25. August 2009
Zuviel Wild im Nationalparkwald auf dem Darß
Im nächsten Jahr wird der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft 20 Jahre alt. Der erste Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Deutschland, Prof. Dr. Hubert Weiger, hat sich deshalb vor Ort ein Bild von der aktuellen Situation im Park gemacht. Anlass waren der zweimalige Entzug der FSC-Zertifizierung und die Erwähnung im kürzlich vom BUND veröffentlichten „Schwarzbuch Wald“. Das Resumee von Weiger, der selbst studierter Forstmann ist, ist vernichtend: „Es ist der am schlechtesten gemanagete Nationalpark in Deutschland.“ Ulrich Mergner, Wald- und Jagdexperte des BUND konkretisiert die Misstände: „Hauptproblem sind hier offenbar die drastisch überhöhte Rotwildbestände, die das Aufwachsen der heimischen Baumarten verhindern.“
Der BUND kritisiert jedoch auch eine ganze Liste weiterer Mängel im Nationalpark:
- Der Waldumbau erfolgt zu stark nach konventionellen forstlichen Gesichtpunkten: Einfallslose Pflanzreihen schaffen einen unnatürlichen und einschichtigen Altersklassenwald und stören darüber hinaus das ästhetische Empfinden der Nationalparkbesucher.
- Der Entzug des FSC-Zertifikates 2008 ist ein Armutszeugnis für das Mangagement des Waldes im Nationalpark, insbesondere vor dem Hintergrund, dass FSC für vorblildliche Forstbetriebe inzwischen Standard ist. Es gibt kaum die für einen Nationalpark üblichen Forschungen.
- An den Eingangsparkplätzen erhält der Besucher keine oder nur lieblos präsentierte Informationen zum Nationalpark.
Der BUND fordert deshalb die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommmern und den verantwortlichen Minister Till Backhaus dazu auf, eine Qualitätsoffensive für die ihm anvertrauten Nationalparke zu starten. Ziel muß ein Standard sein, wie er für die übrigen Nationalparke in Deutschland gilt. Für den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft hat der BUND folgende Forderungen:
- Der Rotwildbestände müssen drastisch reduziert werden und effektive Bewegungsjagden die permanente Einzeljagd ersetzen. Die Trohäenjagd ist ab sofort zu beenden, Bezahljagden zu untersagen.
- Störungen durch Jäger sind auf ein Minimum zu reduzieren, damit auch Parkbesucher auf den Wiesen Rotwild beobachten können.
- Jegliche Kirrung (jagdliche Wildfütterung) ist zu verbieten, Wildwiesen nicht mehr zu bewirtschaften.
- Damwild soll als nicht heimische Wildart gänzlich entommen werden.
- Die wirkungslose Jagd auf Füchse, Marder, Iltisse und Hermelin sollte eingestellt werden um Ruhe in die Wildbestände zu bringen. Lediglich auf den Vogelinseln ist eine Fuchsreduktion zuzulassen, sofern ein Gutachten eines neutralen, externen Wildbiologen einen negativen Einfluss des Fuchses auf die Vogelbestände zweifelsfrei belegt.
- Die zeitliche befristete Unterpflanzung von Kiefernwäldern soll nicht nur mit Buchen, sondern auch mit Eichen, Vogelbeerbäumen und anderen Laubbäumen erfolgen.- Die Pflanzungen sollen nicht in Reih und Glied, sondern gruppenweise erfolgen, damit der künftige Wald strukturreicher ist und mehr ökologische Nieschen enthält.
- Sofern noch Durchforstungen in Jungwäldern stattfinden, sind Bäume mit Holzfehlern, Specht- und großkronige Bäume als künftige Habitatbäume zu erhalten.
- Die Forschung im Park ist auszuweiten. Insbesondere sollen Vorkommen und Erhaltung der xylobionten Käferarten und Pilze Gegenstand der Forschung sein. Die Artenzusammensetzung der Vogelarten soll als leicht zu beobachtender Indikator in den Wäldern jährlich erhoben werden.
Hintergrundpapier