11. Januar 2007
Kohle ist energiepolitischer Albtraum
Als tiefen Griff in die Mottenkiste
energiepolitischer Konzepte, bezeichnet der BUND Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V. die offizielle Ankündigung des
Ministerpräsidenten Harald Ringstorff zum Bau eines
Steinkohlekraftwerkes in Lubmin bei Greifswald durch den dänischen
Energiekonzern DONG. Deutschland hat sich im Rahmen des Kyoto-Protokolls
verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis 2012 um 21 Prozent
gegenueber 1990 zu reduzieren. Bis 2003 sind die Emissionen bereits um
18,5 Prozent zurückgegangen. Laut UNO-Klimareport vom Oktober 2006
steigt allerdings seit dem Jahr 2000 der Ausstoß an Kohlendioxid
weltweit wieder an. In Deutschland trägt die Stromerzeugung in
Kraftwerken weiterhin mit 44 Prozent zu den gesamten
Kohlendioxidemissionen des Landes bei. Besonders klimaschädlich sind
Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke. Sie belasten das Klima mehr als
doppelt so stark wie Erdgas/Gas- und Dampf (GuD)-Kraftwerke und um ein
Vielfaches stärker als Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen oder erneuerbare
Energien. Das geplante Kraftwerk in Lubmin wird bei einer Leistung von
1800 MW jährlich rund 7 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre abgeben.
„Saubere Steinkohlekraftwerke über Reinigung der Abgase oder
CO2-Abscheidung und -Speicherung sind nicht möglich.“, unterstreicht
Professor Mathias Grünwald, Vorsitzender des BUND Landesverbandes
Mecklenburg-Vorpommern und ergänzt: „Weder ist die Technologie derzeit
ausgereift, noch ist eine spätere Nachrüstung wirtschaftlich möglich.
Ein Steinkohlekraftwerk in Lubmin, das zudem hauptsächlich mit
Importkohle aus Übersee betrieben werden soll, ist angesichts der
dramatischen weltweiten Klimaveränderungen ein umwelt- und
energiepolitischer Albtraum“.
Erst 2005 hatte die von Ministerpräsident
Ringstorff geführte Landesregierung einen „Aktionsplan Klimaschutz“
verabschiedet. Darin wurde die Bedeutung der Entwicklung erneuerbarer
Energien mit Hilfe von Zukunftstechnologien für Mecklenburg-Vorpommern
bekräftigt. „Die zahlreichen Bemühungen im Lande, mit der Entwicklung
und Förderung zukunftsfähiger erneuerbarer Energien deutschlandweit eine
Spitzenposition einzunehmen, würden mit dem Bau eines
Steinkohlekraftwerkes mit einem Schlag zunichte gemacht“, so die
Einschätzung von Professor Grünwald. Erst im Dezember 2006 hatte das
Umweltbundesamt mit einer Studie belegt, dass die in Deutschland
geplanten 20 Neubauten von Kohlekraftwerken die deutschen
Klimaschutzziele gefährden.
Indem die Koalition aus CDU und SPD über die Köpfe
der Bewohner der Region für derartige umweltbelastende Projekte
eintritt, so ist der BUND überzeugt, zerstört sie deren Perspektive im
Wirtschaftszweig Nr. 1, dem Tourismus. Schon jetzt widerspricht
Wirtschaftsminister Seidel seinem eigenen Wahlprogramm. Das CDU-Papier
zur Landtagswahl legte dar: „Die sehr gute Entwicklung des Tourismus als
Wirtschaftszweig in Mecklenburg-Vorpommern darf nicht beeinträchtigt
werden. Deshalb lehnen wir beispielsweise den Braunkohleabbau in der
Griesen Gegend im Landkreis Ludwigslust ab.“ Dass es sich mit dem Bau
eines Steinkohlekraftwerkes mit kilometerweit sichtbarem Schornstein und
Rauchfahnen um ein ähnlich tourismusfeindliches Projekt handelt, scheint
der Landesregierung nicht klar zu sein.
Der BUND befürchtet neben der negativen Wirkung
auf den landschaftsbezogenen Tourismus an der reizvollen vorpommerschen
Küste Beeinträchtigungen von zahlreichen Ökosystemen beispielsweise die
Versauerung der Böden, die Erwärmung des Boddens oder Schäden an den
Feldfrüchten der Landwirtschaft. Nicht zuletzt gehe es darum, Schäden an
der Gesundheit der Menschen und am europäischen Naturerbe zu verhindern.
Gerade für den der Erhalt der NATURA 2000-Gebiete erhält unser Land aus
Brüssel große Fördersummen - eine Steinkohlekraftwerk bei Lubmin
gefährdet diese zahlreichen positiven Entwicklungen im Tourismus- und
Landwirtschaftsland Vorpommern.
V.i.S.d.P.: Arndt Müller, Referent für
Naturschutz, BUND Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Tel. 0385-565470 oder 0179-7977071
weitere Informationen: Informationen des BUND zum
Thema „Kohlekraftwerke“ unter
www.bund.net/lab/reddot2/aktuell_5904.htm