"Was hier passiert, ist mit Worten nicht mehr zu beschreiben". Arndt Müller, Biologe und Naturschutzexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt sich angesichts der Baumfällungen im Küstenschutzwald der Insel Rügen in Sellin erschüttert. Seit dem 12. Februar werden für ein geplantes Luxuswohngebiet an der Steilküste der Insel Rügen über 1000 Bäume in einem Waldstück gefällt und Teile des Waldes komplett beseitigt. Auch in diesem Winter hat es erneut starke Küstenabbrüche auf der Insel Rügen gegeben. Geologen warnen vor weiterem Küstenrückgang, raten dazu, die Küstenlinie nicht weiter zu bebauen. Bürger wehren sich, treten für den Erhalt ihrer natürlichen Lebensumwelt ein und trotzdem: Mit einer unfassbaren Ignoranz genehmigte die Gemeinde Sellin die Errichtung eines Eigenheimgebietes in nur 90 Meter Entfernung zur Steilküste. Der gesetzlich festgelegte Küstenschutzstreifen in dem nicht gebaut werden sollte, beträgt jedoch 200 Meter. Arndt Müller: "Die Gier eines Bürgermeisters und willfährige Gemeindevertreter lassen vernünftige Argumente verhallen." Besonderen Wert erhält das jetzt für Eigenheime zerstörte Gebiet auch durch Zeugen der einstigen Bewirtschaftung als Niederwald. Zahlreiche Hainbuchen, Buchen und Haselsträucher zeigen deshalb malerische Mehrstämmigkeit. In früheren Zeiten wurden ausgewählte Bäume in regelmäßigen Abständen heruntergeschnitten, um das Holz zu nutzen. An den Schnittstellen trieben sie dann immer wieder neu aus. Arndt Müller: "Derartige Wälder mit ihren prächtigen Frühjahrsblühern Leberblümchen, Buschwindröschen und Lerchensporn, und noch dazu in unmittelbarer Küstennähe gelegen, sollten unbedingt erhalten werden. Und das nicht nur in Nationalparks oder anderen Schutzgebieten. Es ist unfassbar, wie die Naturschutzbehörden so ein Gebiet für die Bebauung frei geben können." Besonders in Küstennähe haben Wälder eine wichtige Bedeutung für den Küstenschutz. Sie bremsen den Wind und puffern den Niederschlag. Darüber hinaus sind sie hochattraktive Erholungsräume für die Bewohner und die zahlreichen Gäste der Insel Rügen. Mit dem Vorgehen in Sellin werden egoistische Einzelinteressen einer Gemeinde über das öffentliche Interesse am Erhalt von Waldflächen gestellt. Arndt Müller: "Die Bürgerinnen und Bürger der Insel Rügen haben es selbst in der Hand, sich in den Gemeindevertretungen durch Menschen vertreten zu lassen, denen nicht das schnelle Geld, sondern eine nachhaltige Entwicklung Rügens am Herzen liegt. Nur über den Erhalt der herrlichen Natur- und Kulturlandschaften der Insel wird sie auf Dauer ihre Attraktivität behalten. Eine Bewahrung unverbauter Küsten gehört unbedingt dazu."