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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Kegelrobben kehren zurück

17. April 2020 | Mobilität, Nachhaltigkeit, Naturschutz, Ressourcen & Technik, Suffizienz, Download, Tierschutz, Meere, Lebensräume, Meeresschutz

Auch an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns tauchen immer mehr Kegelrobben auf. Etablierte Rastplätze der Kegelrobben sind der Greifswalder Bodden und die Wismarbucht.

Abbildung 1: Mitarbeiter der Tierrettung (links) und des BUNDs (rechts) im Einsatz; kleines Bild: das Kegelrobben-Jungtier in der Nähe von Greifswald (Detailaufnahme)

Vor nunmehr 100 Jahren wurde die letzte Kegelrobbe an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns im Jahr 1920 erlegt. Die Art galt von da an in der deutschen Ostsee als ausgestorben. Jagd und Umweltgifte führten auch in der restlichen Ostsee zu einem starken Populationsrückgang der Halichoerus grypus grypus, wie die Ostsee-Kegelrobbe wissenschaftlich genannt wird. Den Tiefpunkt mit knapp 3.000 Tieren gab es 1980. Internationale Schutzmaßnahmen, basierend auf der Helsinki-Konvention, führten zur Erholung der Bestände – fast 40.000 Tiere wurden 2019 gezählt[1]. Auch an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns tauchen immer mehr Kegelrobben auf. Etablierte Rastplätze der Kegelrobben sind der Greifswalder Bodden und die Wismarbucht. Ganzjährig sind bis zu 70 Individuen auf der Greifswalder Oie zählbar – an manchen Tagen sind jedoch über 150 Tiere sichtbar[2]. Die Schwankungen sind dem Verhalten der Robben geschuldet. Sie legen auf der Suche nach Nahrung bis zu 100 Kilometer am Tag zurück.

Im März 2018 gab es für Robbenfreunde die wohl größte Überraschung am Kap Arkona: dort wurde ein neugeborenes aber totes Kegelrobben-Jungtier mit weißem Lanugofell und frischer Nabelschnur gefunden. Nach Untersuchungen durch das Deutsche Meeresmuseum konnte die erste Geburt an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns bestätigt werden. Welch eine Sensation! Auch wenn das Tier nicht mehr lebte, so war es doch ein Zeichen für die Etablierung der Kegelrobben an unserer Küste. Normalerweise kehren Kegelrobbenweibchen zum Gebären, an den Strand zurück, an dem sie selbst geboren wurden. Dass immer mehr Jungtiere und nun auch die erste Geburt an der Küste nachgewiesen werden können, ist ein Highlight. Warum das Jungtier am Kap Arkona von seiner Mutter verlassen wurde, ist allerdings unklar.

In diesem Jahr wurden bereits einige Kegelrobben-Jungtiere an unseren Küsten gesichtet, bspw. vor Rügen und Greifswald. Unser Robbenteam vom BUND war in der Woche vor Ostern in Alarmbereitschaft. In der Nähe von Greifswald ruhten immer wieder Jungtiere am Strand. Am ersten Sichtungstag waren BUND-Kollegen vor Ort, um geeignetes Absperrmaterial an die Partner der Tierrettung Greifswald zu überreichen und das Tier am selben Tag noch zu betreuen. Bis in die Abendstunden erholte es sich, verschwand dann aber wieder. In den folgenden Tagen ruhte immer wieder ein Jungtier an Stränden bei Greifswald. Es wird vermutet, dass es sich um dasselbe Tier handelte.

Exkurs Lanugofell: Dieses weiße Fell tragen Kegelrobben-Jungtiere in den ersten 2-3 Wochen nach ihrer Geburt. Es dient zur Isolation, erst durch die Muttermilch bekommt das Junge eine dicke Fettschicht (Blubber). Das Fell ist nicht zum Schwimmen geeignet, weshalb die jungen Kegelrobben die meiste Zeit am Strand liegen. Sobald der Blubber dick genug ist, bekommen sie ihr adultes Fellkleid und werden von der Mutter verlassen. Die Jungtiere müssen eigenständig jagen lernen und zurechtkommen.

Das Wichtigste, was die Tiere brauchen ist: Ruhe. Jegliche Form von Kontakt ist purer Stress, weshalb unbedingt ausreichend Abstand (mindst. 100 m) zum Tier gewahrt werden muss. In den nächsten Wochen werden unsere Robben-Mitarbeiter Online-Seminare abhalten, in denen sie auf das Verhalten und den richtigen Umgang mit Robben am Strand, insbesondere bei Jungtieren, aufmerksam machen.

Für Mitglieder des BUND wird es nach dem ersten Online-Seminar am 24.04.2020 am 07.05.2020 ein weiteres Online-Seminar zum Thema geben. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen! Informationen und Anmeldung können unter anne.schroeder(at)bund-rostock.de erfolgen.


[1] B. Sander: Kegelrobben erobern die Ostsee zurück - zum Leidwesen der Fischer; „Schweriner Volkszeitung“, 29.12.2019

[2] H. von Nordheim, L. Westphal, M. Dähne: 2018: Erstmaliger Nachweis von Kegelrobbengeburten in Mecklenburg-Vorpommern; „Natur und Landschaft – Zeitschrift für Naturschutz und Landschaftspflege“, Verlag W. Kohlhammer, 08/2019

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