19. März 2009
Mehr Bio in der Gastronomie von Mecklenburg-Vorpommern! Umstellungsprämie deutlich erhöhen!
Über 100 Bio-Gastronomen bzw. -Hoteliers und solche, die es werden wollen, Bio-Bauern, -Vermarkter und -Verarbeiter sind in die Barlachstadt Güstrow gekommen, um sich über die aktuellen Trends und Chancen von Bio-Lebensmitteln in der Gastronomie zu informieren, die Änderungen bei der Bio-Zertifizierung und -Kontrolle nach der neuen EG-Öko-Verordnung zu erfahren und die Möglichkeiten der Bio-Umstellungsberatung und -Schulung für Gastronomen kennen zu lernen, aber auch um Erfahrungen auszutauschen und neue Geschäftspartner zu finden.
Dr. Burkhard Roloff, Ökolandbauexperte des BUND zur agrarpolitischen Zielsetzung der landesweiten Fachtagung: „Bio in der Außer-Haus-Verpflegung besitzt ein großes Entwicklungspotential in unserem Land, denn die Verwendung von ökologischen Lebensmitteln in der Gastronomie ist ein sinnvoller Beitrag bei der Profilierung Mecklenburg-Vorpommerns als Gesundheits- und Tourismusland. Trotz der gestiegenen Nachfrage nach regionalen Bio-Produkten ließen sich erst 55 Restaurants, Hotels, Cafes oder Caterer bio-zertifizierten. Hauptgrund ist die mangelnde Verfügbarkeit ökologischer Zutaten sowie unflexible Lieferbedingungen und deren höhere Kosten. Es fehlen kleine und mittlere Bio-Betriebe im Land, die den sehr differenzierten Ansprüchen der Bio-Gastronomen entsprechend, ökologisch erzeugen und liefern können. Als finanziellen Anreiz zur Umstellung fordern wir deshalb eine deutliche Erhöhung der Umstellungsprämie auf 250 €/ha für Acker- und Grünland sowie einen finanziellen Ausgleich für erforderliche Investitionen in die ökologische Nutztierhaltung.“
„Bio und Genuss gehören zusammen", sagt Carola Ketelhodt, Geschäftsführerin des Bioland-Verbandes. „Wir freuen uns sehr, dass die gehobene Gastronomie auch in Mecklenburg-Vorpommern die Chance ergreift, ihren Gästen Speisen in Bio-Qualität anzubieten. Bioland steht dabei für regionale Lebensmittel auf höchstem Niveau. Es gibt einen großen Bedarf an Beratung und Schulung für Gastronomen, die auf Bio umstellen wollen bzw. bereits umgestellt haben. Der Bioland-Verband ist ein erfahrener Partner der Gastronomen bei der Beratung und Schulung."
Regina Witt, Geschäftsführerin vom Verbund-Ökohöfe/Nordost erläutert die Vorzüge der kleinen bäuerlichen Bio-Höfe bei der Belieferung der Gastronomie: „Verbund-Ökohöfe Nordost steht für natur- und umweltschutzorientierte Betriebe, die mit ihren handwerklich erzeugten hochwertigen Produkten ideale Partner für die Gastronomie sind. Unsere Erzeugnisse, wie Gemüse, Obst, Kräuter, Ziegen- und Schafskäse, Lammfleisch, Geflügel, Eier und Honig werden hauptsächlich regional, direkt und frisch geliefert."
Georg Wilhelm Jahn, Landessprecher der Demeter-Bauern und Mitbegründer der gentechnikfreien Region „Schweriner Land - gentechnikfrei“ zu einer existentiellen gesellschaftlichen Rahmenbedingung für die Bio-Bauern: „Für uns Bio-Bauern ist es existentiell, dass die staatlich geförderte Forschung zur Agrogentechnik eingestellt wird und weder Freisetzungsversuche, noch ein großflächiger Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen im Land erfolgen.“
Am Nachmittag präsentieren sich fünf interessante und erfolgreiche Beispielbetriebe aus Mecklenburg-Vorpommern: ein Bio-Hotel, ein Bio-Restaurant, ein Bio-Bistro sowie eine Catering-Firma für Kinder und eine Mensa mit einem Bio-Angebot.
Erstmalig werden sich während der Tagung zehn ausgewählte Bio-Erzeuger, -Verarbeiter und -Vermarkter auf einem Bio-Infomarkt gemeinsam mit ihren Bio-Produkten oder Dienstleistungen vorstellen.
Hintergrund: Der Handelsumsatz mit Bio-Lebensmitteln wuchs in Deutschland im Jahre 2008 im fünften Jahr in Folge zweistellig, d.h. um 10 % auf 5,8 Mrd. €. Gründe für das im Vergleich zu den Vorjahren geringere Wachstum waren die zeitweise mangelnde Verfügbarkeit einzelner Bio-Rohstoffe, aber vor allem die nachteiligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für umstellungswillige Landwirte. Die Zahl der Bio-Betriebe stieg im Jahre 2008 bundesweit nur um 6,0 % und blieb damit hinter dem Bio-Marktwachstum zurück. Die Anzahl der Biobetriebe reicht nach wie vor nicht aus, um die gestiegene Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln aus Deutschland zu decken. Einzelne Bio-Rohwaren wurden zu 30 bis 50 % importiert. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat als deutliches Signal die Förderbeträge für den ökologischen Landbau erhöht. Danach könnten die Prämien für die Beibehaltung der ökologischen Bewirtschaftung von Acker- und Grünland zum Januar 2009 von derzeit 137 €/ha auf 170 €/ha und für die Umstellung auf 210 €/ha von den Bundesländern erhöht werden.
Laut Marketingexperten wird die Nachfrage nach Bio-Produkten, aber auch nach Bio-Kosmetik und Bio-Kleidung, bei gleichzeitiger Erweiterung der Sortimente und sinkender Verbraucherpreise in Zukunft weiter ansteigen. Bio-Produkte im Lebensmitteleinzelhandel und in der Außer-Haus-Verpflegung besitzen dabei die größten Entwicklungspotentiale.
Der ökologische Landbau in Mecklenburg-Vorpommern entwickelte sich im Jahre 2008 gering. Trotz des Zuwachses um 18 landwirtschaftliche Bio-Betriebe, kam es insgesamt durch Rückumstellung bestehender Bio-Betriebe insgesamt zu einem Flächenrückgang bei der Ökoanbaufläche. Zurzeit wird 8,3 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Land ökologisch bewirtschaftet.
Die bisher 55 bio-zertifizierten Restaurants, Hotels, Cafés oder Caterer in Mecklenburg-Vorpommern befinden sich sowohl in den Touristenregionen an der Ostsee als auch mit sehr speziellen Angeboten im Binnenland. Gründe für die geringe Umstellungsbereitschaft in der Gastronomie sind die seit 2004 vorgeschriebene Zertifizierung und Kontrolle, die mangelnde Verfügbarkeit ökologischer Zutaten sowie unflexible Lieferbedingungen und deren höhere Kosten, aber auch Unkenntnis und Vorurteile gegenüber der Vorzüglichkeit ökologischer Lebensmittel in der Gastronomie.