Mit Beginn des Jahres 2011 legt das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz den Entwurf einer überarbeiteten Jagdzeitenverordnung vor. Darin wird geregelt, welche Tiere im Land zu welchen Zeiten gejagt werden dürfen. Als eine Neuerung soll die Jagd auf Elstern und Krähen (Raben- und Nebelkrähen) zugelassen werden. Dagegen hat der BUND Mecklenburg-Vorpommern massiv protestiert.
Elstern und Krähen sind Teil unserer natürlichen Fauna. Als Vögel, die sich unter anderem von Aas ernähren, besitzen sie eine große Bedeutung für den Naturhaushalt. Eine Jagd auf diese zu den Singvögeln zählenden Arten ist nicht begründbar.
Nennenswerte Schäden durch Rabenvögel sind nicht belegt
Mit dem Entwurf zur Jagdzeitenverordnung geht selbst das zuständige Fachministerium ausgesprochen dilettantisch vor. So werden Elstern und Krähen als Verursacher von Schäden in der Landwirtschaft, als Überträger von Krankheiten und als Ursache für den Bestandsrückgang beim Niederwild (z.B. Rebhuhn) diffamiert, ohne auch nur einen einzigen Nachweis dafür zu liefern. Weder kann das Ministerium annähernd genaue Populationsgrößen der Rabenvögel, noch angebliche Schadensgrößen angeben. Eine solche Vorgehensweise ist unakzeptabel, macht es doch auswählte Vogelarten zum Spielball von Jagdinteressen.
Artenschutz muss auch Rabenvögel einschließen
SPD und CDU hatten unter Punkt 126 im Koalitionsvertrag vereinbart: "Im Interesse des Artenschutzes werden Jagd- und Schonzeiten für Rabenvögel in Mecklenburg-Vorpommern eingeführt." Der BUND verweist darauf, dass die Jagd auf Rabenvögel selbst einen Verstoß gegen unsere Verpflichtung zum Erhalt der Arten bedeutet. Weder sind durch Rabenvögel andere Arten bedroht, noch erzeugen sie nennenswerte Schäden. Vielmehr lenke die Regierungskoalition mit derartigen Aktivitäten von den eigentlichen Ursachen für den Rückgang von Wildtieren ab, der vorrangig durch die heutige konventionelle Landwirtschaft bewirkt wird.
Die ausgesprochen lernfähigen Rabenvögel haben sich als Kulturfolger in unserer Kulturlandschaft zahlreiche neue Nahrungsquellen erschlossen. Durch ein gutes Nahrungsangebot kann es wie bei zahlreichen anderen Arten gelegentlich zu Konzentrationen kommen. Dies stellt jedoch keinen Grund dar, die Vögel flächendeckend zu bejagen. Kein Mensch würde heutzutage auf die Idee kommen, Greifvögel, auch wenn sie gelegentlich ein Huhn schlagen, bejagen zu wollen. Auch ist unwahrscheinlich, dass Landwirte Jahr für Jahr nennenswerte und belegbare Schäden erleiden.
Die intelligenten Vögel brauchen unsere Sympathie
Das Ansinnen, Rabenvögel zu jagen, ist schon aus ethischen Gründen abzulehnen. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Raben, Elstern und Krähen zu den intelligentesten Vögeln unserer Heimat gehören. Sie besitzen die Fähigkeit, komplexe Handlungen regelrecht zu planen. Jeder von uns hat sicher schon einmal beobachtet, dass Krähen Nüssen und Früchten dadurch habhaft werden, indem sie sie aus großer Höhe auf die Straße werfen und dadurch knacken.
Um die geplante Jagd auf Rabenvögel noch abzuwenden, muss der Protest noch lauter werden. Schreiben Sie deshalb noch heute eine E-Mail an den zuständigen Minister Till Backhaus (SPD) [E-Mail] und einen Leserbrief an Ihre Tageszeitung.
Rabenvögel brauchen unseren Schutz!
Weitere Dokumente:
Pressemitteilung des BUND Mecklenburg-Vorpommern
Entwurf der Jagdzeitenverordnung (Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz)
Stellungnahme des BUND Mecklenburg-Vorpommern
"Krähenvögel in MV" (Broschüre der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft M-V, 2008)