Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Drastischer Rückgang der Röhrichtbestände am Schweriner Außensee

01. Oktober 2018

Vögel verlieren Lebensräume / BUND ruft zu freiwilliger Rücksichtnahme auf

Die Röhrichtbestände am Schweriner Außensee sind um 30 bis 80 Prozent zurückgegangen und der Rückgang geht weiter. In einigen Bereichen sind sogar erhebliche Landverluste festgestellt werden. Das betrifft vor allem die Moorufer am Ramper Moor und am Paulsdamm. Nur im Naturschutzgebiet Döpe und bei Retgendorf gab es ganz leichte Zunahmen. Doch die Röhrichtbestände werden immer lichter. Das Schilf stirbt ab. - Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Schwerin in Auftrag gegeben hat.

"Die Untersuchung zeigt einen drastischen Rückgang des Röhrichts von 1953 bis 2017 auf. Insgesamt sind nur noch 31 Hektar Wasserröhrichte von ehemals 177 Hektar vorhanden. Diese tiefgreifende Veränderung im Ökosystem hat uns sehr erstaunt", sagte Helge Luthe vom Büro Mordhorst auf dem 4. Forum der „Freunde der Seen Schwerins“. Das Büro Mordhorst-Bretschneider hat bereits mehrfach Untersuchungen zum Röhricht gemacht, auch an den Seen Schwerins.

An den Röhrichtbestand eng gebunden sind viele Vögel, sowohl zur Brut als auch zur Rast. Der BUND hat den Ornithologen, Dr. Wolfgang Scheller, einen ausgewiesenen Experten für Wasservögel zum Forum eingeladen, der umfangreiche Untersuchungen über lange Zeiträume auf den Schweriner See gemacht hat. Die Schweriner Seen haben bisher über 20 Prozent der Brutbestände des Haubentauchers beherbergt. Für stark gefährdete Wasservögel wie Schellente, Reiherente, Tafelente, Kolbenente haben die Seen internationale Bedeutung. Doch statt 50 bis 200 Meter haben die Wasserröhrichte jetzt oft weniger als 25 Meter Breite. Deshalb werden Lebensräume für die Vogelbrut und Rast am See immer weniger. Das belegen die umfangreichen Kartierungen, die Dr. Scheller auf dem Forum vorstellt. Die seltene Rohrdommel brütet nur noch in der Döpe, auf dem Innensee hat sie ihren Brutplatz im Röhricht der Insel Ziegelwerder aufgegeben. Dort ist seit 2018 wieder eine Liegebucht im Naturschutzgebiet frei gegeben worden.

Der Verlust der Röhrichte ist nicht nur eine Problem am Schweriner See. Als möglichen Ursachen für den Röhrichtrückgang sehen die Experten Verbisschäden durch Nutria und Wildgänse, Fadenalgenmatten durch zu viele Nährstoffe und zu viele Schneisen im Schilf.

Die Teilnehmer des Forums diskutieren über Lösungsmöglichkeiten. Der BUND schlägt vor, die noch vorhandenen Röhrichtbestände weitgehend zu schonen und nicht zu stören. “Bei Fluchtdistanzen von 10 bis 350 Metern kann sich jeder überlegen, was ein badender Hund am Ufer oder ein Boot im Schilfgürtel auslösen können. Der BUND ruft deshalb auf, Hunde anzuleinen und freiwillig auf Einfahrten in Schilfschneisen zu verzichten und Abstand zu halten. Wer etwas für die Natur der Schweriner Seen tun will, sollte respektvollen Abstand zu den nur noch dünnen Röhrichtbeständen halten.“ sagt Mareike Herrmann vom BUND Schwerin.

Hintergund:

4. Forum „Freunde der Seen Schwerins“ am 27. September ab 18 Uhr im Schleswig-Holstein-Haus (Saal) Kontakt: mareike.herrmann@bund.net.

Die BUND-Gruppe Schwerin initiierte im Rahmen des Projektes „Schweriner Seen – Naturschätze entdecken“ ein Forum „Freunde der Seen Schwerins“. Dieses Forum hat bereits viermal mit großer Resonanz stattgefunden. Alle, die ein Interesse an den Seen in der Stadt haben, sind eingeladen sich auszutauschen. Teilnehmer waren bisher verschiedenste Nutzer der Seen wie Angler, Badende, Spaziergänger, Wassersportler, Berufsfischer, Anwohner und die Naturschutzbehörden. Das Forum soll einen Austausch über Zustand, Nutzung und Entwicklung der Seen ermöglichen, da sich Nutzungen der einen stets auf die anderen auswirken. Aus dem Forum können sich Initiativen für gemeinsame Lösungen entwickeln.

Beim 1. Forum im Mai 2017 wurden viele Gemeinsamkeiten gefunden, aber auch Fragen und Herausforderungen gesammelt. Beim 2. Forum wurden aus den Themenbereichen Bootsnutzung und Infrastruktur für Wassersport die Themen Jet-Ski und Wassertankstelle diskutiert. Beim 3. Forum gab es tiefere Informationen zu „Wasserqualität und Unterwasserpflanzen“. Sofern Sie die Fotoprotokolle zu den Foren einsehen wollen, wenden Sie sich gerne an uns.

Für Rückfragen: Corinna Cwielag, BUND-Landesgeschäftsführerin, T. 0178 5654700

mehr

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb