Etappenerfolg für den BUND: Bundesrat lehnt CCS-Gesetz ab

Das CCS-Gesetz wurde vom Bundesrat am 23.9.2011 abgelehnt. 13.000 Unterschriften waren zuvor durch den BUND an Niedersachsens Wirtschaftsminister Bode (FDP) übergeben worden. "Deutsch­land sollte dem Beispiel Österreichs folgen und die Endlagerung von CO2 verbieten", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. "Die großen Energie­konzerne wollen mit CCS-Anlagen vor allem die klima­schädliche Kohleverstromung bis zum Sankt-Nimmer­leins-­Tag fortsetzen. Das kann der Gesetzgeber nicht wollen. Es dürfen keine neuen Kohlekraftwerke in Deutschland gebaut werden." Mehr...

Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt/ pixelio.de

CO2-Endlager in Mecklenburg-Vorpommern?

BUND protestiert gegen CCS-Pläne der Bundesregierung

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat auf Druck von Greenpeace eine Liste jener Standorte veröffentlichen müssen, an denen Untersuchungen zur Eignung als CO2-Endlager durchgeführt werden könnten. Zahlreiche potentielle Standorte, an denen die Möglichkeit besteht, Kohlendioxid aus Industrieanlagen mit Hilfe der CCS-Technologie in den geologischen Untergrund zu verpressen, befinden sich demnach auch in Mecklenburg-Vorpommern. Der BUND Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich angesichts dieser Entwicklungen beunruhigt. Mehr...

CCS ist eine energiepolitische Sackgasse!

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat auf Druck von Greenpeace im Februar 2011 eine Liste jener Standorte veröffentlichen müssen, an denen Untersuchungen zur Eignung als CO2-Endlager durchgeführt werden könnten. Zahlreiche potentielle Standorte, an denen Kohlendioxid aus Industrieanlagen in den geologischen Untergrund verpresst werden könnte, befinden sich demnach auch in Mecklenburg-Vorpommern. So stehen auf der Liste, die deutschlandweit 408 Örtlichkeiten aufführt, auch Standorte wie Feldberg und Woldegk (Landkreis Mecklenburg-Strelitz), Löcknitz (Landkreis Uecker-Randow), Pampow bei Schwerin (Landkreis Parchim), Stralsund, Greifswald und weitere. Der BUND Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich angesichts dieser Entwicklungen beunruhigt.

Arndt Müller, Energieexperte des BUND Mecklenburg-Vorpommern:

„Die Liste zeigt, dass die Bundesregierung an ihrer klimafeindlichen Energiepolitik festhält, denn die energieaufwendige CCS-Technologie ist nichts anderes als eine weitere Legitimation von Kohlekraftwerken. Würde sich ein Standort in M-V als geeignet erweisen, so könnte dies bedeuten, dass CO2 aus Kohlekraftwerken anderer Bundesländer über Pipelines in unsere Region gepumpt wird. Auch könnte der Kohleabbau und der Bau von Kohlekraftwerken bei Lübtheen wieder für die Energieunternehmen interessant werden. Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sollten auf der Hut sein und klare Auskünfte über derartige Pläne einfordern.“

Der BUND warnt seit Jahren vor den negativen Folgen der CCS-Technologie. Sie ist ausgesprochen energieintensiv und reduziert damit die Effizienz bestehender Kohlekraftwerke. Es müsste also mehr Kohle gefördert werden, um die gleiche Strommenge erzeugen zu können. Der damit notwendig werdende höhere Brennstoffverbrauch liegt bei 20 bis 30 Prozent. Erhebliche Sicherheitsbedenken führen zudem dazu, dass die Mehrheit der Bevölkerung die unterirdische CO2-Speicherung ablehnt.

Jüngste Beobachtungen aus Kanada geben aktuell Anlass zur Sorge. Dort war es im Umfeld einer CCS-Anlage zu vermehrten Todesfällen bei Haustieren gekommen. Zudem kam sprudelndes Grundwasser an die Oberfläche. Der Boden wies eine ungewöhnlich hohe Konzentration an CO2 auf (http://www.klimaretter.info/umwelt/hintergrund/7715).

Arndt Müller vom BUND Mecklenburg-Vorpommern: "Die unterirdische Speicherung von CO2 ist alles andere als sicher. Die Menschen wehren sich zur Recht gegen riskante Freilandversuche, bei denen sie Schaden nehmen können."

Der BUND sieht mit den CCS-Erkundungsplänen der Bundesregierung eine zunehmende Konkurrenz um unterirdische Speicherräume und fordert deshalb eine Untertage-Raumordnung, ähnlich wie für die Landschaften übertage.

Arndt Müller vom BUND Mecklenburg-Vorpommern: "Wir benötigen die unterirdischen Speicherräume für Zukunftstechnologien, wie Druckluftspeicherkraftwerke. Mit ihrer Hilfe wird Strom aus Windkraft konstanter als bisher zur Verfügung stehen. Und die Erneuerbaren Energien sind ganz klar im Vorteil, wenn es um die Verminderung des Kohlendioxidausstoßes geht. CCS ist eine energiepolitische Sackgasse!"



 

Hintergrund:

Bereits im Zusammenhang mit dem geplanten Steinkohlekraftwerk Lubmin war von dem damaligen Investor DONG Energy die Abscheidung des Kohlendioxids aus dem Rauchgas und die anschließende Verpressung in den geologischen Untergrund erwogen worden. Damals hatte sich sogar Ministerpräsident Ringstorff persönlich beim damaligen EU-Energiekommissar Andris Piebalgs engagiert, um den Zuschlag für ein CCS-Modellvorhaben nach Mecklenburg-Vorpommern zu holen. Dieser war dann an die Versuchsanlage im brandenburgischen Jänschwalde des schwedischen Vattenfallkonzerns vergeben worden. Die Landes-SPD hatte sich nach dem Aus für das Steinkohlekraftwerk gegen die Anwendung der CCS-Technologie in Mecklenburg-Vorpommern ausgesprochen.

Auf Bundesebene steht noch immer die Verabschiedung des umstrittenen CCS-Gesetzes durch die Bundesregierung aus, das sich derzeit noch im parlamentarischen Verfahren befindet. Umweltorganisationen wie der BUND, haben sich gegen dieses Gesetz ausgeprochen, mit dem die Rahmenbedingungen für die Erkundung, die Förderung und den Vorrang für die CCS-Technologie festgezurrt werden sollen. Mit einem eigenen geologischen Guatchten konnte der BUND-Bundesverband auf die Risiken der Technologie verweisen. Eine Zusammenfassung des geologischen Gutachtens finden Sie hier.

BUND-Stellungnahme zum CCS-Gesetz


Für Rückfragen: Arndt Müller, BUND Mecklenburg-Vorpommern, Tel. 0160-96470127


Frühere Pressemeldungen zur CCS-Problematik:

BUND M-V begrüßt Ablehnung der CCS-Technologie durch Teile der Landesregierung (26.8.2010)

Vorerst kein CCS-Pilotprojekt am Standort Lubmin (10.12.2009)






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