet und zu 16% durch Wassererosion gefährdet sowie bei 35% der Böden durch eine mittlere und bei 25% eine starke potentielle Winderosion. In Mecklenburg-Vorpommern weisen zwei Drittel der Ackerböden geringe Humusgehalte unter 2% auf.“
Roloff zur Lösung des Problems, durch Ökolandbau fruchtbare Böden zu entwickeln: „Wir fordern mehr Ökolandbau, denn tausende Bio-Bauern, -Gärtner und -Winzer beweisen jeden Tag, Ökolandbau als System kann langfristig und nachhaltig die Fruchtbarkeit unserer Böden erhöhen. Weltweit fördern Bio-Bauern -Winzer und -Gärtner den Humusaufbau durch vielfältige Fruchtfolgen, den Anbau von Luft-Stickstoff-bindenden Pflanzen sowie das Ausbringen von Stallmist aus einer flächengebundenen Nutztierhaltung bzw. hofeignen Kompost. Sie bauen als Bodenbedeckung mehrjähriges Kleegras, Untersaaten oder Zwischenfrüchte an.
Das führt zu einer höheren biologischen Bodenaktivität und einem resilienteren Bodengefüge. In langjährig ökologisch bewirtschafteten Ackerflächen sind im Mittel höhere ph-Werte im Boden, ein geringerer Eindringwiderstand in den Boden und vor allem eine höhere Anzahl sowie eine größere Biomasse an Regenwürmern festzustellen. Standortangepasste Bodenbearbeitung und die Dauer- bzw. Winterbegrünung tragen zur Erosionsminderung durch Wind und Wasser bei sowie zu einer geringeren Boden-Verdichtung. Der Humusaufbau führt zur nachweislich höheren Kohlenstoff-Speicherung in den Böden und erhöht die Widerstandsfähigkeit oder Resilienz der Landwirtschaft gegenüber den Folgen des Klimawandels.“
Roloff zur Forderung nach Umsetzung des Bodenschutzprogramms für unser Land: „Angesicht der immer rascher stattfindenden und zunehmenden Bodenerosion sowie der gleichzeitig immer geringeren Bodenbildung fordert das Agrarbündnis die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern auf, das vor zwei Jahren aufgelegte Landesprogramm für Bodenschutz endlich umzusetzen für den Erhalt bzw. zur Wiederherstellung des sogenannten guten Bodenzustandes unserer landwirtschaftlichen Äcker, Wiesen und Weiden.“
Im notwendigen dritten Teil des Bodenschutzprogramms müssen konkrete schlagspezifische Maßnahmen und Handlungsempfehlungen für eine künftige nachhaltige Bodennutzung in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt werden. Diese Maßnahmen und Handlungsempfehlungen reichen von angepassten Fruchtfolgen, Schlagaufteilung, Kompostwirtschaft, bis hin zur Pflanzung mehrreihiger Feldhecken oder die Umstellung auf Ökolandbau.
Roloff fordert im Namen des Agrarbündnisses: „Für die Festlegung gezielter, standortangepasster Maßnahmen des Bodenschutzes bedarf es einer qualifizierten und flächendeckenden Boden-Beratung durch spezielle Boden-Berater, die langfristig ein Bodenbewusstsein bei den Landnutzern entwickeln helfen. Dazu ist landesweit ein Netzwerk von Demonstrationsbetrieben für Bodenschutz notwendig, wo der interessierte Landwirt oder Gärtner praktischen Bodenschutz erleben kann. Dieses Betriebsnetz bildet eine Plattform für den gegenseitigen fachlichen Erfahrungsaustausch und sollte aus interessierten landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betrieben bestehen, die sich durch besondere bodenschonende, humusaufbauende Bewirtschaftungsweisen auszeichnen.“
Hintergrund: In den letzten drei Jahrzehnten degradierten global 33 Prozent des Weidelands, 25 Prozent der Ackerböden und 23 Prozent der Waldflächen. Etwa 30 Prozent der globalen Landfläche, der Lebensraum von etwa 3,2 Milliarden Menschen, seien von signifikanter Bodendegradation betroffen. Die Verschlechterung der Böden nimmt in allen EU-Staaten zu. Mittlerweile sind nach Schätzungen von europäischen Bodenexperten 12 Prozent des gesamten europäischen Festlands durch Wassererosion betroffen. 50 Prozent sind mäßig bis stark aufgrund von Boden-Verdichtungen gefährdet und 9 Prozent versiegelt; es gibt 500.000 Altlastenstandorte. In fast der Hälfte der europäischen Böden fehlt es heute an organischem Material. In Deutschland sind nur noch 1,2 Prozent der Fläche weitgehend unbeeinflusste Böden. Dies wirkt sich negativ auf die menschliche Gesundheit, die Ökosysteme und die Wirtschaft aus. Die jährlichen Kosten der Bodenverschlechterung werden global auf mehr als 350 Milliarden Euro geschätzt.
Rückfragen: Agrarbündnis Mecklenburg-Vorpommern c/o: Dr. Burkhard Roloff (BUND) unter Tel.: 0385 52 13 39 13 und während der Tagung: 0176 25190600
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