10. Dezember 2009

Vorerst kein CCS-Pilotprojekt am Standort Lubmin


Das geplante Steinkohlekraftwerk Lubmin des dänischen Energiekonzerns DONG Energy gehört vorerst  nicht zu den von der EU geförderten Pilotprojekten für die Anwendung der umstrittenen CCS-Technologie - der Abscheidung von Kohlendioxid aus dem Rauchgas von Kraftwerken und dessen  anschließende Verpressung in den geologischen Untergrund.

Dies geht aus einer am gestrigen Mittwoch, dem 9.12.2009, veröffentlichten Meldung der EU-Kommission hervor, mit der ein milliardenschweres Konjunkturprogramm im Bereich der Energieerzeugung vorgestellt wurde. Demnach  werden 1,5 Milliarden Euro für 15 CCS-Projekte und Offshore-Windenergie-Anlagen bereitgestellt. Unter den EU-weit geförderten 6 Pilotprojekten zur CCS-Technologie befindet sich in Deutschland allein die Versuchsanlage Jänschwalde des Vattenfall-Konzerns, die mit 180 Millionen Euro gefördert werden soll.

Für den BUND Mecklenburg-Vorpommern wird damit eine Genehmigung für das Kraftwerk von DONG Energy immer unwahrscheinlicher.

Arndt Müller, Energieexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Mecklenburg-Vorpommern:
"Mit der ausbleibenden Förderung für die CCS-Technologie fällt ein ganz wesentliches Argument von DONG Energy am Standort Lubmin weg. Die Versuche, dem Vorhaben ein grünes Mäntelchen überzuhängen, sind damit gescheitert. DONG sollte das Handtuch werfen."

Noch im Oktober 2007 hatte sich anlässlich eines Besuchs  des EU-Energiekommissar Andris Piebalgs in Lubmin der damalige Ministerpräsident Ringstorff (SPD) an der Seite von DONG Energy für ein Pilotprojekt zur Kohlendioxidabscheidung eingesetzt. Bereits zu diesem Zeitpunkt bewertete der BUND die Abscheidung von Kohlendioxid aus Rauchgasen von Kraftwerken als teure Sackgasse. Die CCS-Technologien sind ausgesprochen energieintensiv und verringern damit die ohnehin geringe Effizienz von Kohlekraftwerken noch weiter. Außerdem ergeben sich bei der Lagerung des Kohlendioxids im geologischen Untergrund zahlreiche fachliche und rechtliche Probleme.

Neben der ausbleibenden CCS-Technologie war die gestrige Absage des 900 Megawatt Kohlekraftwerkes in Dörpen / Niedersachsen ein weiteres Ereignis, dass nach Auffassung des BUND den dänischen Konzern DONG Energy immer weiter in Bedrängnis bringen könnte. Die dortigen Investoren, die Energiekonzerne EnBW (Karlsruhe) und BKW (Bern) hatten mittgeteilt, dass sich ein geplantes Kraftwerk ohne eine so genannte Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) nicht wirtschaftlich betreiben lasse.

Arndt Müller vom BUND Mecklenburg-Vorpommern:
"Auch das Steinkohlekraftwerk in Lubmin soll ohne Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden. Es sind schlicht keine Abnehmer für derart viel Wärme da. Die Abwärme würde ungenutzt in den Greifswalder Bodden entweichen und dort unter anderem eine der wichtigsten Heringskinderstuben der Ostsee beeinträchtigen. Geringe Effizienz, fehlende Wirtschaftlichkeit und eine Unmenge Schäden an der Umwelt: Wer redet da noch von Genehmigung?"


Hintergrundinformationen zur CCS-Technologie hier.



Rückfragen Arndt Müller, BUND M-V, Tel. 0160-96470127