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BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Nachruf

16. Januar 2019

*1955 †2019

Der BUND Mecklenburg-Vorpommern trauert um seinen langjährigen Vorsitzenden, Prof. Dr. Mathias Grünwald. Wir verlieren mit Mathias Grünwald einen engagierten Streiter für die Natur und einen guten Freund. Mit seiner humorvollen Art, seinem Optimismus, seiner Offenheit und Geduld war er ein ruhender Pol in der oftmals aufreibenden Verbandsarbeit. Er besaß die selten gewordene Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen und bei strittigen Themen die Ruhe zu bewahren, zuzuhören und zu vermitteln, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Sein freundliches, den Menschen zugewandtes Wesen und seine große Fachkompetenz waren ausgezeichnete Voraussetzungen für die Führung des BUND in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist für uns schwer fassbar, dass er so plötzlich und völlig unerwartet aus dem Leben gerissen wurde. Wir vermissen ihn sehr.

Mathias Grünwald war unter anderem Biologe, Naturschutzexperte, Hochschullehrer und ehrenamtlicher Naturschützer. Seit 2002 war er Landesvorsitzender des BUND in Mecklenburg-Vorpommern. Die Zeit seines Wirkens umfasst eine außerordentlich erfolgreiche Entwicklung für den BUND in Mecklenburg-Vorpommern. Die Mitgliederzahl des BUND in Mecklenburg-Vorpommern wuchs in seiner Zeit auf 5.100 Mitglieder. In seiner Funktion als Landesvorsitzender führte er unzählige Gespräche mit Landes- und Kommunalpolitik, mit Wirtschaftsvertretern und Landnutzern und warb für zahlreiche Naturschutzanliegen. Eine starke Naturschutzverwaltung in Schutzgebieten und Behörden und eine entsprechend professionelle Kooperation der Verwaltung mit dem ehrenamtlichen Naturschutz waren ihm in den letzten Jahren besondere Anliegen.

Nach Mecklenburg-Vorpommern kam der gebürtige Schleswig-Holsteiner durch eine Berufung an die Hochschule Neubrandenburg im Jahr 1996. Zuvor hatte er in Kiel Biologie studiert, an der Universität Bayreuth promoviert und etliche berufliche Stationen in der Naturschutzverwaltung Bayerns absolviert. Unmittelbar nach der Ankunft in seiner neuen Wahlheimat Mecklenburg-Vorpommern wurde er Mitglied der BUND-Gruppe in Neubrandenburg. Dort war er im Vorstand und bei vielfältigen Naturschutzmaßnahmen engagiert. Mathias Grünwald war Vertreter des BUND Mecklenburg-Vorpommern in der Bundesdelegiertenversammlung. Zudem war er Mitglied im Verbands- und Gesamtrat des BUND sowie Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat, wo er im Bundesarbeitskreis Naturschutz mitwirkte. Insgesamt war Mathias Grünwald über 30 Jahre im BUND aktiv.

Mit seiner fachlichen Arbeit engagierte sich der Tierökologe Mathias Grünwald im BUND insbesondere für die Vermittlung von Artenkenntnissen und von Praxiswissen im Naturschutz. Auf dem Gebiet des Fledermausschutzes führte er regelmäßig Exkursionen zu deren Winterquartieren durch, die er mit Freiwilligen untersuchte. Als Spezialist für die Erfassung von Tierarten war er am bundesweiten Tag der Artenvielfalt mit dem BUND an naturschutzfachlichen Brennpunkten, wie am Biotopverbund des „Grünen Bandes“ der ehemaligen Grenzregion oder in der Region des geplanten Bombenabwurfplatzes im Grenzgebiet von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Mit zahlreichen jungen und an Naturschutz interessierten Menschen der BUNDjugend setzte er ganz praktisch einfache und wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz von Mooren und Trockenrasen in der Mecklenburgischen Seenplatte um. Mit Kartierungen von biologisch verarmten und von renaturierten Bächen in der nordostdeutschen Agrarlandschaft verwies er auf die Folgen der intensiven Landnutzung. Die anschauliche Vermittlung der ökologischen Zusammenhänge in der Natur war ihm dabei immer ein besonderes Anliegen.

Mathias Grünwald begründete die Zusammenarbeit des ehrenamtlichen Naturschutzes in der Region Neubrandenburg mit der Hochschule Neubrandenburg in Form des Ernst-Boll-Naturschutztages. Zehnmal koordinierte er diese ganztägige, auf den angewandten Natur- und Umweltschutz ausgerichtete Tagung als Kooperationsveranstaltung des BUND und weiterer regionaler Naturschutzakteure mit der Hochschule Neubrandenburg. Mathias Grünwald war es auch, der vorschlug, diese wichtige Plattform des ehrenamtlichen und beruflichen Naturschutzes nach dem in Neubrandenburg geborenen verdienstvollen Gelehrten Ernst Boll zu benennen, der Mitte des 19. Jahrhunderts Mitbegründer der Naturforschung in Mecklenburg war. Die bedrohte Artenvielfalt in der heutigen intensiv genutzten Agrarlandschaft machte Mathias Grünwald zum Schwerpunkt der Tagungen. Durch seine guten wissenschaftlichen Kontakte konnte er exzellente Fachkolleginnen und -kollegen, wie den Bienenexperten Prof. Dr. Randolf Menzel und die Expertin für Ökologischen Pflanzenschutz, Prof. Dr. Maria Finckh, für die Tagungen in Neubrandenburg gewinnen.

Neben seiner Tätigkeit für den BUND war Mathias Grünwald in zahlreichen weiteren Gremien und Organisationen ehrenamtlich für Natur- und Umweltschutz aktiv. So war er Präsident der Deutschen Naturschutzakademie e.V. (Burg Lenzen/Elbe), Vizepräsident des Kuratoriums der Naturschutzstiftung Deutsche Ostsee und des Kuratoriums der International Baltic Sea Foundation for Nature Conservation (Greifswald) sowie Vorsitzender und wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung (IUGR) e.V., einem An-Institut der Hochschule Neubrandenburg. Weiterhin war er Mitglied im Fachbeirat der Müritzeum gGmbH (Waren/Müritz), Stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Lokale Agenda 21 – Neubrandenburg“ und Mitglied im Klimarat der Stadt Neubrandenburg.

Mathias Grünwald war ein warmherziger, optimistischer Mensch, der gerne lachte, im Gespräch gut zuhören konnte und jedem Menschen, nicht nur im BUND, vorurteilsfrei, freundlich und ohne Eitelkeit begegnete. Es machte Freude, mit ihm an Naturschutzthemen zu arbeiten. Wir feierten mit ihm Erfolge und erlitten Niederlagen. Er war immer da, wenn man ihn brauchte.

Sein früher Tod trifft uns schwer.

Wir werden uns an ihn mit Dankbarkeit und in Freundschaft erinnern und ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl sind bei seiner Ehefrau und seinen Söhnen, denen wir uns sehr verbunden fühlen.

Im Namen des BUND-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern

Der Landesvorstand

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