BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


16. Juli 2010

Vier Jahre Regierungskoalition SPD-CDU im Land Mecklenburg-Vorpommern

Anlässlich des knapp vierjährigen Bestehens der rot-schwarzen Koalition in Mecklenburg-Vorpommern bilanziert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) deren Arbeit.


Zu den Erfolgen im Ressort Umwelt und Landwirtschaft zählen


Auch mit dem Eintreten gegen den Verkauf der Seen durch die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) ist der BUND Mecklenburg-Vorpommern mit der Landesregierung auf einer Wellenlänge.


Als Misserfolge müssen allerdings bewertet werden:


Zum Ressort Verkehr, Bau und Landesentwicklung

Hier begrüßt der BUND eine erweiterte Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) inklusive des Schienenverkehrs (z.B. Programm zur Bahnhofsumfeldgestaltung über 2,5 Mio € aus dem EFRE). Bei einzelnen Massentierhaltungsanlagen wurden wenigstens vor dem eigentlichen Genehmigungsverfahren Raumordnungsverfahren durchgeführt. Zugleich begrüßt der BUND, dass der Nothafen Darsser Ort schrittweise aus dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft zurückgezogen wird.


Negativ wird bewertet, dass es immer noch keine entscheidenden Fortschritte beim Ausbau von straßenbegleitenden Radwegen gibt. Es gibt deutlich zu wenig Investitionen in Schienenwege mit dem Ziel, einen Integralen Taktfahrplan im Nahverkehr zu erreichen. Eine Bahnfahrt aus der Landeshauptstadt in die Universitätsstadt Greifswald dauert beispielsweise immer noch drei Stunden. Hingegen hält die Landes-regierung an überflüssigen und umweltschädlichen Straßenbauprojekten wie der A 14 fest. Für die küsten-nahen Meeresgebiete gibt es trotz zahlreicher Begehrlichkeiten (Kiesabbau, Offshore-Windkraft) keine ausreichende Raumordnung. Das so genannte „Integrierte Küstenzonenmanagement“, an dem Forschungs-einrichtungen des Landes mit Förderung des Landes seit vielen Jahren arbeiten, bleibt weitgehend ein Papiertiger. Zudem blockiert das Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung die Ausweisung von Meeresschutzgebieten, obwohl die Landesregierung entsprechende internationale Vereinbarungen im Ostseeraum unterzeichnet hat.



Ressort Wirtschaft, Arbeit, Tourismus

Positiv:

Im Wirtschaftsressort werden endlich mehr Mittel für Forschung und Entwicklung statt ausschließlich für Investitionsförderung ausgereicht. Es wurde zudem unter Federführung des Wirtschaftsministeriums ein Klimaschutzaktionsplan erarbeitet.


Negativ:

Die langjährige Unterstützung des geplanten Kohlekraftwerks Lubmin verursachte dem Land einen schweren Imageschaden und band über Jahre Ressourcen in der Verwaltung. Das Energiekonzept „Energie-land 2020“, dass unter Führung des Wirtschaftsministeriums entstand, blieb anschließend weit hinter den Erwartungen zurück und räumte den Erneuerbaren Energie einen zu geringen Stellenwert ein. Die Opposition aus Bündnis 90/ Grünen und Umweltverbänden musste den Wirtschaftspolitikern die wahren Möglichkeiten der Erneuerbaren Energien für Arbeitsplätze und Klimaschutz in Mecklenburg-Vorpommern vorrechnen. In diesem Punkt erwies sich zumindest die SPD als lernfähig und steuerte daraufhin ihren Kurs auf Unterstützung der Erneuerbaren Energien. In der Landesregierung kommt dieser Kurswechsel der SPD bisher jedoch kaum zum Tragen. So gibt es seit 10 Jahren keine Anhebung des jährlichen Mittelansatzes für Klimaschutzprojekte! Die Förderung von Biogasanlagen aus dem Wirtschaftsministerium erfolgt ohne Bindung an Fläche oder Betriebsgröße. Damit wird die Errichtung von Groß-Biogasanlagen, die nur auf monotone und unökologische Maiskulturen bzw. Güllemassen ausgerichtet sind, befördert.

Das Wirtschaftspolitik hat zudem keine Strategie einer integrativen, umweltverträglichen Tourismus-entwicklung. Die touristische Infrastruktur im ländlichen Raum entsteht völlig unkoordiniert, zum Beispiel als regelrechter Wildwuchs von Bootshäfen an wertvollen Seen der Mecklenburgischen Seenplatte.


Ressort Inneres

Der BUND Mecklenburg-Vorpommern kritisiert, dass sich unter der Ägide des Innenministeriums der Standort Lubmin schrittweise zu einem Endlager für Atommüll entwickelt. Noch im Laufe des Jahres 2010 sollen vier Castor-Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll nach Lubmin transportiert werden. Dies hat das Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt. Politischer Widerstand gegen diese Praxis aus der Landesregierung wurde nicht vernommen. Vielmehr wird dort unter dem Diktat angeblicher Arbeitsplätze alles mitgetragen. Bei der Lagerung in Lubmin geht es somit erstmals um hoch radioaktiven Atommüll aus westdeutschen Atomanlagen. Dabei handelt es sich um Atom-Müll aus Anlagen in Karlsruhe und um Brennstäbe aus dem Forschungsschiff „Otto Hahn“ des Forschungszentrums Geesthacht. Lubmin ist für die Lagerung von hoch radioaktiven Abfällen jedoch völlig ungeeignet. Mögliche Schäden an den Castor-Behältern können in Lubmin nicht behoben werden, da hier ein dafür geeigneter abgeriegelter Raum fehlt, die sogenannte „Heisse Zelle“.“


Ressort Bildung

Nur äußerst schleppend wird bei den Bildungsfachleuten der Landesregierung der Bedeutung der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erkannt, deren Förderung mit Ausnahmen weitgehend dem Umwelt- und dem Wirtschaftsministerium überlassen wird. BNE enthält Umweltbildung und globales Lernen und hilft den Schülern aber auch in der außerunterrichtlichen Bildung bzw. der Erwachsenenbildung gegenwärtige ökologische, ökonomische und soziale Entwicklungen zu erkennen und zu analysieren. Damit sollen insbesondere heranwachsenden Generationen lernen, Entscheidungen über ihre Lebensweise zu treffen, welche die Möglichkeiten kommender Generationen nicht gefährden. Insgesamt ist die Förderung von Umweltbildung weiter rückläufig. Insbesondere vor dem Hintergrund der im Bildungsministerium eigentlich gewollten Förderung von „kompetenzorientiertem Unterricht“ in Ganztagsschulen wäre die Förderung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung äußerst wichtig. Zahlreiche kompetente außerschulische Bildungsanbieter, die sich für eine Bildungsarbeit in Ganztagsschulen (z.B. im Zuge des Nachmittagsprogramms) interessieren, finden jedoch im Bildungsressort kaum Unterstützung.


Für Rückfragen:

Verkehr, Landesentwicklung: Georg Nikelski, Tel. 0173-2134064

Landwirtschaft: Dr. Burkhard Roloff, Tel. 0176-25190600

Naturschutz: Arndt Müller, Tel. 0160-96470127



Quelle: http://www.bund-mecklenburg-vorpommern.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/vier-jahre-regierungskoalition-spd-cdu-im-land-mecklenburg-vorpommern/