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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Alleentagung 2018: BUND warnt vor abnehmenden Alleenbeständen und Schädigung von Alleebäumen durch Baumaßnahmen wie dem Breitbandausbau

06. November 2018

Der BUND lädt zum 14. Mal alle Interessierten zur Alleentagung Mecklenburg-Vorpommern nach Güstrow ein. Der Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung, Christian Pegel, richtet ein Grußwort an die Teilnehmer der Tagung.

Minister Pegel ist für 1.931 Kilometer Bundesstraßen und 3370 Kilometer Landesstraßen verantwortlich. Etwa 41 Prozent dieser Bundes- und Landesstraßen, also 2.170 Kilometer, sind Alleen. Das zeigt die besondere Verantwortung, die der Minister für den Schutz und die Entwicklung der Alleenlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern hat.

Im Artikel 12 Absatz 2 der Verfassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern ist der Alleenschutz als Staatsziel formuliert. Bekräftigt wurden dieser Schutz und die Weiterentwicklung der Alleen in der Koalitionsvereinbarung 2016 - 2021 Mecklenburg-Vorpommern. Darin heißt es, dass an den Straßen des Landes durch gezielte Maßnahmen sichergestellt werden soll, dass die das Land prägenden Alleen nachhaltig erhalten und entwickelt werden. „Leider entfernen wir uns gerade von diesem Ziel“, sagt Katharina Dujesiefken, Alleenexpertin des BUND Mecklenburg-Vorpommern. „Besonders seit 2010 ist es nicht gelungen, die gefällten Bäume durch Neuanpflanzungen zu ersetzen. Während bis 2010 mehr Bäume gepflanzt als gefällt wurden, hat sich die Situation seit nun acht Jahren umgewandelt. An den Bundes-und Landesstraßen betrug das Defizit an Baumpflanzungen allein in den Jahren 2016 und 2017 rund 2.700 Bäume. Bei 400 Euro pro Baum heißt das, dass die Investition von 1,074 Millionen Euro für Pflanzungen von Alleebäumen einfach ausblieb, oder anders gesagt, wir haben etwa 40 Kilometer Alleen entlang der Bundes-und Landesstraßen durch Fällung verloren und nur 20 Kilometer Alleen wurden neu gepflanzt und das in zwei Jahren! Auch bei den kommunalen Straßen gibt es Defizite bei der Pflanzung von Alleebäumen. Bei den Kreisen ist Vorpommern-Greifswald mit mehr als 3525 fehlenden Nachpflanzungen das Schlusslicht. Diese Entwicklung ist dramatisch“, so Katharina Dujesiefken.

„Optimistisch stimmt uns das „Alleensicherungsprogramm Deutsche Alleenstraße in Mecklenburg-Vorpommern“ dessen erste Ergebnisse auf unserer Tagung präsentiert werden. Von den 295 Kilometer Deutsche Alleenstraße in Mecklenburg-Vorpommern besteht danach an ca. 30 Kilometer Streckenlänge ein kurzfristiges Pflanzpotenzial, da an diesen Abschnitten für eine Neupflanzung kein Grunderwerb erforderlich ist“, sagt Katharina Dujesiefken. Als Pilotprojekte für Alleenentwicklung soll eine Pflanzung entlang der Landesstraße 30 auf Rügen bei Altenkirchen erfolgen. „Auch über sehr gelungene Pflanzungen in unserem Bundesland können wir uns freuen. Hervorheben möchten wir eine Pflanzung des Straßenbauamtes Neustrelitz von etwa 860 Bäumen, darunter Winterlinde, Wildbirne und Spitzahorn, im Landkreis Vorpommern-Greifswald.“ so Katharina Dujesiefken vom BUND. „Die Pflanzung zwischen Zerrenthin und Rossow ist Teil der Alleenerneuerung entlang der B 104 von Sponholz bei Neubrandenburg bis zur Grenze nach Polen bei Linken auf ca. 70 Kilometer. Bis 2020/21 werden noch 797 weitere Alleebäume auf diesem Abschnitt gepflanzt. Die Lücke zwischen Woldegk und Mildenitz soll in späteren Jahren geschlossen werden. „Das Straßenbauamt Neustrelitz ist übrigens das einzige Straßenbauamt, das seine Verpflichtung für Ersatzpflanzungen vollständig erfüllt hat – es geht also!“ betont Katharina Dujesiefken.

Mit der massiven Verlegung von Versorgungsleitungen Anfang der 90er-Jahre wurden teilweise die Straßenrandbereiche radikal ausgefräst und Wurzeln der Straßenbäume gekappt. Diese Bäume mussten in den darauffolgenden Jahren oft aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden. Eine solche Gefahr sieht der BUND jetzt wieder durch Missachtung von Schutzmaßnahmen für den Wurzelbereich von Bäumen bei Baumaßnahmen im Wurzelbereich, insbesondere bei dem Breitbandausbau. Erste Warnsignale kamen aus dem Landkreis Rostock.

Weitere Themen der Tagung werden die Radfernfahrt des Radsportvereins Tour d'Allée Rügen und des BUND M-V zum 25-jährige Jubiläum der "Deutschen Alleenstraße" sein, ein Projekt bei dem Radsportler entlang einer Strecke von 1900 Kilometer in 15 Etappenzielen und neun Bundesländern als Botschafter für den Alleenschutz geworben haben.

Schon viel und oft sehr kritisch wurde die Praxis der Baumpflege in unserem Bundesland diskutiert. Die Straßenmeisterei Bergen wird sich der Diskussion stellen und über ihre Aufgaben bei der Baumpflege im Bereich Rügen berichten. Obstbäume werden seit hunderten von Jahren entlang unserer Straßen als Baumreihen oder Alleen gepflanzt. Obstalleen haben große Bedeutung für die Artenvielfalt in der Landschaft. In den letzten Jahrzehnten ist der Bestand im ganzen Bundesgebiet jedoch drastisch zurückgegangen. Auf dieser Tagung werden die Teilnehmer mehr über Obstbäume an unseren Straßen, geeignete Arten und Sorten und deren Pflege erfahren.

Baumsachverständige haben unterschiedliche Herangehensweisen, unterschiedliche Techniken zur Erstellung eines Gutachtens – doch eines sollte immer im Ergebnis herauskommen, der Auftraggeber sollte verstehen, was zu tun ist und sollte es auch schlüssig finden. Eine Vertreterin der unteren Naturschutzbehörde wird die Anforderungen an Gehölz-Gutachten aus Sicht der unteren Naturschutzbehörde darstellen. Ein vereidigter und bestellter Baumsachverständiger wird im Anschluss vorstellen, wie ein Gutachten aus Sicht eines Baumsachverständigen aufgebaut sein muss.

Der Niedersächsische Heimatbund e.V. (NHB) hat sich mit Hilfe der Bevölkerung und eines Online-Portals einen Überblick über den Alleenbestand und damit eine Grundlage für einen besseren Schutz der Alleen im Land geschaffen. Die Ergebnisse dieses Projektes wurden in einer Broschüre veröffentlicht und werden auf dieser Tagung präsentiert.

Rückfragen über BUND Mecklenburg-Vorpommern

Katharina Dujesiefken, Landesgeschäftsstelle Schwerin Tel.: 0385 52311914, oder 01723848542 Corinna Cwielag, Landesgeschäftsstelle Schwerin Tel.: 0385 2311912, oder 0178 5654700

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