13. Januar 2010

Ländlicher Wegebau verschlingt Millionen und schädigt Umwelt

Anlässlich der heutigen Einweihung der Gemeindeverbindungsstraße Trantow - Treuen (Landkreis Demmin) und der sanierten Schwingebrücke Trantow durch Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) kritisiert der BUND Landesverband Mecklenburg-Vorpommern die generell mangelhafte Berücksichtigung der Naturschutzbelange im ländlichen Wegebau. Um den Interessen von Landwirtschaftsbetrieben mit ihrem hochtechnisierten Maschinenpark zu genügen, verschwinden nach Aussagen des BUND Jahr für Jahr in Mecklenburg-Vorpommern hunderte Kilometer Feld- und Wiesenwege unter einer Asphalt- und Betondecke. Möglich werden diese Maßnahmen allein durch eine enorme finanzielle Förderung aus europäischen Fördertöpfen. Auf diese Weise profitiert die Landwirtschaft nicht nur von direkten Beihilfen, sondern auch vom Ausbau der Infrastruktur. Dieser gehe jedoch - so der BUND - überwiegend an öffentlichen Interessen, wie dem Natur- und Landschaftsschutz, vorbei.

So quert die mit überdurchschnittlichem Aufwand ausgebaute Wegestrecke Trantow-Treuen das reizvolle Naturschutzgebiet "Schwingetal und Peenewiesen bei Trantow", das gleichzeitig als FFH-Gebiet ausgewiesen ist. In einem solchen Gebiet müssen nach Auffassung des BUND Naturschutzinteressen Vorrrang haben. So ist die Schwinge unter anderem Lebensraum von Biber, Fischotter, verschiedenen Fledermausarten und bedrohten Fischarten, wie dem Steinbeißer und dem Flussneunauge. Mit dem Ausbau der Strecke, die zahlreiche Gehölzfällungen und Aufschüttungen nötig machte, wird es nach Auffassung des BUND zu einer verstärkten Verkehrsnutzung und damit zu einer starken Beunruhigung im Naturschutzgebiet mit der folgenden Beeinträchtigung von geschützten Arten kommen. Trotz massiver Eingriffe in das europäische Schutzgebiet waren eventuelle Beeinträchtigungen der streng geschützten Arten und der Schutzziele im FFH-Gebiet mit dem Genehmigungsverfahren nicht ausreichend untersucht worden. Der BUND hatte sich daraufhin gegen das Vorhaben gewandt. Bis heute sind durch das zuständige Amt für Landwirtschaft Altentreptow nicht alle Ausgleichsmaßnahmen, die für Eingriffe in das Gebiet notwendig wurden, realisiert.

Mit dem Ausbau der Ortsverbindung Trantow-Treuen wurde nach Aussagen des BUND auch ein in wertvoller Landschaft gelegener historischer Hohlweg baulich verändert. Aus landeskultureller Sicht müsse dieser erhalten werden. Der BUND Mecklenburg-Vorpommern mahne deshalb wiederholt an, mit dem ländlichen Wegebau - der in der Praxis vielmehr Straßenbau bedeute - nicht das landeskulturelle Erbe unseres Bundeslandes zu zerstören. Naturnaher Tourismus wird sich nach Meinung des BUND nicht entwickeln, wenn bei der Planung der ländlichen Infrastruktur allein die Interessen der konventionellen Landwirtschaft massgeblich sind. Wanderer und Radfahrer wollen - so der BUND - nicht nur Beton- und Asphaltpisten nutzen, schon gar nicht in einem Naturschutzgebiet. Die naturnahen Wegeverbindungen in unserer Landschaft seien ein großer Wert, der bewahrt werden müsse.

Für Rückfragen:
Arndt Müller, Referent für Naturschutz, Tel. 0385-521339-15 oder 0160-96470127