Moore in Breesen, Göldenitz und Grambow sind aktuell bedroht

2011 sollen 12 Hektar Moorwald in Breesen fallen
Die Lübkes Nordtorf Humus- und Peloidwerke GmbH baut Torf ab und stellt daraus hauptsächlich Gartenerden her. Die Firma ist seit 1990 in den neuen Bundesländern aktiv. Damals erhielt das Unternehmen in einer rechtlich schwammigen Phase des Wiedervereinigungsprozesses über die Treuhandanstalt mehrere so genannte Bergwerkseigentümer, also Moorgebiete in Westmecklenburg, in denen teilweise schon vor 1990 Torf abgebaut wurde. Dazu gehörten Moore in Breesen, Drispeth und Grambow.

Im Breesener Moor, das sich im Biosphärenreservat Schaalsee befindet, möchte das Unternehmen in einem neuen Abschnitt im Zeitraum bis 2030 auf einer Fläche von rund 30 Hektar pro Jahr 35.000 Kubikmeter Torf abbauen. Dafür müssen insgesamt  29 Hektar Wald gerodet werden. Der BUND Mecklenburg-Vorpommern protestiert gegen die Zerstörung von Wald- und Moorgebieten. Moore müssen aus Gründen des Klimaschutzes und als Lebensraum für streng geschützte Arten erhalten oder nach Jahren der Fehlnutzung wiederbelebt werden. Im aktuellen Genehmigungsprozess, mit dem die Firma die Genehmigung für die Beseitigung des Waldes erlangen will, hat der BUND eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben.

Stellungnahme des BUND M-V

Luftbild Breesener Moor

Das Unternehmen vertritt die Auffassung, dass abgetorfte Moore nach Abbau des Torfes revitalisiert werden und zu neuen Mooren aufwachsen können. Der BUND widerspricht dieser Ansicht. Kein abgetorftes Moor konnte bisher in ein lebendes Moor rückverwandelt werden. Der bekannte Moorexperte Prof. Dr. Michael Succow aus Greifswald kommt zu folgenden Einschätzungen: „Bis zum generellen Wiederentstehen der einstmals vorherrschenden ... Moorbildungen dürften aber Jahrhunderte vergehen.“ [in Succow & Joosten 2001]

Andere Expertisen kommen zu ähnlichem Ergebnis: „Die Ergebnisse wissenschaftlicher Begleitung der seit zwei Jahrzehnten üblichen Revitalisierungspraxis dämpfen ... den anfänglichen Optimismus der Wiederherstellbarkeit flächendeckend wachsender Regenmoorstandorte. (…) Häufig erscheint die Regeneration unter den Bedingungen veränderter Landschaftsstruktur, Wasserhaushalte und veränderten Klimas, auch schon allein wegen veränderter physikalischer Struktur von Torf und Moorboden, unrealistisch oder zumindest in weiter Ferne.“ [Bauer & Thielke, 1982]

Geplanter Torfabbau im Grambower Hofmoor
Auf einem rund 90 Hektar großen bewaldeten Moor - dem Grambower Hofmoor - in unmittelbarer Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet Grambower Moor (Landkreis Westmecklenburg) plant die die Lübkes Nordtorf Humus- und Peloidwerke GmbH ebenfalls den Abbau von Torf.


Luftbild Grambower Hofmoor


Mit einem Gutachten aus dem Jahr 1994 bescheinigten BUND und NABU dem Grambower Hofmoor ebenso wie dem benachbarten Grambower Moor die Tauglichkeit und die Notwendigkeit, als FFH-Gebiet geschützt zu werden. Der örtlich vorhandene Förderverein für den Schutz des NSG Grambower Moor, der BUND Mecklenburg-Vorpommern und benachbarte Gemeinden setzen sich intensiv für den Erhalt des Grambower Hofmoores ein. Bis heute konnte eine Genehmigung zum Torfabbau verhindert werden. Doch scheint das Vorhaben noch nicht vom Tisch.

Förderverein Grambower Moor e.V.

Foto: NSG Göldenitzer Moor nach Torfabbau; Bildautor: patrice77 (Wikipedia.org)

Das Göldenitzer Moor - 63 Hektar Wald sollen fallen
Die Rostocker Humus & Erden GmbH mit Sitz in Gubkow beantragt derzeit (Juni 2011) die Rodung von 63 Hektar Moorwald im Naturschutzgebiet Göldenitzer Moor (Landkreis Bad Doberan). Jährlich sollen hier rund 60.000 Kubikmeter Torf abgebaut werden. Der Status Naturschutzgebiet ist an dieser Stelle eine Farce, wird doch das Moor systematisch zerstört. Im Gebiet konnten sieben Fledermausarten nachgewiesen werden. Zudem ist das Moor u.a. Lebensraum von Kreuzotter, Ringelnatter, Waldeidechse, Laubfrosch, Grasfrosch, Moorfrosch und Erdkröte. Bei den Libellen sind Moosjungfern-Arten und die Schwarze Heidelibelle hervorzuheben.

Luftbild Göldenitzer Moor

Stellungnahme des BUND zum Torfabbau im NSG Göldenitzer Moor


Torfabbau Friedland soll ausgedehnt werden
zum BUND Neubrandenburg

Torfabbau in Mecklenburg-Vorpommern stoppen!

Torfhalde der Lübke Nordtorf GmbH im Breesener Moor (Landkreis Nordwestmecklenburg)

In Mecklenburg-Vorpommern werden jährlich bis zu 120.000 Kubikmeter Torf abgebaut, das sind immerhin 42 % des gesamtdeutschen Torf-Abbauvolumens. Die Gewinnung von Torf erfolgt derzeit in acht Tagebauen in den Landkreisen Bad Doberan (Tagebaue Göldenitz und Conventer Niederung), Mecklenburg-Strelitz (Tagebau Friedland Nordost), Nordvorpommern (Tagebau Bad Sülze) und Nordwestmecklenburg (Tagebaue Breesen 1 und 2, Drispeth sowie Grambow).

Neben der Nutzung der Torfe für balneologische Zwecke (Moorpackungen in Kurkliniken) wird der überwiegende Teil der Torfe zu Garten- und Blumenerden verarbeitet.

Infoflyer "Torffreie Gartenerde rettet Lebensräume" des BUND Rostock

Der Abbau der Torfe und damit die langfristige Zerstörung der Moore ist aufgrund unserer Kenntnisse über den Klimawandel und den Schwund von Tier- und Pflanzenarten heute nicht mehr zu verantworten. Er muss unverzüglich beendet werden! Moore sind als Speicherräume für Kohlendioxid unverzichtbar. Zudem  bieten sie einer hoch spezialisierten Tier- und Pflanzenwelt Lebensraum.

Weitere Infos zur Zerstörung der Moore hier.

Was sind Moore?

Moorfläche im NSG Grambower Moor (Landkreis Nordwestmecklenburg)

Moore sind ebenso wie Wälder natürliche Ökosysteme, die in unserer Landschaft zahlreiche wichtige Funktionen erfüllen. Sie speichern Kohlendioxid nicht in Form von Holz, sondern als Torf. Torf besteht aus organischen Resten von Pflanzen, die unter dem Einfluss von Wasser unter Luftabschluss geraten und für die Ewigkeit konserviert werden. Pro Jahr kommt ca. 1 Millimeter Torf hinzu. Ein Moor, das aus einer 3 Meter starken Torfschicht besteht, speichert also Biomasse aus rund 3000 Jahren.

Wird ein Moor mit Gräben versehen, um es zu entwässern und Landwirtschaft darauf zu betreiben oder um es für die Gewinnung von Gartentorf abzubaggern, wird der Torf dem Luftsauerstoff ausgesetzt. Mikroorganismen bauen ihn in Windeseile ab. Dabei werden riesige Mengen an Kohlendioxid und Stickstoff frei. Moore sind dann zerstört. Aus einer natürlichen Kohlendioxid- und Nährstoffsenke wird damit eine Schadstoffquelle.

Moorschutz ist günstiger Klimaschutz

Mecklenburg-Vorpommern verfügt über 300.000 Hektar Moorfläche. 30.000 Hektar wurden durch das erfolgreiche Moorschutzprogramm des Landes bisher wiedervernässt. Doch insbesondere die Küstenräume bieten noch zahlreiche Niederungsflächen, die entwässert sind und klimaschädliches Kohlendioxid in die Luft und Stickstoff in die Bodden freisetzen. Mehr...