Wie ist das Peenetal entstanden?
Das Peenetal ist eine einzigartige Naturlandschaft, dessen Entstehung, Moorökosysteme und außergewöhnliche Artenvielfalt zusammen ein Naturmosaik bilden, das in Mitteleuropa kaum ein zweites Mal existiert. Die Bezeichnung „Amazonas des Nordens“ ist keine Übertreibung, sondern lässt sich geologisch, ökologisch und landschaftlich gut begründen.
Die Landschaft formte sich vor etwa 10.000 Jahren am Ende der Weichsel-Eiszeit. Beim Abschmelzen der Gletscher entstand eine mächtige Schmelzwasserrinne, die sich tief in die Grundmoränen grub. Peene, Tollense und Trebel waren die Schmelzwasserabflüsse. Zunächst floss das Wasser nach Westen, später – durch tektonische Hebungen und Senkungen – kehrte sich die Fließrichtung um und die Peene begann als Hauptabfluss nach Osten zu fließen. Die Verbindung von Peene, Tollense und Trebel ist also geologisch vorgegeben, nicht zufällig Das Gefälle ist extrem gering: nur ca. 24 cm auf 100 km – daher wirkt die Peene vielerorts wie ein stehendes Gewässer.
Die geologischen Besonderheiten ist der Grund für die Entwicklung riesiger Moorflächen in diesem gemeinsamen „Urstromtal“.
Flora und Fauna: Ein Mosaik aus Spezialisten
Die Peene ist einer der artenreichsten Flüsse Deutschlands mit 37 nachgewiesenen Fischarten.
Die umgebenden Moore und Feuchtwiesen beherbergen eine Vielzahl seltener Arten:
Typische Tierarten
Entlang der Peene sind stabile Populationen von Fischottern und Bibern zu beobachten. Die Ansiedlung von Seeadlern, Fischadlern, Schreiadlern sind Greifvögel von europäischer Bedeutung. Allerdings sind auch hier Bekassine, Braunkehlchen, Kiebitz – typische Wiesenvögel, bedroht. Mit etwas Glück kann die Große Moosjungfer und andere seltene Libellen entdeckt werden, sie sind Indikatoren für intakte Moorgewässer.
Typische Pflanzenarten
- Seggenriede, Röhrichte, Torfmoose, Trollblume, Mehlprimel, verschiedene Orchideenarten.
Altgewässer, Torfstiche, Schwingrasen, Feuchtwiesen, Röhrichte und Quellmoore liegen eng beieinander, sie bilden eine Mosaikstruktur der Lebensräume, in der die Artenvielfalt entstehen könnte und geschützt werden muss.
Warum heißt die Peene „Amazonas des Nordens“?
Die Peene ist einer der letzten unverbauten Flüsse Deutschlands – ohne Staustufen, ohne Regulierung. Sie mäandert ruhig durch eine weitgehend unberührte Flusswildnis mit riesigen Moorflächen. Die Flusslandschaft ist extrem artenreich, besonders an Vögeln, Fischen und Säugetieren. Sie wirkt vielerorts wie ein tropischer Sumpfwald in gemäßigter Form – mit verwachsenen Torfkanälen, stillen Altarmen und dichter Vegetation. Ganz besonders für Wasserwanderer ist die Peene ein Naturerlebnis wie ein nördlicher Dschungelfluss. Diese Mischung aus Wildnis, Artenfülle und Unverbautheit führte zur populären Bezeichnung „Amazonas des Nordens“.
Quellen und weiterführende Literatur:
NABU-Stiftung Nationales Naturerbe