24. Januar 2007
Protest gegen Abfallverbrennung
"Das geplante Müllheizkraftwerk für die
Kartoffelfabrik Hagenow darf so nicht genehmigt werden", erklärt die
Landesgeschäftsführerin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) Corinna Cwielag auf der Protestaktion der Hagenower Bürger vor
dem heutigen Erörterungstermin im Hagenower Rathaus.
Bei jeder Verbrennung von Müll entstehen die
extrem krebsgefährlichen Dioxine und Furane, besser bekannt als
Seveso-Gift. Nach den Prognosen des Betreibers, der Mecklenburger
Kartoffel-Veredelung (MKV), werden die von der
Weltgesundheitsorganisation WHO vorgegebenen Werte zwar knapp
eingehalten. Diese Berechnungen sind aber nicht richtig, wie dies eine
fachliche Überprüfung im Auftrag des BUND ergeben hat. "Tatsächlich
besteht die akute Gefahr, dass die Grenzwerte deutlich überschritten
werden", sagt der Anwalt von Bürgern und BUND Peter Kremer, " Die
Leidtragenden sind die Hagenower BürgerInnen, deren Gesundheit auf dem
Spiel steht."
Mit dem Grenzwert der WHO soll vor allem
verhindert werden, dass sich die gefährlichen Stoffe in Nahrungsmitteln
anreichern. Aus Sicht des BUND ist es daher völlig absurd, eine solche
Verbrennungsanlage direkt neben zwei Lebensmittelbetrieben errichten zu
wollen. Denn die Abluft aus der geplanten Müllverbrennung würde direkt
mit den Kartoffeln der MKV und den Produkten der Gummibärchenfabrik in
Berührung kommen.
Der BUND kritisiert an der Prognose für Dioxine
und Furane, dass als Vorbelastungswert die Messergebnisse aus einer
unbelasteten Gegend herangezogen wurden. Im Hagenower Gewerbegebiet wird
aber ein Biomassekraftwerk betrieben, in dem 75.000 Tonnen Altholz pro
Jahr verbrannt werden. Die hierbei zwangsläufig entstehenden Dioxine und
Furane wurden in der Immissionsprognose für die Müllverbrennungsanlage
der MKV nicht berücksichtigt.
Nach den Untersuchungen des BUND ist auch die
Menge der Dioxine und Furane, die von der Anlage erzeugt wird, nicht
nachvollziehbar. Es fehlen die entscheidenden Berechnungen, so dass auch
nichts kontrolliert werden kann.
Besonders bemerkenswert aus Sicht des BUND ist,
dass sich die MKV zwar auf ein humantoxikologisches Gutachten beruft,
das nachweisen soll, dass das Krebsrisiko nicht signifikant ansteigt.
Den entscheidenden Wert, nämlich die Deposition von Dioxinen und Furanen,
unterschlägt dieses Gutachten aber komplett. Corinna Cwielag: "Es ist
leicht, zu guten Werten zu kommen, wenn die größte Gesundheitsgefahr
einfach unter den Tisch fällt."
Rechtsanwalt Peter Kremer: "Diesen Fehler hat die
Genehmigungsbehörde offensichtlich bisher gar nicht bemerkt." In einem
Schreiben an den Anwalt führt das StAUN Schwerin aus, dass alle
Berechnungen der MKV plausibel und nachvollziehbar seien und kein
Grenzwert überschritten würde.
Der BUND kritisiert weiter, dass die
Zusammensetzung des Mülls, der in Hagenow verbrannt werden soll,
überhaupt nicht kontrollierbar ist. Deshalb kann es zu nicht
vorhersehbaren Schadstoffspitzen in den Abgasen der Verbrennung kommen.
Doch kontinuierliche Messungen von Dioxinen und Furanen im Rauchgas sind
aus Kostengründen nicht vorgesehen, sondern nur nachträgliche Proben.
Überschreitungen der zulässigen Grenzwerte würden so erst Wochen später
bemerkt. Die gesamte Technik der Rauchgasreinigung ist äußerst dürftig
und entspricht längst nicht mehr dem neuesten Stand der Technik.
Auf dem heute stattfindenden Erörterungstermin
wird sich der BUND vehement dafür einsetzen, dass die Anlage an diesem
Standort nicht genehmigt wird. Corinna Cwielag: "Eine Müllverbrennung
gehört grundsätzlich nicht in ein Gebiet, in dem sich viele Menschen
aufhalten. Das gilt erst recht, wenn hinten und vorne an der
Umwelttechnik gespart wird. Die MKV wäre gut beraten, einen anderen
Standort zu suchen. Wir können nur hoffen, dass das StAUN Schwerin die
berechtigten Sorgen der BürgerInnen von Hagenow ernst nimmt."
Für Rückfragen: Corinna Cwielag, BUND
Landesgeschäftsführerin: Tel. 0178 5654 700