15. Dezember 2009
Allianz "Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin" zur Absage des Kohlekraftwerks:
Nach der Entscheidung des dänischen Energiekonzerns DONG Energy, am Greifswalder Bodden kein Steinkohlekraftwerk zu errichten, hat sich die Allianz "Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin" mit einer offiziellen Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt.
Darin danken die Vertreterinnen und Vertreter von vier Bürgerinitiativen und der Umweltorganisationen BUND und WWF den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern in ganz Deutschland, die in den vergangenen drei Jahren an der Seite der regionalen Akteure für diesen Ausgang der Kraftwerkspläne gekämpft haben. Die Entscheidung von DONG Energy werde mit Respekt zur Kenntnis genommen. Ein Weg zurück in das Kohlezeitalter war und ist am Greifswalder Bodden jedoch nicht gewollt.
Seit 2006 hatten sich regionale Bürgerinitiativen, BUND und WWF unterstützt vom deutschlandweiten Netzwerk "die klima-allianz", Deutscher Umwelthilfe (DUH), NABU und 'Die Klimapiraten' mit zahlreichen Informationsveranstaltungen, Demonstrationen, fachlichen Gutachten und vielen weiteren Aktionen gegen die Errichtung eines Steinkohlekraftwerks und damit für mehr Klimaschutz engagiert. Nicht zuletzt dank herausragender Rechtsbeistände konnten die Einwendungen von weit über tausend Privatpersonen betreut und ausgewertet werden. In einer Volksinitiative unter maßgeblicher Mitwirkung von Bündnis 90/ Grüne und Die LINKE hatten sich über 30.000 Menschen gegen das Kraftwerk ausgesprochen.
Hauptkritikpunkte an dem Vorhaben waren dessen Auswirkungen auf das Ökosystem des Greifswalder Boddens durch den Eintrag von erwärmtem Wasser und Quecksilber, die Beeinträchtigung empfindlicher Land-Ökosysteme durch luftgetragene Schadstoffe, Gesundheitsgefährdungen durch Feinstaub, Radioaktivität sowie der Vermehrung eines potentiell tödlich wirkenden Bakteriums durch den Warmwassereintrag, Beeinträchtigungen des Seebad-Status von Lubmin und Auswirkungen auf den Tourismus in der Region. Die CO2 - Emissionen des Landes Mecklenburg-Vorpommern hätten sich außerdem nahezu verdoppelt. Wegen fehlender Kraft-Wärme-Kopplung wäre über die Hälfte der produzierten Energie wirkungslos in die Atmosphäre und den Bodden abgegeben worden.
Auch die derzeit öffentlich diskutierte Übernahme des Projektes durch einen anderen Vorhabensträger würde die Überwindung dieser Genehmigungshürden nicht wahrscheinlicher machen. Sollte das Genehmigungsverfahren jedoch in einer wie auch immer gearteten Form weiter betrieben werden, kündigt die Allianz erneuten Widerstand an.
Die Nachteile für die Region und das dauerhafte Engagement der Bürgerinnen und Bürger für ihre Region seien es gewesen, die letztlich auch Vertreter der Regierungskoaliton in Mecklenburg-Vorpommern zu einem Umdenken bewogen haben.
Ursprünglich war seitens der Genehmigungsbehörden vorgesehen, das Kraftwerk bereits im Frühjahr 2007 zu genehmigen. Der gleichzeitig breite und qualifizierte Protest gegen das Vorhaben machte dies unmöglich und zeigte sowohl dem Energieunternehmen als auch den Genehmigungsbehörden die kritischen Punkte des Vorhabens auf. Zahlreiche Fachleute aus Universitäten, Verbänden, dem Gesundheitswesen, aber auch aus der Wirtschaft engagierten sich gegen das Vorhaben und bewiesen insbesondere auf dem 16tägigen Erörterungstermin im Herbst 2008 fundierten Sachverstand, dem die Gutachter des Unternehmens an vielen Stellen nichts entgegen zu setzen hatten. Die seitens der Genehmigungsbehörden von DONG Energy geforderten Nacharbeiten an den Antragsunterlagen sind zu einem erheblichen Teil auf dieses Engagement zurück zu führen.
Bürgerinitiativen und Verbände zeigten aber auch wirtschaftliche Alternativen zu dem Kraftwerk auf, die die Schaffung von Arbeitsplätzen, den Natur- und Umweltschutz und die touristische Entwicklung der Region in Einklang bringen. Dazu fand u.a. Anfang November eine Konferenz "Erneuerbare Energien als Impulsgeber für wirtschaftlichen Aufschwung in Mecklenburg-Vorpommern" statt, auf der DONG Energy eingeladen wurde, am Industriestandort ökonomisch aber auch ökologisch nachhaltige Projekte am Industriestandort Lubmin und in ganz Mecklenburg-Vorpommern zu entwickeln. Mit dem Wegfall des Kohlekraftwerks würden nun wieder alle Optionen der ökologisch verträglichen Regionalentwicklung offen stehen.
Im Ergebnis habe politischer und fachlicher Widerstand auf breiter Basis vor dem Hintergrund des Klimawandels ein weiteres nicht verantwortbares Projekt verhindert.
Die vollständige Erklärung finden Sie hier.
Rückfragen: Arndt Müller, BUND MV, Tel. 0385-521339-15 Cathrin Münster, WWF, Tel. 0162-2914474 Dr.-Ing. Michael Drevlak, BI Lubmin, Tel. 0163-1313225 Thorsten Jelinski, BI Rügen, Tel. 038308-30397 Karin Kaspar, Allianz "Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin", Tel. 038372-70803 Oskar Gulla, BI Greifswald, Tel. 038348-10690