Naturschutz sieht anders aus - Unsere Erfahrungen mit Gartenschauen

Der BUND Mecklenburg-Vorpommern hatte sich in der Vorbereitungs- und Durchführungsphase der Bundesgartenschau 2009 in Schwerin für eine ökologisch nachhaltige Großveranstaltung eingesetzt. Die Planungen sahen an vielen Stellen eher naturfeindliche Projekte vor. Davon und von unseren Erfolgen gegen dieses Vorgehen berichten die folgenden Seiten. Sie sollen somit ein Beispiel für den Widerstand gegen Stadtplanung sein, die vorrangig von Wirtschaftsverbänden geprägt wird und mehrheitlich an den Bedürfnissen der Menschen vorbei geht.

Auch in anderen Städten und Landschaften bewirken hochgradig subventionierte Gartenschauen ein Zurückdrängen von Stadtnatur und eine Erweiterung von Intensivgrün. Nur gelegentlich können beispielhafte Stadtökologieprojekte umgesetzt werden.

Lesen Sie dazu auch den Artikel des SPIEGEL aus dem Jahr 2010: hier

Natur findet sich nicht nur vor den Toren der Stadt. Die vom BUND vor den BUGA-Plänen bewahrten Wildnisinseln im Stadtgebiet von Schwerin gehören zu den wertvollsten Lebensräumen für geschützte Tier- und Pflanzenarten, die sich in Schwerin finden lassen.

Gartenschauen müssen ökologischer werden

In einer am Donnerstag, dem 08.10. 2009, vom NDR aufgezeichneten Podiumsdiskussion zum Thema "Schluss mit BUGA - Was blüht uns jetzt?" hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine erste Bilanz der zu Ende gehenden Bundesgartenschau in Schwerin gezogen. Arndt Müller, Naturschutzexperte des BUND-Landesverbandes, der mit der Schweriner Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (LINKE), Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) und BUGA-Geschäftsführer Jochen Sandner diskutierte, betonte, dass Gartenschauen beispielhafte Lösungen für Probleme der Stadtentwicklung unter Beachtung von Ökologie und des Klimaschutz erbringen müssen. In dieser Richtung, so der BUND, habe die BUGA nicht ihr Potential genutzt. Weiterlesen...

Pressemitteilung
http://www.ndr1radiomv.de/media/audio17584.html

Kein Raum für Pflanzen und Tiere: Harte Ufergestaltung auf der BUGA.
Natürliche Uferzone am Schweriner "Faulen See": Für die Qualität der Seen unverzichtbar.

Gartenschauen müssen ökologischer werden

"Schluss mit BUGA - Was blüht uns jetzt?", so lautete das Motto des NDR-Talks im Schweriner Funkhaus des NDR am 8.10. 2009. Arndt Müller, Naturschutzexperte des BUND Landesverbandes diskutierte dabei auf einer Podiumsdiskussion mit der
Schweriner Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (LINKE),
Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) und
BUGA-Geschäftsführer Jochen Sandner. Dabei zog er aus der Sicht des BUND eine erste Bilanz der Bundesgartenschau 2009.

"Die Bundesgartenschau hat zu stark in geschützte Seeufer und wertvolle
Baumbestände eingegriffen, hat ein für den Klimaschutz wichtiges
Moorgebiet entwässert und Grünflächen mit ihrem Baumbestand eher
beseitigt, als neue geschaffen. Dies alles hat Millionen verschlungen.
Ein solches Vorgehen dürfen wir uns angesichts der weiter abnehmenden
biologischen Vielfalt nicht leisten. Natur darf nicht nur als Kulisse
dienen. Im 21. Jahrhundert sind intelligente städtebauliche Lösungen mit
einem hohen ökologischen und sozialen Nutzen für kommende Generationen
gefragt.", so Arndt Müller vom BUND. Weiterlesen...

v.l.n.r.: Prof. Hubert Weiger (Bundesvorsitzender), Dorothee Ilgner (kfm. Geschäftsführerin des BUND MV), Arndt Müller (Naturschutzreferent des BUND MV), Christine Düwel (Koordinatorin der BUND-Stiftung) und Kathleen Löpke (Jugendreferentin der BUNDjugend MV) vor den natürlichen Uferzonen des Burgsees, die erst durch eine Klage des BUND erhalten werden konnten.
4. August 2009

Naturschutz muss gleichberechtigt beteiligt werden

Bundesvorsitzender des BUND Prof. Hubert Weiger besucht die BUGA

"Was hier durch das Engagement unseres Verbandes erhalten werden konnte, ist heute eine der Attraktionen der Bundesgartenschau. Graugänse, Haubentaucher und Kormorane mitten Stadtzentrum, wo gibt es so etwas noch in Deutschland? Ohne den BUND wäre dies alles verschwunden.", so Prof. Hubert Weiger auf seinem BUGA-Rundgang am Dienstag, dem 4. August. Nach Einladung des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern und nach Vorstellung des kritischen BUGA-Führers des BUND Mecklenburg-Vorpommern ließ es sich der BUND-Vorsitzende, der an der Universität Kassel Naturschutz und nachhaltige Landnutzung und an der Technischen Universität München Naturschutzpolitik lehrt, nicht nehmen, die Bundesgartenschau in Schwerin selbst in Augenschein zu nehmen. Mehr...

Download des kritischen BUGA-Führers des BUND

BUND-Bundesvorsitzender Prof. Hubert Weiger auf der BUGA

Prof. Hubert Weiger
Durch Engagement des BUND erhaltene naturnahe Uferzone am Burgsee in Schwerin.

"Was hier durch das Engagement unseres Verbandes erhalten werden konnte, ist heute eines der Attraktionen der Bundesgartenschau. Graugänse, Haubentaucher und Kormorane mitten im Stadtzentrum, wo gibt es so etwas noch in Deutschland? Ohne den BUND wäre dies alles verschwunden.", so Prof. Hubert Weiger auf seinem BUGA-Rundgang am Dienstag, dem 4. August 2009. Nach Einladung des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern und nach Vorstellung des kritischen BUGA-Führers des BUND Mecklenburg-Vorpommern ließ es sich der BUND-Vorsitzende, der an der Universität Kassel Naturschutz und nachhaltige Landnutzung und an der Technischen Universität München Naturschutzpolitik lehrt, nicht nehmen, die Bundesgartenschau in Schwerin selbst in Augenschein zu nehmen.

"Bei derart massiv mit öffentlichen Mitteln geförderten Großprojekten muss der Naturschutz gleichberechtigter Partner bereits während des Planungsprozesses sein.", so Weiger weiter. "Natur darf nicht nur als Kulisse für Vermarktungsideen dienen, sondern Naturschutz muss als eines der zentralen Ziele in die vielen auf Bundes- wie auf Landesebene durchgeführten Gartenschauen integriert werden."

Gerade die Stadt Schwerin habe noch viele ökologisch wertvolle Areale zu bieten. Der Schweriner See mit den Naturschutzgebieten Kaninchen- und Ziegelwerder ist eines der bedeutendsten EU-Vogelschutzgebiete in Deutschland. Weitere FFH-Gebiete, wie die Halbinsel Reppin, befinden sich im Stadtgebiet oder im näheren Umfeld.
Während die Stadt Schwerin auf der BUGA intensiv mit zahlreichen Bauplänen für das Wohnen in den sensiblen Uferzonen wirbt, fehlen für die BUGA-Besucher Möglichkeiten, sich auf dem BUGA-Gelände über die grandiose Natur vor Ort zu informieren. Keine Schautafeln präsentieren die vielen geschützten Biotope entlang des Franzosenweges, einem der zentralen BUGA-Pfade. Auch hätte die Ponton-Brücke Gelegenheit geboten, auf die ökologischen Besonderheiten des Sees hinzuweisen.

Der BUND übernimmt an dieser Stelle gerne die Vermittlerrolle und verweist auf den informativen Internetauftritt der Stadt Schwerin zum Thema "Naturschutz".

Mehr zu Schwerins Naturschätzen: hier
"SeeNatour" - Ausflüge zu den Naturschönheiten am Schweriner See: hier
Zur Naturschutzstation Zippendorf (Ausstellung zum Schweriner See und mehr): hier

BUND bietet alternativen BUGA-Führer

Blick hinter die Kulissen für alle, die mehr wissen wollen

Download BUGA-Broschüre des BUND

Vorwort der Broschüre:

Liebe Schwerinerinnen und Schweriner, liebe Besucher der BUGA, liebe Garten- und Naturfreunde,

in diesen Wochen und Monaten präsentiert sich mit der BUGA 2009 in Schwerin bereits zum 30. Mal eine nationale Gartenschau. Blumenpracht vor dem Schloss, märchenhafte Kulisse, Postkartenmotive bei strahlendem Sonnenschein – optische Reize bieten sich viele. Genießen Sie Ihren Rundgang und erfreuen Sie sich an wunderbarer Natur auf und an Schwerins sieben Seen. Mit dieser Broschüre geben wir Ihnen Tipps, wo sie auf dem BUGA-Gelände, aber auch jenseits der BUGA-Pfade Naturschätze entdecken können.

Neben üppigen Blumenbeeten hat die BUGA in Schwerin aber auch eine andere Seite, eine weniger populäre, weil in weiten Teilen unerfreuliche. Diese Seite zeigt, wie falsch in unserem Land Fördermittel eingesetzt werden, wie Minister die Einhaltung der Gesetze zum Schutz der Natur regelrecht verhindern und wie letztlich eine BUGA von Landespolitikern und selbst vom Bundespräsidenten als nachhaltiges Ereignis bezeichnet wird, obwohl sie es nachweislich nicht ist.

Damit sich Gartenschauen dieser Machart nicht im politischen Sprachgebrauch als "nachhaltige Veranstaltungen" etablieren – dies wäre ein großer Schaden für all jene Initiativen, die sich tatsächlich ökologisch nachhaltigen Vorhaben widmen – darf diese problematische Seite der BUGA 2009 nicht unterschlagen werden.

Der BUND hat das Aussehen der Flächen, die nun von der BUGA genutzt werden, wesentlich mitbestimmt. So manches Naturparadies gäbe es ohne das Engagement zahlreicher meist ehrenamtlich tätiger Naturschutzexperten nicht mehr, hätte die BUGA Schwerin 2009 GmbH ihre Pläne ungebremst verwirklichen können. Dass wir den Erhalt von Natur dabei vor allem mit juristischen Mitteln erzwingen mussten, hatten wir uns so nicht vorgestellt. Eine andere kooperative Zusammenarbeit zum Nutzen von Natur wurde von Seiten der BUGA GmbH und der Stadtverwaltung Schwerin leider nicht gewünscht.

Nicht nur aus diesem Grund gehört der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Mecklenburg-Vorpommern zu den Kritikern dieser wie auch anderer Bundes- und Landesgartenschauen.

Nehmen Sie sich Zeit, unseren Argumenten zu folgen und entscheiden Sie selbst, ob Gartenschauen wie diese, 17 Jahre nach Verabschiedung einer internationalen AGENDA 21 für Nachhaltigkeit, die Richtung von Stadtentwicklungen bestimmen sollten.

Ihr BUND Mecklenburg-Vorpommern

Inhalt der Broschüre
Was ist eine BUGA?
Schwer erkämpft: Restnatur am Burgsee
Ein Gespenst geht um ...Die Sichtachse!
Und immer wieder fallen Bäume
Der "Naturgarten": Kein Garten sondern Natur
Ein See von europäischem Rang
Millionengrab "Beutel"
Der BUND-Alleenpfad
Natur kaputt...und wo ist der Ausgleich?
Gartenschauen und Ökologie
Nachhaltigkeit ist mehr als nur ein Wort
Tourentipps
BUGA-Chronik des BUND

Bundesgartenschau 2009 - Subventionierte Naturzerstörung

Seit dem 23. April 2009 läuft in Schwerin die Bundesgartenschau 2009. Für den BUND Mecklenburg-Vorpommern bedeutete die Vorbereitungsphase eine Zeit der intensiven fachlichen und juristischen Auseinandersetzung mit Behörden und der planenden BUGA 2009 Schwerin GmbH. Die BUGA-Planungen, so unsere Hauptkritik, haben nie einen Augenmerk auf den Erhalt und die Erweiterung der grandiosen Schweriner Naturlandschaft gelegt. Schon mit den Ausschreibungen für die Gestaltungswettbewerbe waren wesentliche Kriterien, wie die ökologische Verträglichkeit der Entwürfe, der Einsatz regenerativer Energiequellen, die Möglichkeit der Nachnutzung der Anlagen sträflichst vernachlässigt worden. Mit dem Prestigeprojekt der BUGA, dem so genannten "Garten des 21. Jahrhunderts", sollten wertvolle und gesetzlich geschützte Uferzonen des Burgsees unmittelbar neben dem Schweriner Schloss komplett beseitigt werden. Dem BUND gelang es, trotz vorheriger intensiver Verhandlungen mit den Genehmigungsbehörden und der BUGA GmbH, nur über eine naturschutzrechtliche Klage Restflächen der natürlichen Uferzonen zu erhalten.

Wir können zusammenfassen, dass unser Engagement dazu geführt hat. die gravierendsten Auswirkungen der BUGA-Planungen auf gesetzlich geschützte Natur zu minimieren. Angesichts zahlreicher vermeidbarer Zerstörungen an Schwerins grandioser Stadtnatur, die trotz allen Widerstands nicht verhindert werden konnten, stimmt uns das Ergebnis der Planungen allerdings nicht annähernd zufrieden. Der BUND bleibt bei seiner Kritik: Vorrangig wirtschaftlich orientierte jedoch mit enorm umfangreichen öffentlichen Mitteln geförderte Bundesgartenschauen, die keine Beiträge zu wichtigen staatlichen Aufgaben, wie den Natur- und Umweltschutz leisten, sind nicht mehr zeitgemäß. Gemessen an den drei wichtigen Kriterien der Nachhaltigkeit (ökologische Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Nachhaltigkeit, soziale Nachhaltigkeit) schneidet die BUGA aus der Sicht des BUND schlecht ab.

 

Kritischer TV-Beitrag des ARD-Magazins "Kontraste" zum Thema "Gartenschauen": hier
Die BUGA und das Problem der Nachhaltigkeit: mehr.
Das BUND-Pressearchiv zum Thema BUGA 2009 finden Sie hier. Geben Sie dort im Suchfeld rechts oben das Suchwort "BUGA" ein.



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